Jahreshauptversammlung - Mitglieder des Vereins Stadtmarketing Wertheim trafen sich / Oberbürgermeister kritisiert fehlende Einbindung der Flussuferbereiche „Wir müssen gemeinsam etwas bewegen“

Von 
Heike Barowski
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Wertheim. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein Stadtmarketing Wertheim derzeit. Am Donnerstagabend trafen sich einige von ihnen zur jährlichen Versammlung. Auf dem Plan stand unter anderem der Bericht des Vorstands, vorgetragen vom Vorsitzenden Bernd Maack und Innenstadtmanager Christian Schlager. Die beiden erinnerten an diverse Aktionen und Maßnahmen aus dem vergangenen Jahr, wie den Aufbau einer Internetseite, die Exkursion nach Nagold oder die erfolgreiche Lokalhelden-Kampagne.

Ein erster kleiner Schritt in Sachen „Innenstadt aufhübschen“ ist gemacht. © Heike Barowski
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Wie Schlager betonte, wolle man auf Letztere aufbauen und mit kleinen Filmchen, die auf entsprechenden Internetplattformen platziert werden, die Geschäfte vorstellen. Auch der Fashion-Flohmarkt „ war vom Fleck weg erfolgreich“. Hier laufen bereits die Planungen für den dritten dieser Art. Ostermarkt, „Stadterlebnis“ und die City-Dinner-Tour waren ebenso erfolgreiche Veranstaltungen, die wiederkehren werden, so Maack. In Sachen Weihnachtsmarkt war man sich einig, dass sich der Lückenschluss der Öffnungszeiten gelohnt habe.

Der Verein

Der Verein „Stadtmarketing Wertheim e. V.“ engagiert sich, damit Wertheim Einkaufs- und Erlebnisstadt bleibt. Dem Verein gehören derzeit rund 100 Mitglieder an.

Zweck ist die Umsetzung von Maßnahmen und Aktionen, die geeignet sind, das wirtschaftliche Wachstum, die Attraktivität, die Lebensqualität und die Besucherfrequenz der Innenstadt Wertheims zu erhalten und nachhaltig zu fördern.

Mehr Informationen gibt es unter www.werteimcity.com im Internet. hei

Weniger gelohnt habe sich der Blick in die Vereinskasse. Laut Maack sind die Finanzen eindeutig rückläufig, von 9000 auf derzeit 3000 Euro. Einziger Lichtblick: die Wertheim-Card. Hier stieg das Konto deutlich an. Bisher wurden laut Kassenprüfer 4500 Stück verkauft, wovon erst 3000 eingelöst wurden. Ansonsten bescheinigte der Prüfer dem Verein eine „ganz hervorragende Kassenführung“.

Thema der Sitzung war ebenfalls die Parksituation in der Innenstadt. „Ein uralter Hut, von dem ich eigentlich nichts mehr hören wollte“, so Maack. Im Zuge der Internetkonkurrenz sei man gezwungen, zu handeln. Ein Blick zu den Nachbarn zeige, wie es gehen könne. So habe Marktheidenfeld die öffentlichen Parkgebühren abgeschafft und in Miltenberg sei die erste Stunde kostenfrei. Das Vorab-Bezahlsystem in Wertheim sei kritisch zu beleuchten und die App „PayByPhon“ leider kaum bekannt. Diskutiert wurde von den Mitgliedern auch die oftmals unbefriedigende Abstellsituation für Fahrräder.

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Auch werbetechnisch wolle man neue Wege gehen und habe sich bereits mit Agenturen in Verbindung gesetzt. Vorgestellt wurden von Maack drei mögliche Ansätze. Einer davon ist ein deutlich sichtbarer Auftritt im Wertheim Village, ein weiterer umfasst die Entwicklung eines grundsätzlichen Leitbildes, sei aber ein eher langfristiges Verfahren.

„Wenn es diesen Verein noch nicht gäbe, müsste man ihn gründen“, so der neue Oberbürgermeister Markus Herrera-Torrez, der zu dieser Versammlung eingeladen war. Torrez nutzte die Chance, dem Verein sein grundsätzliches Leitbild der Innenstadtentwicklung vorstellen, aber auch Kritik zu äußeren.

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„Tatsache ist, dass wir mit dieser Innenstadt, zusammen mit der Burg und dem Thema Wasser, ein Juwel haben. Wir haben somit einen Grundstatus, um den uns viele Städte beneiden.“ Sein langfristiges Leitbild betitelte er dann auch „Leben im historischen Flair am Wasser“. Seiner Meinung nach binde man die Nähe zum Wasser zu wenig ein. Er könne sich eine deutliche Belebung links und rechts der Tauber und entlang des Mains vorstellen.

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Auch vom Wertheim Village müsse man seiner Meinung nach stärker profitieren. Arbeiten müsse man zudem an der verkehrstechnischen Anbindung der Altstadt.

Als Beispiel führte er seine negative Erfahrung beim Einkauf an. Er wünscht sich deshalb „irgendeine Art der Konkurrenzfähigkeit zum Onlinehandel, sonst sehe ich keine Perspektiven“. Um für neue Einzelhändler attraktiv zu sein, regte er das Zusammenlegen von Ladenflächen an. er kritisierte teilweise die Außenwirkung von Gastronomie und Handel. „Ich laufe durch die Innenstadt und stelle mir die Frage, ob jeder Außenbereich eines Einzelhandels wirklich so ist, dass man sagt ‘schön‘und er ansprechend und gewinnbringend ist.“ Seiner Meinung nach müsse sich in diesem Punkt jeder Geschäftstreibende diesbezüglich hinterfragen. Außerdem sprach Torrez das Thema Aufenthaltsqualität an, das er Christian Schlager auf die Aufgabenliste geschrieben habe. So sollen Wohlfühlinselen geschaffen werden. Einen kleinen Schritt habe man auf seine Anregung in Richtung Bepflanzung schon getan. So sind Brunnen entsprechend begrünt worden, „um der Verwahrlosung Einhalt zu gebieten“, so Torrez. Blumenkübel wurden ebenfalls wieder bepflanzt. Angedacht ist, das Thema „Wein“ stärker in Fokus zu rücken, beispielsweise mit begrünten Weinfässern. Auch regte er an, die Altstadtsatzung zu überarbeiten. Diskutiert wurden vom Gremium die verkaufsoffenen Sonntage, ein sinnvolles Park-and-ride-System, fehlende Vielfalt der Angebote und die Vergrößerung des Einzugsgebiets. Einig waren sich am Ende alle Anwesenden darin, dass unter den Händlern eine gewisse Solidarität herrschen solle. Der Vorsitzende Bernd Maack brachte es eingangs auf den Punkt: „Wir sind eine Innenstadt und wir müssen gemeinsam etwas bewegen.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim