Wahl zum Parteichef - NRW-Ministerpräsident setzt sich durch – und bekommt ein schwieriges Angebot Mit dem Glücksbringer zum Sieg

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Miriam Hollstein
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Armin Laschet hält bei seiner Rede die Bergmann-Marke seines Vaters hoch. Dieser hatte sie seinem Sohn zum Parteitag mitgegeben. © dpa

Berlin. 15 Minuten haben am Samstagvormittag über die politische Zukunft der CDU entschieden – und über drei politische Karrieren. 15 Minuten lang durften die drei Kandidaten um den CDU-Vorsitz in der Messehalle Berlin zu den 1001 Delegierten sprechen, die digital zugeschaltet waren. Am Ende entschied sich der Parteitag für den Bewährten unter den Bewerbern, den Mann mit Regierungserfahrung. Im zweiten Wahlgang setzte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet mit 521 Stimmen deutlich gegen Friedrich Merz durch, der nur 466 Stimmen erhielt. Abgestimmt hatten 991 der Delegierten, davon enthielten sich drei. Im ersten Wahlgang war bereits Außenpolitiker Norbert Röttgen ausgeschieden.

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Es war ein Déjà-Vu-Erlebnis, als Laschet um 9.45 Uhr ans Mikrofon trat. Wie seine Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor zwei Jahren durfte er als Erster der drei Bewerber sprechen. Und wie AKK überraschte er mit einer starken Rede.

Laschet wählte den Begriff des Vertrauens, erzählte ihn anhand der Geschichte seines Vaters, der lange Bergmann war. Dieser habe ihm immer gesagt: „Wenn du unter Tage bist, dann ist es egal, wo ein Kollege herkommt, welche Religion er hat, wie er aussieht. Entscheidend ist: Kannst du dich auf ihn verlassen?“ Bis heute trage sein Vater seine Erkennungsmarke als Bergmann am Schlüsselbund. Diese Marken seien nach der Schicht über Tage an einen Nagel gehängt worden, um zu signalisieren, dass jemand heil und gesund wieder zurück war.

Der von Laschet angeschlagene Dreiklang aus Kameradschaft, Verlässlichkeit und Geschlossenheit trifft nicht nur im Ruhrpott einen Nerv. Sondern auch bei der CDU, die sich als Volkspartei und damit als Versöhnerin verschiedener Flügel und Wurzeln versteht.

Der ehrliche (Kohle-)Kumpel-Typ

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Vertrauen sei auch die Währung der Politik, sagte Laschet und wagte einen kurzen außenpolitischen Ausflug nach Amerika. Dort sei dieses Vertrauen verloren gegangen. Kurz streifte er Europa, kehrte dann zur Innenpolitik zurück. Der Abgang von Angela Merkel werde auch für die CDU die Vertrauensfrage in der Bevölkerung neu stellen, so Laschet: „Es gibt viele Menschen, die vor allem Angela Merkel gut finden und erst danach die CDU.“ Jetzt gehe es deshalb darum, sich das Vertrauen neu zu erarbeiten: „Es wird einem nicht geschenkt, nicht vererbt.“ Diese Worte gelten durchaus auch für Laschet selbst. Seinen Kritikern wird er beweisen müssen, dass er eine Bundespartei führen kann und nicht nur durch Unterstützung des Parteiapparats an die Spitze gelangte.

Im Gegensatz zu seinen kraftlosen und visionslosen Auftritten der vergangenen Wochen wirkte Laschet bei seiner Rede energisch und zugewandt. Immer wieder präsentierte er sich als Mann der Mitte („Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte stark bleiben“) und der rhetorischen Mäßigung. Sein Satz „Wir müssen Klartext reden, aber nicht polarisieren“, war auch eine kleine Spitze gegen Mitbewerber Friedrich Merz. Zum Schluss kehrte der 59-Jährige noch einmal zum Ausgangsnarrativ zurück. Sein Vater habe ihm für den heutigen Tag seine Bergmannsmarke mit den Worten mitgegeben: „Sag den Leuten: Sie können dir vertrauen.“ Er sei vielleicht „nicht der Mann der perfekten Inszenierung“, sagte Laschet auch in Anspielung auf seinen zweiten Konkurrenten Norbert Röttgen, der in den sozialen Netzwerken Sympathien gewonnen hatte: „Aber ich bin Armin Laschet.“

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Laschet, der Bodenständige, der ehrliche (Kohle-)Kumpel-Typ. Es ist das Prinzip, mit dem er auch schon – wider alle Erwartungen – 2017 die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen gegen die favorisierte Amtsinhaberin Hannelore Kraft gewonnen hat.

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Viel Zeit, den Sieg zu genießen, hat Laschet nicht. Auf ihn warten große Herausforderungen. Er muss seine Konkurrenten einbinden, was seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer trotz aller Bemühungen nie gelungen ist.

Das Angebot von Friedrich Merz, als Wirtschaftsminister für die aktuelle Regierung zur Verfügung zu stehen, bringt ihn jedoch in eine Zwickmühle: Dringt er auf einen Rückzug von Wirtschaftsminister Peter Altmaier, verprellt er damit Teile der Partei. Auch Angela Merkel hat keinerlei Interesse, den einstigen Erzrivalen Merz bald an ihrem Kabinettstisch sitzen zu haben. Sagt Laschet jedoch Friedrich Merz ab, stößt er dessen Lager vor den Kopf.

Außerdem muss Laschet Merkels politisches Erbe bewahren, sich aber zugleich genügend Freiraum für einen eigenen Weg schaffen. Und er muss die Wähler davon überzeugen, dass er auch der Richtige fürs Land ist. Gerade unter den baden-württembergischen und ostdeutschen Delegierten hatten viele auf einen anderen Ausgang des Parteitags gehofft.

Formal muss Armin Laschet sich noch ein wenig gedulden, bevor er sich offiziell Bundesvorsitzender nennen darf. Denn das Ergebnis des digitalen Parteitags ist erst rechtssicher, wenn es durch die anschließende Briefwahl bestätigt wurde. Deren Resultat wird am 22. Januar bekannt gegeben.

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