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Flurneuordnungsverfahren Insinger Bach - Ziel ist es bei der Neugestaltung des Areals sowohl Belange des Naturschutzes als auch der Landwirtschaft zu berücksichtigen

Herausragende Bedeutung für viele Vogelarten

Von 
lra
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Drohnenaufnahme vom Ried in Unterwittighausen: Das Vermessungs- und Flurneuordnungsamt stellte in einer gut besuchten Veranstaltung die Ergebnisse eines ökologischen Gutachtens sowie die Pläne für die Neugestaltung von Wegen und Gewässern vor. © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg

In einer Informationsveranstaltung wurden Bestandsaufnahme und vorgesehene maßnahmen für die Flurneuordnung Insinger Bach vorgestellt.

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Wittighausen. Das Vermessungs- und Flurneuordnungsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis hat im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens Wittighausen-Unterwittighausen (Insinger Bach) eine Informationsveranstaltung unter dem Motto „Ökologie und Landwirtschaft“ angeboten. Hierbei wurden der interessierten Bevölkerung, der Gemeinde Wittighausen, den Naturschutzverbänden sowie der unteren Naturschutzbehörde die Ergebnisse der ökologischen Gutachten und die Pläne zur Neugestaltung von Wegen und Gewässern präsentiert.

Bürgermeister Marcus Wessels stellte angesichts von rund 40 Besucherinnen und Besuchern in der Grundschule Unterwittighausen gleich zu Beginn das hohe Interesseder Bevölkerung und der Gemeinde an diesem Verfahren fest. „Die Flurneuordnung bietet die große Gelegenheit, Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Hierzu wurde das Verfahren 2016 auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde angeordnet“, sagte der Rathaus-Chef.

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Viel Licht und wenig Schatten

Im Rahmen der Verfahrensvorbereitung beauftragte das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg eine Ökologische Ressourcenanalyse (ÖRA). Diese wurde durch das „Büro für ökologische Studien“ aus Bayreuth unter der Leitung von Dr. Helmut Schlumprecht erarbeitet und 2021 fertiggestellt. Ziel war eine umfassende Bestandsaufnahme der Flora und Fauna im Verfahrensgebiet. Dabei wurde nicht nur eine außergewöhnlich hohe Anzahl geschützter und seltener Tier- und Pflanzenarten über ein Jahr lang beobachtet, sondern es wurden auch wertvolle Planungshinweise für die Weiterentwicklung des Gebiets abgeleitet.

Dr. Schlumprecht stellte in seinem Vortrag die wichtigsten Beobachtungen vor. Unter dem Motto „Viel Licht und auch ein wenig Schatten“ wurden systematisch Stärken und Defizite des Gesamtgebiets aufgezeigt. Der wichtigste Akteur im Verfahren sei zweifelsfrei der Biber, welcher die wertvollen Wasserflächen durch den Bau von Dämmen geschaffen habe. Durch dessen Lebensweise hätten viele Tier- und Pflanzenarten dort heimisch werden können.

Mittlerweile habe das Gebiet eine herausragende Bedeutung für Vogelarten, was nun auch durch klar festgelegte Untersuchungsmethoden dargelegt worden sei. In dem Gebiet leben seltene und vom Aussterben bedrohte Brutvögel wie Schilfrohrsänger, Zwergtaucher, Blaukehlchen oder Rohrweihe. Zudem komme ihm eine überregionale Rolle für Rastvögel zuteil. Diese Arten nutzen laut Dr. Schlumprecht das Gebiet tages- oder wochenweise auf Flügen in Überwinterungs- oder Sommerquartiere. Hierbei wurden weitere besondere Vogelarten wie Bekassine, Bruchwasserläufer, Schwarzkehlchen oder Wiedehopf entdeckt. Manche dieser Arten könnten das Gebiet zukünftig auch potenziell als Brutgebiet nutzen.

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Weitere seltene Arten sind auch bei Schmetterlingen, Libellen und Flora zu finden. Überwiegend am Mühlberg, welcher seit vielen Jahren durch die Nabu-Ortsgruppe Wittighausen gepflegt wird, sind seltene und speziell an die trockenen und kalkhaltigen Bodenverhältnisse angepasste Pflanzenarten zu finden.

Im Anschluss stellten Christoph Hofmann und Jonas Treml vom Flurneuordnungsamt einen ersten Entwurf des Wege- und Gewässerplans vor.

Insbesondere wurde auf die zu bauenden Wege eingegangen, welche in Verbindung mit dem vorhandenen Wegenetz die Erschließung der Grundstücke gewährleisten sollen. Zusätzlich wird Ried der bisherige Schotterweg rekultiviert sowie ein Betondurchlass ausgebaut. Damit kann die wertvolle Ried-Fläche nach Westen erweitert werden.

Flächen weiter entwickeln

„Die im Rahmen der Flurneuordnung erworbenen Flächen können somit weiterentwickelt werden“, sagte Treml. „Westlich des Rieds entsteht dadurch ein vielfältiges Nutzungsmosaik, welches zu einer Feuchtwiese entwickelt werden soll.“ Diese Maßnahmen unterstreichen somit die besondere Bedeutung des Gebiets für Vögel, aber auch für diverse Insektenarten.

Weitere Flächen werden dauerhaft in extensives Grünland umgewandelt. So entstehen Pufferflächen und weitere hochwertige Lebensräume, da diese Flächen bislang intensiv landwirtschaftlich genutzt oder nicht gepflegt wurden.

Details schnell ausarbeiten

Die Planung wird nun im Detail weiter ausgearbeitet. Zuletzt hob Projektleiter Jörg Hammerl das große Engagement aller Beteiligten hervor und versicherte, dass das zuständige Team des Vermessungs- und Flurneuordnungsamts die Genehmigungsplanung schnellstmöglich fertigstellen möchte. Hierzu würden in den nächsten Monaten weitere Gespräche mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren folgen. Zudem habe das Vermessungs- und Flurneuordnungsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis weiterhin großes Interesse am Flächenerwerb im Flurneuordnungsgebiet. lra

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