Politbarometer - Laut Umfrage keiner der drei Bewerber um den CDU-Vorsitz als Regierungschef geeignet / Merz, Laschet und Röttgen sind unpopulär Mehrheit hält Söder für kanzlertauglich

Von 
Walter Serif
Lesedauer: 

Mannheim. . Die lange Leidenszeit der Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende geht an diesem Samstag vorbei. 1001 zugeschaltete Delegierte bestimmen auf dem digitalen Parteitag ihren Nachfolger. Sie haben allerdings die Qual der Wahl, denn gleich drei Kandidaten – alle aus Nordrhein-Westfalen – wollen das Amt übernehmen: Wirtschaftsexperte Friedrich Merz, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Außenpolitiker Norbert Röttgen. Im Vorfeld des Parteitags hat sich kein Favorit herauskristallisiert, das Rennen gilt als offen. Weil die Delegierten in der Regel Funktionsträger sind – darunter auch viele Bundestagsabgeordnete –, lässt die aktuelle Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen ohnehin keine Schlüsse auf das Ergebnis zu.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU). © dpa

Alarmierende Zahlen

AdUnit urban-intext1

Gleichwohl sind die Zahlen des Politbarometers für die CDU in zweierlei Hinsicht alarmierend. „Offensichtlich trauen die Wähler keinem der drei Kandidaten richtig zu, die CDU als Parteichef erfolgreich in die Zukunft zu führen oder gar als Kanzler geeignet zu sein“, analysiert Matthias Jung von der Forschungsgruppe. „Wahrscheinlich wird deshalb von der Wahl eines neuen CDU-Vorsitzenden kein großes Aufbruchsignal ausgehen“, so Jung weiter.

Das meiste Vertrauen im Lager der CDU/CSU genießt Friedrich Merz mit 37 Prozent, das sind fünf Zähler mehr als im Oktober. Zugelegt hat Röttgen mit 26 Prozent (plus acht), Boden verloren dagegen Laschet (25/minus vier). Unter allen Wahlberechtigten liegen Merz (plus vier) und Laschet (unverändert) gleichauf mit 28 Prozent. Röttgen steigert sich im Männer-Rennen von 17 auf 24 Prozent.

Obwohl Merz bei den Unionsanhängern vorn liegt, hat sich ihr Wunsch nach mehr traditionell-konservativer Politik wieder abgeschwächt. Gegenwärtig wollen dies 33 Prozent, im März 2020 waren es noch 43. Für 38 Prozent (30) „sollte sich da nicht viel ändern“. Unter allen Wahlberechtigten ist der Wunsch nach weniger traditionell-konservativer Politik mit 35 Prozent relativ am stärksten.

AdUnit urban-intext2

Traditionell hat der CDU-Vorsitzende auch den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Zweimal durften in der Vergangenheit mit Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) CSU-Politiker ran – beide scheiterten. In jüngster Zeit haben sich die Stimmen gemehrt, dass der Kanzlerkandidat der Union nicht unbedingt CDU-Vorsitzender sein muss. Neben Gesundheitsminister Jens Spahn fiel dabei immer wieder der Name eines CSU-Politikers. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder genießt auch jenseits des Weißwurst-Äquators große Sympathien. 54 Prozent aller Deutschen meinen, dass Söder Kanzler kann. Spahn sprechen 59 Prozent diese Fähigkeit ab, bei Laschet sind es 57, Röttgen trauen dies 49 Prozent nicht zu.

Auch im eigenen Lager erhält Söder sehr gute Werte. 71 Prozent der Unionsanhänger meinen, dass sich der Franke als Kanzler eignen würde. Bei Spahn sehen nur 37 Prozent das Zeug zum Kanzler. Noch geringer sind nach der Meinung der Unterstützer der Union die Chancen für seine Parteifreunde Merz (36), Röttgen (35) und Laschet (28). „Aus heutiger Sicht wäre es mit Blick auf die Umfragewerte sehr unklug, Söder nicht zum Kanzlerkandidaten zu machen“, lautet das Fazit von Jung.

AdUnit urban-intext3

Söder ist unter dem Strich der einzige Politiker in Deutschland, dem eine Mehrheit die Fähigkeit zum Kanzler zuspricht. Beim SPD-Kandidaten Olaf Scholz sind dagegen die Meinungen geteilt, 45 Prozent meinen, er sei geeignet, ebenfalls 45 Prozent glauben das nicht. Wie Söder erhält auch Scholz in den eigenen Reihen mit 73 Prozent großen Zuspruch. Dies gilt ebenfalls für die Grünen-Politiker Robert Habeck (64) und Annalena Baerbock (50). Allerdings überwiegen bei allen Wahlberechtigten die Zweifel an ihrer Befähigung. 55 Prozent halten wenig von Habeck, bei Baerbock sind es 63.

Merkel dominiert Rangliste

AdUnit urban-intext4

Auch bei der Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker schneiden Laschet und Merz schlecht ab. Der NRW-Ministerpräsident kommt auf der Skala von plus bis minus fünf auf einen Popularitätswert von nur plus 0,7 und belegt damit den achten Platz, der Wirtschaftsexperte bildet mit plus 0,1 das Schlusslicht. Auch im eigenen Lager sind ihre Werte mit plus 1,3 beziehungsweise 1,4 bescheiden. Röttgen taucht in der Liste nicht auf. Söder liegt mit plus 1,5 hinter CDU-Kanzlerin Angela Merkel (2,6) und Spahn (1,6) auf Platz drei.

Obwohl die Unionsparteien seit dem Frühjahr 2020 in der Sonntagsfrage meilenweit vor den Grünen liegen, muss das im Superwahljahr nicht so bleiben. „Wir haben seit vielen Jahren starke Bewegungen vor Bundestagswahlen. Außerdem ist der Kampf offener, weil Amtsinhaberin Merkel abtritt und die Kanzlerkandidatur für alle, die antreten werden, Neuland ist“, sagt Jung.

Mehr zum Thema

Politbarometer Januar I 2020 (KW 48) CDU-Parteivorsitz: Im Unionslager genießt Friedrich Merz das meiste Vertrauen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Reporter für Poltiik und Wirtschaft

Thema : Politbarometer

  • Politbarometer-Extra Rheinland-Pfalz II/2021 Landtagswahl: CDU in Rheinland-Pfalz knapp vor SPD

    Für 59% der potentiellen Wähler in Rheinland-Pfalz spielt vor allem die Politik vor Ort eine wesentliche Rolle bei ihrer Wahlentscheidung, für mehr als ein Drittel ist die Bundespolitik entscheidend.

    Mehr erfahren
  • Politbarometer-Extra Baden-Württemberg II/2021 Landtagswahl: Grüne im Südwesten vor CDU

    Für eine Mehrheit der Wahlberechtigten steht bei der Landtagswahl die Landespolitik im Vordergrund. Auch über mögliche Koalitionen haben die Bürgerinne und Bürger klare Vorstellungen.

    Mehr erfahren
  • Politbarometer Januar II (KW 04) - Teil 2 Deutliche Mehrheit mit Verlauf der Impfungen unzufrieden

    56 Prozent der Befragten befürworten die geltenden Corona-Maßnahmen - jedoch fühlen sich auch viele Menschen "stark belastet" durch die Krise. Eine deutliche Mehrheit ist mit dem Verlauf der Impfungen gegen das Virus unzufrieden.

    Mehr erfahren