Trendwende bei den Schulstatistiken - Zuletzt immer weniger Schüler in Wertheim / Geburtenrate und Zuzug sorgt für Steigerung Zahl der ABC-Schützen nimmt wieder zu

Von 
Gerd Weimer
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Höhere Geburtenrate und Zuzug von außerhalb lassen die Schülerzahlen an den Wertheimer Grundschulen steigen. Die Grafik zeigt die prognostizierten Werte bis zum Schuljahr 2024/25. © Active art one

Bei den Wertheimer Schülerzahlen deutet sich eine Trendwende an. Nach zuletzt sinkender Tendenz, geht es wohl bald wieder aufwärts – zunächst an den Grundschulen.

Im Gemeinderat notiert

Für die Erschließung des vierten Abschnitts im Baugebiet „Röte II“ in Dietenhan vergab der Gemeinderat die notwendigen Kanal- und Straßenarbeiten an die Firma Zöller-Bau GmbH zu einem Angebotspreis von rund 321 000 Euro. Die Erschließung soll im Frühjahr beginnen.

Mit der Sanierung der Kirchäckerstraße in Waldenhausen wird die Firma Boller-Bau aus Distelhausen beauftragt. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 638 000 Euro und beinhalten eine neue Wasser- und Stromversorgung, sowie das Verlegen von Leerrohren für die Glasfasertechnik. Letzteres sorgte im Gremium für Diskussion, weil die Anschlüsse auf der gesamten Wertheimer Gemarkung ganz unterschiedlich, mal bis zur Grundstücksgrenze und mal bis in die Häuser, verlegt werden. Baudezernent Armin Dattler versprach daraufhin, das Thema noch einmal ausführlich zu beleuchten. Waldenhausens Ortsvorsteher Nils Ries brachte seinen Dank zum Ausdruck, nachdem die Ortschaft „Jahrzehnte für diese Sanierung gekämpft“ habe.

CDU-Fraktionschef Udo Schlachter bittet die Verwaltung um Auskunft über Einzelheiten der Jugendarbeit der Stadt. Grund dafür sei, so Schlachter in seinem Antrag, dass man ihn um Unterstützung bei der Bereitstellung eines Jugendraumes am Wartberg für eine etwa 30-köpfige Gruppe gebeten habe. Nicht alle Jugendgruppen in Stadtteilen und Ortschaften seien wohl mit dem derzeitigen Angebot zufrieden..

Weil nicht alle Bauplätze in Sachsenhausen und Urphar verkauft werden konnten, bat die Verwaltung um Genehmigung für die Verlängerung von Darlehen, was der Rat einstimmig tat. hei/wei

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Wertheim. Die Zahl der Schüler an Wertheims Schulen ist seit 2014 um etwa knapp acht Prozent gesunken. Vor fünf Jahren waren es noch 3841 Schüler, die den Unterricht in der Großen Kreisstadt besuchten. Zum Stichtag am 24. Oktober des vergangenen Jahres waren es lediglich 3639. 23 Prozent davon kamen aus Bayern. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Stadtverwaltung am Montag dem Gemeinderat vorlegte.

Die Prognosen für die nächsten Jahre gehen allerdings wieder von steigenden Schülerzahlen aus, zumindest wenn man die Planzahlen für die Grundschulen zur Hand nimmt. Diese werden auf Grundlage der Geburtenstatistik und der amtlichen Schulstatistik erstellt. Demnach wird es bis zum Schuljahr 2024/2025 leicht steigende Schülerzahlen geben. Anhand der Geburtenstatistik ergebe sich eine Steigerung um 5,1 Prozent, heißt es in der Vorlage, die der Gemeinderat am Montag beriet.

Geburtenrate steigt

Zurückzuführen sei diese „Trendwende“ auf eine Steigerung der Geburtenrate und den Zuzug von Familien mit Kindern nach Wertheim. „Viele kinderreiche Familien“, so die Stadtverwaltung, „kommen aus EU-Ländern.“

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Insgesamt gibt es an den Wertheimer Grundschulen derzeit 782 Schüler, die meisten davon in der Otfried-Preußler-Schule auf dem Wartberg (188). An der Grundschule Bestenheid werden 164 Kinder unterrichtet, an der Gemeinschaftsschule (Primarstufe) Wertheim 158. In Dertingen sind es 115 Grundschüler, in Nassig 101 und in Reicholzheim 56.

Mehr als die Hälfte aller Grundschüler (52 Prozent) nehmen ein Betreuungsangebot (Ganztag oder Verlässliche Grundschule) wahr. Diese Angebote werden am meisten an der Gemeinschaftsschule (GMS) genutzt, nämlich von sämtlichen Schülern. In Reichholzheim sind es dagegen nur 12,5 Prozent. Die Anteil der betreuten Kinder an den anderen Schulen: Bestenheid (48 Prozent), Otfried-Preußler-Schule (42), Dertingen (22), Nassig (56).

Realschule an der Spitze

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Bei den weiterführenden Schulen steht, was die Schülerzahl angeht, die Comenius Realschule mit 932 Pennälern derzeit an der Spitze. 645 Kinder und Jugendliche besuchen das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, 219 die GMS und 56 die Werkrealschule Urphar-Lindelbach. Das Berufliche Schulzentrum, das vom Landkreis betrieben wird, kommt auf 919 Schüler.

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Eine Diskussion entspannte sich im Gemeinderat um die höchst unterschiedliche Zahl der Pennäler, die eine Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen. Während am Gymnasium 33 Prozent das Angebot nutzen, sind es an der Comenius Realschule lediglich fünf Prozent.

Werner Kozyra (Freie Bürger) monierte die geringe Zahl an der Realschule: Die Schüler würden ihre Mittagspause wohl lieber „beim Lidl“ verbringen, sagte der Bestenheider. „Wozu stellen wir dort eine Mensa zur Verfügung, wenn nur 43 Schüler sie in Anspruch nehmen?“, fragte er.

Helmut Wiesner, Dezernatsleiter der Stadtverwaltung, verwies auf eine Stellungnahme der Schulleiterin Katrin Amrhein. Die Zahl von lediglich fünf Prozent sei nicht aussagekräftig, da an der Comenius Realschule die Statistiken anders erhoben würden. Die Schüler meldeten sich teils spontan für Veranstaltungen am Nachmittag an, würden aber nicht statistisch erfasst. Man werde sich noch einmal beraten, um eine Vergleichbarkeit der Zahlen sicherzustellen, versprach Wiesner.

Kehrtwende

Vertreter aller Fraktionen freuten sich über die prognostizierte positive Entwicklung der Schülerzahlen. Birgit Väth (Grüne) forderte, über „Schulsozialarbeit an allen Schulen“ nachzudenken, auch weil viele Kinde aus EU-Ländern unterrichtet werden müssen. Norbert Stallkamp (CDU) sprach von „stabilen Zahlen entgegen früherer Prognosen“. Wertheim sei nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als Schulstandort attraktiv. Der neue Oberbürgermeister und der neue Gemeinderat (im Mai sind Kommunalwahlen) müssten entsprechende Beschlüsse fassen, um die Entwicklung voranzutreiben.

Patrick Schönig (SPD) meinte, man habe „hoffentlich eine Kehrtwende hinbekommen“ und könne die „Talsohle an den weiterführenden Schulen“ durchschreiten. Allerdings müsse die Schulentwicklungskommission wieder verstärkt an den künftigen Herausforderungen arbeiten. Man stehe vor Veränderungen, was die Standorte der Schulen angeht.

Redaktion Teamleiter Redaktion Wertheim