Impfung - Grünes Licht für Vakzin trotz Fällen von seltener Thrombose / Britische Arzneimittelbehörde: Nur noch an über 30-Jährige

EMA empfiehlt AstraZeneca weiter

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epd/dpa
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Brüssel/Amsterdam/London. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca trotz eines möglichen Zusammenhangs mit Blutgerinnseln weiter als wirksames Mittel gegen die Pandemie. Der Nutzen überwiege das Risiko, erklärte die EMA am Mittwoch. Zugleich solle die Medikamenteninformation um die Nebenwirkungen ergänzt werden.

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Die Behörde urteilte, dass im Zeitraum von zwei Wochen nach einer Impfung mit AstraZeneca die Möglichkeit von „sehr seltenen Fälle von Blutgerinnseln in Kombination mit niedrigen Blutplättchenwerten“ bestehe. Sie hatte Fälle von Blutgerinnseln in Venen des Gehirns, im Unterleib sowie in Arterien untersucht. Die meisten bekannten Fälle seien bei Frauen unter 60 aufgetreten. Spezielle Risikofaktoren machte die EMA aber nicht aus.

Eine mögliche Erklärung für die Kombination der Blutgerinnsel mit niedrigen Blutplättchen ist der EMA zufolge eine Immunreaktion. Diese könnte zu einem Zustand führen, wie er manchmal bei mit Heparin behandelten Patienten auftrete.

Patienten mit folgenden Symptomen sollten sofort medizinische Hilfe suchen: Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, Schwellung im Bein, anhaltende Schmerzen im Unterleib, neurologische Symptome, darunter schwere anhaltende Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen, sowie kleine Blutflecken unter der Haut abseits der Injektionsstelle.

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Unklar ist, was für Folgen die EMA-Entscheidung nun für die Impfungen haben wird. Mehrere EU-Länder, darunter Deutschland, hatten zuvor den Einsatz des Impfstoffes auf Personen ab 60 Jahre eingeschränkt. Hintergrund waren seltene Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen nach einer AstraZeneca-Impfung. In Deutschland gab es 31 Verdachtsfälle.

79 Fälle verzeichnet

Unterdessen hat auch die britische Impfkommission ihre Empfehlung für den AstraZeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung geändert. Das Präparat soll hier künftig möglichst nur noch über 30-jährigen Erwachsenen verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte.

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In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA bislang 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff aufgetreten. Dabei kam es zu 19 Todesfällen. Die meisten dieser Fälle betrafen junge Menschen.

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Ein direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission zwar noch nicht nachgewiesen werden. Aber angesichts des geringeren Risikos für jüngere Menschen, an der Krankheit Covid-19 zu sterben, habe man diese Abwägung getroffen, hieß es in der Begründung.