50. Geburtstag der Musikschule Wertheim - Fedra und Stefan Blido haben seit 17 Jahren die Leitung inne / Ihr Arbeitsplatz ist fast immer Thema „Wir sind glücklich mit dem was wir tun“

Von 
Elmar Kellner
Lesedauer: 
Seit 17 Jahren leiten Fedra und Stefan Blido die Musikschule. © Elmar kellner

Sie leben zusammen und sie arbeiten zusammen: Seit fast 17 Jahren leiten Fedra und Stefan Blido gemeinsam die Musikschule Wertheim. Wie geht es ihnen damit?

AdUnit urban-intext1

Wertheim. Dass sie bewusst nicht „darüber“ reden, das kommt, wenn überhaupt, dann höchstens einmal in den Ferien vor. Ansonsten aber ist die Musikschule eigentlich immer irgendwann Thema bei Fedra und Stefan Blido. Was einerseits nicht verwunderlich ist, leiten die beiden doch seit nunmehr gut 17 Jahren zusammen die Einrichtung, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert (wir berichteten).

Aber kann das nicht auch „gefährlich“ sein für das Privatleben. „Nein“, versichern die Blidos nach fast drei Stunden Gespräch übereinstimmend und im Brustton der Überzeugung. „Wir sind glücklich mit dem was wir tun.“ Auch wenn es einmal länger dauert. Fedra Blido ist an diesem Abend erst um 19.30 Uhr nach Hause gekommen, weil sie noch eine Schülerin auf das Musik-abitur vorbereitet. Ehemann Stefan konnte schon früher Schluss machen „Wir müssen nicht alles zu zweit machen - aber vieles schon.“

Und es gebe durchaus auch Situationen, in denen man geschickt agieren müsse. Das ausschließlich neutrale Zuhören sei nicht immer möglich und man sei auch nicht stets einer Meinung, wenn man sich über berufliche Dinge austausche. „Ich finde, wir ergänzen uns wunderbar“, betont Fedra Blido. „Wir sind in vielen Dingen arbeitsteilig.“ Beide unterrichten natürlich an der Musikschule. Während sie sich darüber hinaus etwa um Konzert- und Programmgestaltungen kümmert, sind Verwaltungsangelegenheiten hauptsächlich seine Sache. Schließlich ist Stefan Blido ja „Musiker mit Mathe-Leistungskurs“.Und wenn er das, was er auf dem Gebiet zu leisten hat, gern etwas herunterspielt, hört sie das gar nicht gern.

AdUnit urban-intext2

Ihren Mann hält Fedra Blido „für den Geschickteren von uns beiden und auch für den Diplomatischeren“. Manchmal räumen beide ein, springen Konflikte, die es bei der Arbeit ja durchaus geben kann, auch auf das Privatleben über. „Da ist der Druck dann hoch und die Temperatur steigt“, schmunzelt der Ehemann. Aber man habe noch immer einen Kompromiss gefunden. „Wir können beide an sich schon gut einschätzen, was zu besprechen ist, bevor man eine Entscheidung trifft und was nicht“, erläutert seine Frau.

Ab und zu gehen auch die Blidos getrennte Wege. Wie jetzt in den zurückliegenden Pfingstferien. Die verbrachte Fedra Blido in Tirana bei ihren Eltern, Stefan nutzte die Gelegenheit, um den gemeinsam Sohn Joel zu besuchen, der in Weimar studiert.

Reisen nach Albanien

AdUnit urban-intext3

Häufig reisen sie natürlich auch zusammen nach Albanien und auch wenn Stefan Blido die dortige Landessprache nicht beherrscht, „so spricht er doch sehr gut italienisch und das kann fast jeder Albaner“, so dass einer Verständigung mit den Schwiegereltern und der Familie nichts im Wege steht. Vor allem für ihren Vater sei ihr Ehemann „der Größte, nachdem er bei unserer Hochzeit vor 20 Jahren meinen Namen angenommen hat“, verrät Fedra Blido.

AdUnit urban-intext4

Sohn Joel hingegen spricht albanisch und das sogar sehr gut, wie die Mutter stolz berichtet. Nur eines kann er nicht, glaubt sie jedenfalls: „Schimpfworte habe ich ihm nicht beigebracht.“ Sehr zur Verwunderung der Einheimischen übrigens. Ihr Ehemann hat in dieser Hinsicht übrigens nichts zu „befürchten“. Eine der wenigen Dinge, die sie sich von Anfang an geschworen habe sei, „am liebsten gar nicht und wenn doch, dann nicht in Albanisch auf ihn zu schimpfen“.

Will man sich zu Hause nach getaner Arbeit entspannen, dann geschieht das, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, gerne auf der heimischen Terrasse. Oder man geht „unten im Taubertal“ spazieren. Seltener setzt man sich ins Auto und fährt etwa nach Miltenberg oder „früher, als Joel noch jünger war und es dort die Kastanien noch gab“, nach Bronnbach. Und wenn Stress- oder gar Frustrationspegel doch einmal zu hoch sind? Dann kann es sein, dass sich Gelegenheitsraucher Stefan Blido mit einer Zigarre zurückzieht.

Die DVD-Sammlung

Fedra Blido nutzt in solchen Fällen ihre sehr große DVD-Sammlung, denn „ich liebe Filme“. Oder sie liest. Gerade hat sie sich den 27. Commissario Brunetti-Fall von Donna Leon zu Gemüte geführt. Leon de Winter wiederum schätzen beide. Gemeinsame Urlaube verbringt das Ehepaar häufig in Italien. Auch hier spielt der Sohn wieder eine Rolle, denn „oft haben wir uns die Urlaubsziele danach ausgesucht, wo er in den Ferien eine Cello-Meisterklasse besuchen konnte“. Fedra liege schon gerne mal am Strand, „für einen halben Tag“, gibt ihr Mann preis. Dann ist es aber auch schon wieder Zeit für andere Aktivitäten.

Ihren Schülerinnen und Schülern würden beide gerne vermitteln, dass die Musik ihr Freund sein und sie ein Leben lang begleiten kann. „Für uns kann man schon sagen, dass Musik unser Leben ist.“

Freier Autor