Abriss schreitet voran - Auf dem Gelände des ehemaligen Diakonissen Mutterhauses soll Raum für insgesamt 90 Bewohner der stationären Pflege entstehen Wohnstift schafft Neubau und zieht um

Von 
Birger-Daniel Grein
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Über den Neubau des Wohnstifts freuen sich Pfarrerin Verena Mätzke, Walter Scheurich, Martin Leynar und Erwin Röhrig. Im Hintergrund das bisherige Gebäude. © Birger-Daniel Grein

Hofgarten. Der Abriss des ehemaligen Diakonissen Mutterhauses in der Frankensteiner Straße ist in vollem Gange. Auf dem zwei Flurstücken umfassenden Gelände mit insgesamt rund 7800 Quadratmetern wird das Wohnstift Hofgarten ein neues Gebäude für insgesamt 90 Bewohner der vollstationären Pflege und zwölf Gäste der Tagespflege der Einrichtung schaffen. In einem Pressegespräch am Freitag stellte Martin Leynar, Geschäftsführer des Wohnstifts, zusammen mit Vertretern der Gesellschafter des Wohnstifts, der evangelischen Kirchengemeinde und dem Diakonissen Mutterhaus, die Planungen vor.

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Baubeginn soll zwischen Frühjahr und Herbst 2021 sein. Leynar erklärte, der Neubau werde geschaffen, um die Anforderungen der Landesheimbauverordnung zu erfüllen, die 2009 in Kraft trat. Bis 2019 sah diese einen Bestandsschutz vor. Die Heimaufsicht des Main-Tauber-Kreises hatte dem Wohnstift für die Errichtung des Neubaus eine befristete Befreiung von den Auflagen bis spätestens 31. Dezember 2023 ausgesprochen. Dazu muss die Einrichtung jährlich in einem Bericht den Fortschritt beim Bau nachweisen. Die Verordnung sieht vor, dass die Bewohner der vollstationären Pflege nur noch in Einzelzimmern untergebracht werden. Zudem sind kleine Wohngruppen mit maximal 15 Personen einzurichten.

14,8 Millionen Euro investiert

Für den Neubau des Wohnstifts seien drei Wohnbereiche mit jeweils zwei Wohngruppen geplant. „Der Bau nach der neuen Verordnung erfolgt aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen.“ Das Gebäude soll eine Gesamtfläche von rund 5800 bis 6000 Quadratmeter umfassen. Im Freien kommen Garten, Stellplätze und der alte Glockenturm des Mutterhauses hinzu.

Im Erdgeschoss, der in den Hang gebaut werden soll, werde die Tagespflege angesiedelt, zudem soll es Räume für eine multifunktionale Nutzung auch von Gruppen aus dem Stadtteil geben. In den drei Obergeschossen finden je zwei Wohngruppen mit 15 Senioren Platz. Das gesamte Investitionsvolumen liegt bei rund 14,8 Millionen Euro und wird komplett von der Betreibergesellschaft übernommen. Die Finanzierung übernehmen je zur Hälfte die Sparkasse Tauberfranken und die Volksbank Main-Tauber. Eine staatliche Förderung gebe es nicht mehr. Gebaut wird mindestens im KFW 55 Standard für Energieeffizienz. So sei eine Förderung über einen KFW Kredit möglich.

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Die Planung des Neubaus erfolgt zusammen mit dem Architekturbüro Henning-Volpp aus Stuttgart, das als Experte in Sachen Pflegeheimbau gilt und mit ähnlichen Projekten überzeugte. Leynar hatte den Architekten auf einem Seminar des diakonischen Werks Baden kennengelernt. „Wir merkten auch in weiteren Gesprächen, wir sind uns sympathisch und können vertrauensvoll zusammenarbeiten“, nannte er einen weiteren Vorteil der Kooperation. Zum Sachstand der Bauplanungen erklärte er, der Bauvorbescheid liege vor. Aktuell sei man bei der Grundlagenermittlung und Entwurfsplanung. Zusätzlich finden aktuell Gespräche mit einem möglichen Generalunternehmer statt, aus denen ein Angebot resultieren werde. Der größere Teil der Fachplanungen solle ebenso über den Generalunternehmer erfolgen. Der Baustart hänge von der Planung und der Erteilung der Baugenehmigung ab. Die Bauphase soll maximal zwei Jahre dauern, sodass das Gebäude bis Ende 2023 bezugsfertig ist.

Auf Bedürfnisse zugeschnitten

Ein Schwerpunkt im Neubau werde die Betreuung an Demenz erkrankter Bewohner. Im Bestandsgebäude gibt es mit der geschützten Abteilung „Main-Hafen“ einen Bereich für diese Menschen, der im Kreis einzigartig sei. In Kooperation mit weiteren Experten aus Stuttgart wolle man für die betroffenen Bewohner im Neubau sichere Bereiche schaffen, die sie jedoch nicht einsperren. Auch bei der Gebäudegestaltung soll auf deren besondere Bedürfnisse Rücksicht genommen werden.

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Mit dem bisherigen Verlauf des Vorhabens zeigten sich auch die Vertreter der Gesellschafter zufrieden. Walter Scheurich, Vorsitzender des Diakonissen Mutterhauses, lobte den beauftragten Architekten und sein Team für deren Fachkenntnis, Geist und Inspiration. Hinsichtlich der Grundstücksübertragung stellte Scheurich fest: „Wir vom Mutterhaus sind froh über die harmonische und zielgerichtete Vertragsgestaltung.“ Auch die Schwestern freuten sich über den Erhalt des Diakonischen Campus. Die Grundstücke seien neu vermessen und hinsichtlich Nutzungs- und Wegerechte optimiert worden. „Alles wurde wunderbar übergeben.“

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Pfarrgemeinderatsvorsitzender Erwin Röhrig und Pfarrerin Verena Mätzke freuten sich darüber, dass auch im Neubau die enge Vernetzung und Angebote des Stadtteils in den Räumen des Wohnstifts möglich sein werden. Mätzke betonte zudem, es sei gut, dass das Wohnstift in der Frankensteiner Straße bleibt. So bleibe der diakonische Campus als Lebensader der Gemeinde erhalten.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass es nach Umzug für die Bestandsgebäude eine weitere Nutzung geben soll. Leynar zufolge führt man aktuell mit mehreren Partnern Gespräche über die Nachnutzung. Ziel ist es, das betreute Wohnen dort zu erhalten, so dass die Bewohner bleiben können und vielleicht sogar eine Aufwertung erhalten. Abschließend dankte Leynar allen Unterstützern des Bauprojekts.

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