Forschung - 180 Professoren im Südwesten arbeiten auf dem Zukunftsfeld / Bauer legt Erfolgsbilanz vor Spitzenplatz bei künstlicher Intelligenz

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Peter Reinhardt
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Formeln, die zu einem Algorithmus für maschinelles Lernen gehören, stehen im AI Research Building der Universität Tübingen, das zum „Cyber Valley“ gehört. © dpa

Stuttgart. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will 100 Professoren für künstliche Intelligenz (KI) bis 2023 zusätzlich einstellen. Das hat Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nicht ruhen lassen. Über 180 Professoren beschäftigen sich im Land schon heute mit den Zukunftsfelder KI und Robotik. „Baden-Württemberg hat bundesweit die meisten KI-Professuren“, ist ihre bisher unveröffentlichte Bestandserhebung überschrieben. Auch Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann würdigt die Erfolgsbilanz kurz vor der Landtagswahl gerne: „In kurzer Zeit ist mit dem Cyber Valley in Tübingen ein weltweit beachteter Top-Standort entstanden.“

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Mit 130 gibt es die meisten Professuren für KI und Robotik an den Universitäten in Baden-Württemberg. Davon beschäftigen sich 14 Wissenschaftler mit ethischen und gesellschaftlichen Problemen der künstlichen Intelligenz. Weitere 51 Professoren arbeiten an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Dazu kommen sieben weitere an außeruniversitären Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Die Erhebung des Wissenschaftsministeriums wurde Mitte Februar abgeschlossen.

Der Befund deckt sich mit einer Studie des Branchenverbandes Bitkom über KI-Lehrstühle in Deutschland aus dem Jahr 2020. Auch da lag Baden-Württemberg mit 43 vor dem Nachbarland Bayern mit 33 Lehrstühlen. Deutlich abgeschlagen auf Rang 3 rangierte mit 23 Professuren Nordrhein-Westfalen. Gezählt wurden bundesweit 220 Lehrstühle im Bereich Informatik.

Bauer will sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben. Mit dem zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Hochschulfinanzierungsvertrag biete das Land die notwendigen finanziellen Spielräume für den weiteren Ausbau der Zukunftstechnologie. „Wir brauchen die klugen Köpfe an unseren Hochschulen, um die Chancen und Potenziale der künstlichen Intelligenz zu nutzen, aber auch um Fehlentwicklungen zu erkennen“, betont sie. Ab 2022 werde der Innovationscampus Cyber Valley in Tübingen weiter ausgebaut.

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Derzeit sucht die grün-schwarze Regierung über einen Wettbewerb der Regionen den Standort für einen neuen Innovationspark. Der Campus soll Wissenschaftlern, Unternehmern und Investoren durch räumliche Nähe beste Arbeitsbedingungen bieten. 50 Millionen Euro stehen unter Federführung von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) im Haushalt bereit. Der Park soll die wissenschaftliche Exzellenz in wirtschaftliche Stärke ummünzen.

Die Stiftung des SAP-Mitgründers Jonas Hector ist ebenfalls groß in die KI-Förderung eingestiegen. Mit 100 Millionen Euro finanziert sie in den nächsten zehn Jahren in Tübingen den Aufbau eines Labors für „Intelligente Systeme“.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart