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Interview - Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) kritisiert man die Coronahaltung der Politik und hält die Infiziertenzahlen für höher

„Brauchen Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte“

Von 
Jürgen Bock
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DRK-Geschäftsführer Marc Groß (r., hier an einer DRK-Teststation in Stuttgart) glaubt, dass keiner mehr einen Überblick über das Infektionsgeschehen hat. © Privat

Stuttgart. Die Hilfsorganisationen im Land befinden sich im Dauer-Alarmzustand – sei es bei Pflegeheimen, Impfangeboten oder im Rettungsdienst. Diese Situation hätte vermieden werden können, glaubt Marc Groß. Der Geschäftsführer des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg fordert massive Schritte, um die vierte Coronawelle zu brechen und einer fünften vorzubeugen.

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Herr Groß, die Pandemie geht mit viel Durcheinander in ihren zweiten Winter. Wie ist die Situation aus Sicht des DRK?

Marc Groß: Zwar ändert sich ständig etwas, aber leider wenig, das sofort greifen würde. Wir haben den Eindruck, es ging zuletzt oft um Maßnahmen, die in zwei oder drei Wochen mal kommen könnten. Wir als Hilfsorganisation stehen bei den Abläufen und der Bürokratie oft vor denselben Herausforderungen wie im vergangenen Jahr. Teilweise fängt man wieder bei null an. Das ist frustrierend.

Was hat die Politik falsch gemacht?

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Groß: Wir müssen viel früher und konsequenter handeln. Man müsste Maßnahmen, die funktionieren, auch bei niedrigeren Inzidenzen mal für eine Weile beibehalten und nicht gleich wieder abschaffen. Wir werden immer wieder in schwierigere Phasen kommen, aber wir müssten langsam mal anfangen, daraus zu lernen. Die Pandemie kann uns schließlich noch Jahre beschäftigen.

Was läuft derzeit konkret falsch?

Groß: Es ist eine Kombination aus mehreren Dingen. Nehmen wir nur einmal die Impfkampagne. Da wird die Booster-Impfung für alle empfohlen, gleichzeitig sollen sich so viele Menschen wie möglich die erste Spritze abholen. Und vielleicht gibt es demnächst auch noch eine Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren. Und das sollen alles die Hausärzte und mobile Impfteams abdecken. Das kann in der Kürze der Zeit nicht funktionieren. Es gibt Impfbusse im Land, da stehen 300 oder 400 Leute vier Stunden lang davor, und viele kommen dann gar nicht dran. Ich fürchte, die kommen nicht wieder.

Woran fehlt es noch?

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Groß: An Testangeboten. Die hat man ja auch zurückgefahren. Die Inzidenzen sind derzeit sehr hoch, ich gehe aber davon aus, dass die Dunkelziffer der Neuinfektionen zwei- bis dreimal so hoch ist. Wir haben gar keinen Überblick über das wahre Infektionsgeschehen. Und viele Menschen sind beim Thema Kontaktminimierung nicht konsequent.

Was muss jetzt passieren?

Groß: Wir müssen viel mehr Impfangebote schaffen. Wir brauchen zudem in der Fläche viel mehr Testangebote. Beides muss für die Menschen leicht zugänglich sein. Die Politik muss klare und leicht verständliche Handlungsanweisungen für alle formulieren, und letztendlich müssen wir auch zu Kontaktbeschränkungen unter Geimpften und Genesenen kommen.

Schafft man die Kehrtwende mit 2G- oder 2Gplus-Regeln?

Groß: Das ist ein gutes Mittel, aber nur, wenn es konsequent kontrolliert wird. Nur, wenn sich Arbeitgeber an die Vorgaben halten, wenn in Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln die Regeln überwacht werden, hat das einen Effekt.

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