Pandemie - Pendler werden zum Risiko Deutschland verschärft Grenzkontrollen

Von 
Christian Unger
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Berlin/Zittau. Jeden Morgen unter der Woche fährt Jiri Zahradnik eine knappe halbe Stunde aus Tschechien nach Zittau. Er arbeitet bei der Handelskammer in Sachsen. Hier im Dreiländereck war das Pendeln Alltag. Doch jetzt sehen manche Politiker Menschen wie Zahradnik als Risiko. Tschechien gehört derzeit zu den Staaten mit den höchsten Infektionszahlen – weltweit. In der vergangenen Woche infizierten sich 671 pro 100 000 Menschen mit Corona. In Deutschland sind es 160, in Polen 150. Tschechien ist seit Monaten im Ausnahmezustand. Zum Einkaufen darf niemand mehr die Grenze nach Sachsen überschreiten. Doch der Pendelverkehr der Arbeitskräfte bleibt – auch weil viele deutsche Firmen und Kliniken das wollen.

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Mittlerweile gibt es dort Impfstoff, vor allem für Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilten die Kliniken in der Region mit, dass auch das Personal aus Tschechien und Polen geimpft werde. Von den rund 1500 Mitarbeitern im Klinikbetrieb etwa im Landkreis Görlitz, einschließlich der Fachärzte, Ambulanzen und der Verwaltung, käme rund ein Viertel aus dem Ausland, die meisten aus Tschechien und Polen.

Jeden Tag reisen im Normalbetrieb knapp 9000 Menschen aus Tschechien vor allem nach Sachsen zur Arbeit, ähnlich viele kommen aus Polen. Mittlerweile arbeiten laut Handelskammer in Sachsen nur noch etwa halb so viele Tschechen. Viele hätten Urlaub genommen oder würden im Homeoffice arbeiten, so Zahradnik. Und vielen sei gekündigt worden, vor allem seit Restaurants und Hotels schließen mussten.

Und doch: Die Fallzahlen sind in Sachsen, Thüringen und Bayern alarmierend hoch. Nun verschärft die Bundesregierung die Maßnahmen, die sächsischen Behörden ziehen nach. Ab diesem Wochenende gilt: Wer aus Tschechien als Berufspendler einreist, muss einen negativen Corona-Test vorlegen.

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An der Grenze kontrolliert die Bundespolizei – allerdings nur stichprobenartig. Aber: Selbst wenn ein Tscheche ohne negativen Corona-Test einreist, kann der Bundespolizist ihn nicht zurückweisen. Denn der Auftrag für die Kontrollen der Tests kommt vom Gesundheitsministerium. „Vom Innenministerium sind keine Grenzkontrollen veranlasst. Das heißt, bei Einreisen sind uns die Hände gebunden“, sagte Andreas Roßkopf, Vorsitzender für den Bereich Bundespolizei bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP).