Pandemie - 100 Teilnehmer bei Spitzengespräch / Modellversuche zur Beteiligung von Betriebsärzten

Lucha erwartet Verdopplung der Impfstoffmenge im Mai

Von 
Peter Reinhardt
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Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) setzt darauf, dass die Hausärzte beim Impfen „zu einer gleichberechtigten Säule heranwachsen“. © dpa

Stuttgart. Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) rechnet für den Mai mit einer Verdopplung der Impfstoffmenge. Beim mit Spannung erwarteten Spitzengespräch mit 100 Teilnehmern kann der Grünen-Politiker am Freitag für die laufende Woche einen Rekord vermelden. Erstmals hätten die Impfzentren täglich mehr als 47 000 Spritzen verabreicht. Dazu kamen durchschnittlich 23 000 Impfungen am Tag durch die Hausarztpraxen.

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Lucha geht davon aus, dass die Impfzentren im Mai erstmals ihre Volllast erreichen und dann täglich 80 000 Personen impfen. In den nächsten beiden Wochen erhalten die Zentren jeweils rund 300 000 Dosen. Lucha geht davon aus, dass die 3500 Hausarztpraxen im Südwesten im Mai „zu einer gleichberechtigten Säule heranwachsen“. Ihre Stärke sei die Nähe zu den Patienten. Das sei für den Schutz der Risikogruppen besonders wichtig.

Große Runde

Höchst großzügig hat Sozialminister Manfred Lucha die Einladungen zu seinem Impfgipfel verteilt. Zunächst war von 70 Teilnehmern die Rede, am Ende hörten bei der Videoschalte sogar 100 Beteiligte zu.

Geladen waren alle Landräte und die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte, die gemeinsam mit dem Land die Impfzentren betreiben.

Auf der medizinischen Seite waren Vertreter der Ärzte, Zahn- und Betriebsärzte dabei sowie der Apotheker und Krankenhäuser. pre

Erstmals im Mai sollen auch die Betriebsärzte ins Impfgeschäft einbezogen werden. Vorrangig zum Zug kommen sollen die Mitarbeiter, die zu Risikogruppen gehören. Das Land will einen Modellversuch in den Haftanstalten starten und zur Vorbereitung einen Dialog mit den Unternehmen organisieren. Mittelständische Unternehmen könnten dabei mit externen Betriebsärzten einbezogen werden. Für die Unternehmer Baden-Württembergs hatte Präsident Rainer Dulger zuvor zur Eile gedrängt: „Wir müssen jetzt den Impfturbo zünden.“ Betriebsärzten käme eine tragende Rolle als dritte Säule neben den Hausärzten und den Impfzentren zu.

Zwei Korrekturen

Gleich an zwei Stellen kündigt Lucha bei dem zweistündigen Austausch mit zahlreichen Beteiligten Korrekturen an. Künftig sollen die Impfstoffe nach Einwohnerzahl und Impfquoten auf die Landkreise verteilt werden. Die bisher praktizierte einheitliche Belieferung der Kreisimpfzentren habe zu einer „Unwucht“ geführt. Kurzfristig sollen die mobilen Impfteams für einen fairen Ausgleich sorgen. Landkreistagspräsident Joachim Walter begrüßt die Änderung, verlangt aber auch mehr Transparenz bei der Verteilung.

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Außerdem reagiert Lucha auf die Kritik, dass Impfstoff für die zweite Impfung zurückgestellt wird. „Jede Dose, die ins Land kommt, muss schnellstmöglich verimpft werden“, fordert der Minister nun. In den Impfzentren sollten „keine unnötigen Vorräte angelegt werden“. Im Ländervergleich hat Baden-Württemberg meist unterdurchschnittliche Quoten, weil andernorts schneller geimpft wird.

Als „weitgehend abgeschlossen“ stuft die Gipfelerklärung den Schutz der über 80-Jährigen und der Impfungen in den Pflegeheimen ein. Aus diesen Gruppen seien bisher 70 Prozent der Corona-Toten gekommen. Bei den über 70-Jährigen hätten inzwischen zumindest zwei Drittel die Erstimpfung. Das gelte auch für die Prioritätsgruppen der Personen mit Vorerkrankungen und die Menschen, die berufsbedingt besonderen Risiken ausgesetzt seien. Deshalb könnten ab kommendem Montag alle über 60-Jährigen einen Impftermin vereinbaren. Zu dieser Altersgruppe 60 bis 69 gehören 1,4 Millionen Baden-Württemberger. Als zusätzliche Risikogruppe werden Feuerwehrleute einbezogen, die als Ersthelfer viele Kontakte zu Patienten und Verletzten haben.

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Neue Aufgaben bekommen die mobilen Impfteams, nachdem ihre Einsätze in den Pflegeheimen weitgehend abgeschlossen sind. Sie können nun verstärkt in Förderstätten für Behinderte, in Einrichtungen der Psychiatrie und Dialysezentren impfen. Das Sozialministerium hat nach Luchas Angaben dazu einen Leitfaden erstellt.

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Bei den beteiligten Verbänden gibt es für den Impfgipfel viel Lob. „Wir haben jetzt eine gute Basis für die Kooperation“, erklärt Städtetagspräsident Peter Kurz nach dem zweistündigen Online-Austausch. Er begrüßt besonders, dass Stadt- und Landkreise künftig regionale Corona-Daten bekommen. Gemeinderatspräsident Steffen Jäger sind besonders die Vor-Ort-Einsätze der mobilen Impfteams wichtig.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart