Nach dem Starkregen vom Mittwoch - Ein Biberdamm am Insinger Bach schützt Häuser und Grundstücke vor einem kleinen Hochwasser

Rückstaubarriere schützt vor schlimmeren Folgen

Von 
Jürgen Hönninger
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Zeitverzögert floss das Wasser nach dem Starkregen wieder ab. © Jürgen Hönninger

Wittighausen. Ein Biberdamm schützte den Insinger Bach und somit die anliegenden Grundstücke und Häuser dieser Tage vor einem kleinen Hochwasser nach einem Starkregenereignis in Wittighausen.

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Die bayerische Landesregierung ließ nach mehreren Hochwasserereignissen 2018 die Wirkung von Biberdämmen hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Hochwasserschutz wissenschaftlich untersuchen.

Dämme werden nur an kleineren, mit Gehölz bewachsenen Fließgewässern gebaut, die eine Wasserhöhe von weniger als 70 Zentimeter aufweisen. Diese Wasserhöhe benötigt der Biber zum Schutz der Burg und als Lebensraum. Jeder Damm weist in der Dammkrone eine etwa zehn Zentimeter hohe Vertiefung aus, über die das Wasser abfließt. Die höhere Dammkrone gegenüber der Vertiefung dient als Rückstaubarriere bei Hochwasser. Hierbei werden vor allem bei kleinen Starkregenereignissen Wassermassen zurückgehalten, die Fließgeschwindigkeit reduziert und die Hochwasserscheitel gesenkt.

Genau diese wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden am Mittwoch am Ried in Wittighausen beobachtet werden. Gegen 18 Uhr zog sich der Himmel zu – und innerhalb von nur 20 Minuten fielen etwa 25 Millimeter Niederschlag. Die Wassermassen wurden durch den Biberdamm zurückgehalten, der Wasserspiegel im Ried stieg deutlich sichtbar an. In den folgenden Stunden floss das Wasser zeitverzögert über die Vertiefung in der Dammkrone in den Insinger Bach ab.

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Häufiger zu beobachten

Solche Starkregenereignisse beobachtet man immer häufiger und mit ihnen muss man auch in den nächsten Jahren leben – darin sind sich die Wetterexperten einig. Aber nicht nur zum Hochwasserschutz tragen die Biberdämme bei, auch die Wasserqualität wird verbessert. Speziell am Insinger Bach ist durch Untersuchungen nachgewiesen, dass die Nährstoffbelastung am Beginn des Biberbiotops am höchsten ist und immer geringer wird, je länger das Wasser das Biberbiotop durchfließt.

In der hiesigen trockenen Gegend muss man für jede Wasserrückhaltung froh sein. Die bayerische Studie zeigt auch, dass dies der Grundwasserbildung zugute kommt. Allerdings benötigt der Biber für seinen Lebensraum auch Platz. Mit der gesetzlichen Ausweisung von Gewässerrandstreifen, die seit 2019/20 in Baden-Württemberg auch von den Landwirten umgesetzt werden, will die Politik die Wasserqualität verbessern. Als Nebeneffekt wird damit auch der größte Teil der Landnutzungskonflikte gelöst, da sich die Hauptaktivitäten des Bibers auf wenige Meter entlang des Gewässers abspielen.

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Bei weitergehenden Konflikten bietet die Politik Hilfe durch Fachberatung der Bibermanager an und stellt kostenlos Zäune zum Schutz von Obstbäumen zur Verfügung. Eine weitere Möglichkeit ist das Instrument der Flurneuordnung, das die Gemeinde Wittighausen derzeit nutzt.

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Hier wird versucht, im Zuge des Flurneuordnungsverfahrens Wittighausen-Unterwittighausen (Insinger Bach) die Konflikte durch Bodenordnungsmaßnahmen zu lösen. Die Nabu-Gruppe Wittighausen stellt am Ried, seit der Biber sich vor einigen Jahren dort angesiedelt hat, einen enormen Zuwachs an Artenvielfalt fest. Dies trifft auf die gesamte Nahrungskette von Insekten, Amphibien bis hin zu den Vögeln zu. Allein in den letzten drei Jahren wurde neben den bereits 100 bekannten Vogelarten über 30 neue, zum Teil sehr seltene Arten dort dokumentiert. Es bleibt die Frage, ob die Gesellschaft dazu bereit ist, entsprechende Flächen zur Verfügung zu stellen.

Das Hauptproblem für das Leben und die Lebewesen in den Bächen ist die Wasserarmut durch den fehlenden Regen in den letzten Jahren. So war der Insinger Bach im Sommer 2019 für einige Wochen sogar komplett ausgetrocknet. Die Sorge, dass der Biber Kahlfraß macht und alle Gehölze fällt, ist unbegründet. Als reiner Vegetarier sind die Gehölze seine Lebensversicherung für den Winter – und er wird schon deshalb keinen Raubbau betreiben.

Dies zeigt sich auch in dem territorialen Verhalten einer Biberfamilie. Sie benötigt einen Gewässerabschnitt von mehreren hundert bis zu tausend Metern und verteidigt diesen. Somit ist von Natur aus ein unbegrenztes Wachstum der Biberpopulationen ausgeschlossen.