Gemeinderatswahl - Parteien und Gruppierungen beziehen Stellung zu den erzielten Ergebnissen / Gremium hat nun vier Sitze weniger „Wir müssen uns alle zusammenraufen“

Von 
Elisa Katt und Gerd Weimer und Heike Barowski
Lesedauer: 
Bereits am Sonntagabend haben die insgesamt 350 Wahlhelfer in Wertheim und den Ortsteilen mit der Auszählung der Stimmen für den Kreistag und den Gemeinderat begonnen. © Heike Barowski

Wertheim hat gewählt: Die Verhältnisse im Gemeinderat haben sich deutlich verschoben. Die Fränkischen Nachrichten haben erste Reaktionen der Parteien und Gruppierungen eingeholt.

AdUnit urban-intext1

Wertheim. Die Würfel sind gefallen: Die Zusammensetzung des neuen Wertheimer Gemeinderats steht fest. Die Fränkischen Nachrichten haben sich bei den angetretenen Parteien und Gruppierungen umgehört und die Stimmung direkt nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse eingefangen.

CDU

Die CDU ließ in einer gemeinsamen Presserklärung des Fraktionsvorsitzenden Udo Schlachter und des Stadtverbandschefs Michael Bannwarth verlauten, dass in der „Gruppe unserer Kandidaten, in der sich das große Gebiet der Stadt Wertheim räumlich widerspiegelt und in der sich ein guter Querschnitt der Bevölkerung wiederfindet,“ während der letzten Wochen ein enger Zusammenhalt und ein gutes Gemeinschaftsgefühl geherrscht habe.

Daher freuten sich alle gemeinsam – die, die es nicht geschafft haben, mit denen, die der neuen CDU-Fraktion angehören werden.

AdUnit urban-intext2

Mit dem Wahlergebnis könne man „natürlich nicht zufrieden“ sein. Die Verteilung der Mandate sei eine große Herausforderung für alle Kräfte im Gemeinderat. Die CDU habe sich leider nicht sehr gut behauptet. Das sei enttäuschend, werde aber, in guter demokratischer Tradition, „vorbehaltlos akzeptiert“.

Die Gemeinderatsfraktion der CDU werde auch in den kommenden Jahren dem Auftrag ihrer Wähler gerecht werden und kommunalpolitische Akzente in Wertheim setzen sowie alle künftigen Entwicklungen kritisch und zugleich offen für Kooperationen mit anderen Fraktionen begleiten.

SPD

AdUnit urban-intext3

Thomas Kraft, Vorsitzender des SPD-Ortvereins in Wertheim erklärte auf Anfrage: „Wir haben bei den Stimmen deutlich zugelegt und mit 25 Prozent angesichts der SPD-Ergebnisse bei anderen Wahlen ein hervorragendes Resultat erzielt.“ Dass sich das bei den Sitzen nicht auswirkt, bedauere man etwas.

AdUnit urban-intext4

„Wir sind quasi Opfer der Verkleinerung des Gemeinderats. Aber insgesamt ist es ein stattliches Ergebnis, auf das wir sehr stolz sind“, sagte Kraft. Sehr bedauerlich sei, dass es Mirco Göbel nicht geschafft habe: „Er war intellektueller Leistungsträger in der Fraktion.“

Der sechste Platz bei der Wahl für Göbel sei „mehr oder weniger ein Zufallsergebnis“.

Die Resultate der Kandidaten im vorderen Bereich auf der SPD-Liste lägen sehr eng beieinander. „Aber wir sind froh, für die, die gewählt wurden und alle, die gewählt wurden, haben es verdient.“

Gerne hätte man stärker von dem schlechten CDU-Ergebnis profitiert. „Das haben wir nur zum Teil“, ergänzte Kraft.

Freie Bürger Wertheim

Mit Spannung hat Marcus Götz, Vorsitzender der Freien Bürger Wertheim, die Auszählung der Stimmen verfolgt. „Ich hatte mit vier Sitzen gerechnet. Dadurch, dass der Gemeinderat kleiner geworden und mit der Bürgerliste ein zusätzlicher Wettbewerber hinzugekommen ist, war es fast zu erwarten.“ Schade sei, dass man mit Hubert Sadowski und Werner Kozyra zwei langjährige Gemeinderäte verloren habe. Auf der anderen Seite habe man mit Bernd Maack ein neues Fraktionsmitglied gewonnen. „Das ist ein Erfolg und ein gutes Signal. Bernd Maack ist jemand, dem die Innenstadtentwicklung am Herzen liegt.“

Außerdem ins Gremium einziehen werden Songrit Breuninger, Manfred Busch und Johann Vogeltanz. Götz rechnet mit einer guten und konstruktiven Zusammenarbeit. Schwerpunktthemen der Freien Bürger würden in Zukunft der Standort des ehemaligen Krankenhauses sein, die Schulentwicklung sowie nicht zuletzt die Infrastruktur, deren Bedeutung im Wahlkampf deutlich geworden sei. „Es muss ein langfristiger Plan her, mit für die Bürger nachvollziehbaren Kriterien.“ Bevor die Freien Bürger jedoch zur Wahlparty übergehen, steht noch die Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahlen an. „Wir kommen aus dem Wählen gar nicht mehr raus“, stellt Marcus Götz fest und lacht.

Bündnis 90 / Die Grünen

Im Büro der Grünen wird am Montagabend bereits gefeiert. „Wir hatten uns vielleicht mehr erhofft“, sagt Eberhard Feucht, Vorsitzender der Wertheimer Grünen. „Aber wir konnten unsere drei Sitze halten – obwohl der Gemeinderat geschrumpft ist.“ Da sich das Verhältnis der Fraktionen doch deutlich verschoben habe, sei man gespannt auf die künftige Zusammenarbeit. Einziger Wermutstropfen sei, dass wenig junge Menschen in den Gemeinderat einziehen konnten. Christian Mayr, der den Grünen nahe steht und das Wahlergebnis analysiert hat, ist mit dem Ergebnis ebenfalls zufrieden.

„Durch das geschrumpfte Gremium haben unsere drei Sitze nun mehr Gewicht.“ Das erleichtere es, „grüne Themen“ wie den Umwelt- und Naturschutz, den ÖPNV und die Infrastruktur durchzusetzen. Dabei hoffe er auf Kooperation mit der SPD, der Bürgerliste und allen voran mit dem neuen Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez.

Mit 21 Kandidaten sei die Liste der Grünen bei dieser Gemeinderatswahl so umfangreich gewesen wie noch nie. „Das zeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich in der Politik einsetzen wollen“, stellt Mayr fest.

FDP

„Ich bin wirklich total glücklich und begeistert darüber, dass die FDP jetzt wieder einen Sitz im Gremium hat.“ Die Freude ist Susanne Löffler von der FDP deutlich anzumerken, als sie das Ergebnis der Gemeinderatswahl analysiert.

Doch die FDP musste am Montag relativ lange bangen, bis feststand, dass Dr. Frank Schumann den Sprung in den Gemeinderat geschafft hat. „Wir haben also doch offensichtlich das Interesse der Wähler wecken können, deren Belange wir nun im Gemeinderat vertreten werden. Natürlich sind wir von der FDP voller Zuversicht, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen auch erfüllen“, so Löffler.

Dabei soll es in der Arbeit grundsätzlich um weniger Bürokratie, mehr Selbstbestimmung und Freiheit gehen. Durch einen gut arbeitenden Gemeinderat erhofft sich die FDP mehr Beachtung, die sich positiv auf die Mitgliederzahl der Partei auswirken soll.

Dass Schumann aufgrund der erhaltenen Stimmenanzahl den Sitz bekommt, kommentiert Susanne Löffler so: „Frank Schumann hat das Mandat wirklich verdient. Er ist ein sehr liberaler Mensch, der schon als Gemeinderat wirken durfte und seine Sache gut gemacht hat. Und das wird er auch jetzt wieder“, sagt Susanne Löffler zuversichtlich. Eine bis dahin nicht geplante Party wird es nach diesem Ergebnis nun doch geben, ließ Löffler verlauten.

Bürgerliste Wertheim

Sichtlich zufrieden mit dem Ausgang der Gemeinderatswahl ist Stefan Kempf. „Ehrlich gesagt, ich bin mehr als glücklich. Denn wir, die Bürgerliste Wertheim, hatten mit zwei Sitzen gerechnet. Dass es nun drei sind, ist wirklich ein tolles Ergebnis. Das bedeutet für uns sozusagen von Null auf Hundert. Und das ist nun wirklich keine schlechte Leistung“, freut sich der Wertheimer Gastwirt.

Mit ihm ziehen von den 22 Nominierten noch Nabu-Mitglied Christian Ulzhöfer und Altstadtbeirat Thomas Wettengel in den Gemeinderat ein. In Kürze soll es eine konstituierende Sitzung der Bürgerliste geben. Der grobe Fahrplan muss dann jedoch nicht abgesteckt werden. Den gab Kempf unter dem Motto „Zurück zur Vernunft“ bereits gestern heraus. „Unser Hauptaugenmerk sollte sein, dass jetzt erst einmal wieder Ruhe in das Gremium einzieht. Wir müssen uns alle zusammenraufen. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten, denn da sitzen sich Menschen gegenüber, die im Wahlkampf über die Stränge geschlagen haben. Aber genau das meine ich: Wahlkampfscharmützel abstellen. Ich bin jedenfalls bereit dafür und reiche jedem die Hand für einen Neuanfang.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim

Redaktion Teamleiter Redaktion Wertheim

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim