Unterhaltung

Wohnzimmer-Atmosphäre im Wertheimer Convenartis-Keller

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nad
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Gut an kam beim Publikum der Auftritt des Liedermachers Brendan Lewes im Wertheimer Convenartis-Keller. © Nadine Schmid

Wertheim. Es war ein Novum für den Wertheimer Kleinkunstverein Convenartis: ein Konzert unter der Woche, ohne Vorverkauf und mit einer Werbevorlaufzeit von gerade mal zwei Wochen. Konnte das funktionieren? Es konnte – und etwa 40 Besucherinnen und Besucher hatten einen schönen musikalischen Abend mit dem englischen Liedermacher Brendan Lewes.

Dass das Konzert auf der Basis „Eintritt frei – der Hut geht rum“ überhaupt stattfand, war zwei Komponenten zu verdanken: Facebook und der Tatsache, dass Wertheim ziemlich genau in der Mitte zwischen Kiel und der Schweiz liegt.

Zur Geschichte: Brendan Lewes lebt seit 2014 in Kiel. Regelmäßig fährt er zu Konzerten in die Schweiz. Bisher war dabei Würzburg seine Zwischenstation. Doch als das dieses Jahr nicht klappte, fragte er auf Facebook an, ob jemand in der Gegend Interesse an einem Hauskonzert hätte. Dies sah Martin Köhler von Convenartis und griff zu.

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So fand sich Lewes plötzlich statt mit ein paar Leuten im häuslichen Wohnzimmer auf der Bühne im Gewölbekeller wieder, wo er dem Publikum selbst komponierte und gecoverte Lieder vorspielte und humorvoll aus seinem englisch-deutschen Künstlerleben berichtete.

Da er sich selbst als Straßenmusiker sieht, wollte er einmal rund um Europa reisen. Zu Problemen sei es an der rumänisch-bulgarischen Grenze gekommen. Rumänien habe ihn ausreisen, Bulgarien aber nicht einreisen lassen. Er ist in allen deutschen Bundesländern aufgetreten – selbst in Sachsen-Anhalt und dem Saarland „und das war schwierig, denn da gibt es ja nichts“, wie er sagte. Und nun stand er also mit seiner Gitarre auf der Bühne.

Alles war sehr spontan. Lewes kam erst kurz vor dem Auftritt, sodass selbst der Soundcheck zum Teil der Show wurde. „Gibt es einen Zeitplan oder soll ich spielen, bis die letzten Leute gegangen sind? Und machen wir eine Pause?“, fragte er zwischen zwei Liedbeiträgen. Gerade dieses Spontan-Improvisierte machte einen großen Teil des Charmes an diesem Abend aus. Sehr melodisch sind seine Lieder, manchmal leise-sanft, manchmal holt Lewes rhythmisch alles aus seinem Instrument. Die Songs erzählen aus seinem Leben. Etwa „On my way“, worin er seinen künstlerischen Weg beschreibt und das demnächst als Single herauskommt. Oder der Song über seine Glückszahl 21. Es werde in Deutschland nicht gut angesehen, abergläubisch zu sein. Aber: „Ich bin am 21. geboren und von der Abfahrt der A21 sind es genau 21 Minuten bis vor meine Haustür. Zufall?“ An anderen Stellen interpretiert er altes englisches Volksgut, etwa Gewerkschaftslieder. Bei „Which side are you on?“ lädt er das Publikum zum Mitsingen ein, was dieses auch eifrig tut. Sprachlich kann er beruhigen: „Wenn Sie kein Englisch können, macht das nichts. Wenn Engländer entsprechend gut drauf sind, können sie auch kein Englisch.“ Und spielt er Klassiker wie „Scarborogh Fair“ und „The Boxer“, das Publikum fällt ein und darf zwischendurch auch alleine singen.

Manche sitzen, andere haben es sich an den Stehtischen bequem gemacht. Zwischendurch werden Getränke geholt. Dazu die Musik. Und das über zwei Stunden. Echte Wohnzimmer-Atmosphäre eben. Nach diesem erfolgreichen Start bleibt zu hoffen, dass die Reihe weitergeführt wird – und mal wieder ein Liedermacher spontan eine Auftrittsmöglichkeit sucht. nad