Ruhestand - Der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner beendet seine Karriere "Keine Angst vor großen Tieren"

Von 
Matthias Gerhart
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Durch sein Engagement gegen Korruption wurde Wolfgang Schaupensteiner auch über Hessens Grenzen hinaus bekannt.

© dpa

Frankfurt. Es hat gewiss nicht nur an seinem tadellosen Äußeren gelegen, dass Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner über Jahre hinweg ein begehrter Gast in Fernseh-Talk-Shows gewesen ist. Der heute 65-Jährige, der am Freitag seinen letzten Arbeitstag bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft hat, stieß Mitte der 80er Jahre "die Geheimtüre Korruption" auf, wie er es selbst einmal nannte, und brachte Licht in ein Kriminalitätsfeld, das in Deutschland zuvor eher in dunklen Nischen gedieh. Schaupensteiner wurde in den folgenden Jahren zum Inbegriff für den Kampf gegen Korruption.

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Der Anfang war "reiner Zufall", erinnert sich Schaupensteiner. "Ein insolventer kleiner Bauunternehmer hatte Geld an einen Amtsleiter für die Erteilung von Aufträgen gezahlt." Weitere Recherchen ergaben, dass diese Masche zumindest in einigen Frankfurter Ämtern und auch in Kommunen des Umlands nichts Ungewöhnliches war. Ende 1988 schließlich saß der erste Abteilungsleiter aus Frankfurt auf der Anklagebank des Landgerichts. Er hatte sich für die Auftragsvergabe an bestimmte Unternehmen sogar eine Zucht von Hochlandrindern im Vogelsberg finanzieren lassen. Weitere Strafprozesse gegen andere Beteiligte aus Frankfurt und dem Taunus schlossen sich an. Strafen von bis zu sieben Jahren waren die Folge, wenn Schaupensteiner einen seiner markanten und pointierten Schlussvorträge gehalten hatte.

Einsatz für schärfere Gesetze

Doch der Korruptionsjäger beschränkte sich nicht nur darauf, Verdächtige zu verhaften und ihnen den Prozess zu machen. "Die Korruptionsgesetzgebung hatte damals viele Lücken", erinnert er sich. Beispielsweise sei das bloße Annehmen von Geld und Geschenken ohne direkte Gegenleistung noch nicht strafbar gewesen. "Manche großzügig bedachten Abteilungsleiter delegierten die Auftragsvergabe einfach weiter und gingen straffrei aus", sagt der Oberstaatsanwalt. Schaupensteiner aber legte sich immer öfter einen seiner eleganten Anzüge an und begab sich ins Fernsehen oder in die Fachabteilungen des Bundestages, um für eine Verschärfung der Korruptionsregelungen im Strafgesetzbuch zu werben.

1997 kam schließlich der verdiente Erfolg: "Das Korruptionsbekämpfungsgesetz mit vielen neuen Paragrafen ist mein Baby", schmunzelt der wortgewandte Strafverfolger.

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Weil ihm immer viel an der Prävention lag, nahm er 2007 ein Angebot der Deutschen Bahn AG in Berlin an und übernahm für fünf Jahre die Antikorruptionsabteilung des durch verschiedene Bestechungsaffären arg gebeutelten Unternehmens. 2012 kehrte er nach Frankfurt zurück und betrat noch einmal Neuland: "Da ging es auf der Messe den Markenpiraten und Plagiatoren an den Kragen", sagte er. Dabei habe er auch immer gerne und gut mit der Polizei zusammengearbeitet. Das beruhte auf Gegenseitigkeit, und so sieht man bei der Polizei dem Ruhestand des langjährigen Partners mit Bedauern entgegen.

Bei Hessens Justiz hat sich der Bald-Ruheständler über all die Jahre einen hervorragenden Ruf erworben. "Er hat das Bild der Staatsanwaltschaft in der Öffentlichkeit ganz entscheidend geprägt, auch durch seine Präsenz in den Medien", betont Hessens Generalstaatsanwalt Hans Josef Blumensatt. "Für uns war er ein herausragender Staatsanwalt, der keine Angst vor großen Tieren hatte."