Evangelischer Kirchenbezirk - Dekanin Wibke Klomp ist ein echter „Teamplayer“/ Ihre Arbeit hat sich durch die Pandemie stark verändert / Nah am Menschen ist sie dennoch Wibke Klomp: „Ich bin nicht allein die Pfarrerin“

Das Weihnachtsfest in leerer Kirche war für Wibke Klomp eine emotionale Herausforderung. Aber die neue Dekanin ist eine Frau, die sich ihren Aufgaben stellt.

Von 
Heike Barowski
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Besondere Zeiten bringen auch für die Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks, Wibke Klomp, besondere Hausforderungen mit sich. © Heike Barowski

Wertheim. Gerade hat Wibke Klomp die Videokonferenz mit dem Landesbischof beendet. Schnell ein paar Absprachen mit den Kollegen treffen, dann muss sie ein Trauergespräch vorbereiten. Und der Entwurf für einen Online-Gottesdienst liegt bereits auf ihrem Schreibtisch. Das hochmoderne Glasteil ist übrigens Klomps mit Antritt im August vergangenen Jahres neu in das Büro eingezogen. Neben der historischen Chippendale-Sitzgruppe versinnbildliche das Ensemble, dass man an Traditionen festhalte, es aber weiter gehe, meint Klomp.

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Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kirchenmusiker Carsten Klomp, und ihren beiden Kindern Paula (elf Jahre) und Christoph (14) ist sie von Walldorf nach Wertheim gezogen. „Wir leben als Familie wirklich sehr gern hier. Ich mag das Leben in der Altstadt, wo man sich kennt und füreinander ansprechbar ist.“ Die Menschen erlebt Klomp als sehr offen und in ihrem Bereich der Kirche sehr zugewandt. Außerdem schätzt sie die hohe Lebensqualität in Wertheim und die Landschaft zwischen Main und Tauber. Sie selbst ist gern mal am Abend auf die Burg hochgelaufen, um auf die Stadt zu schauen.

Der Umzug selbst war für das angeheuerte Unternehmen allerdings keine ganz leichte Aufgabe, denn die Klomps verfügen über eine sehr große Büchersammlung, vor allem im Bereich der Theologie. Aber auch Werke von Christa Wolf oder Hanna Ahrens sind da zu finden. „Wenn ich einen Autor entdeckt habe, dann lese ich gleich mehrere Werke von ihm“, erklärt die 45-Jährige.

Natürlich vermisse Tochter Paula ihre Freundinnen, „aber beide Kinder sind inzwischen sehr gut hier eingebunden“, versichert Klomp. Ihr Sohn spielt Schlagzeug in der Musikschule und in der Band des Gymnasiums und Paula singt im Jugendchor. „Das sind Bereiche, in denen die Kinder ihre Hobbys ausleben können und das sehr schätzen.“

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Klomps Mann ist Professor für Orgelspiel an der Hochschule in Heidelberg und muss pendeln. Seine Zusammenarbeit mit der Bezirkskantorin Katharina Wulzinger hat bereits erste Früchte getragen.

Gemeinsam haben die beiden Musiker nicht nur ein Konzert vor einiger Zeit gegeben, sondern im Dezember das Weihnachtsoratorium als Video aufgenommen. „Dieses Projekt wurde von den Fachkollegen meines Mannes bundesweit wahrgenommen.“

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Apropos Weihnachtsfest, für eine Dekanin war dies eine Herausforderung in Zeiten der Pandemie. „Die Tage vorher waren von einer Geschäftigkeit geprägt, wie ich sie noch nie in meinem Berufsleben erlebt habe.“ Auf dem Plan stand neben Briefe schreiben und Päckchen packen für die Gemeindeglieder und der Besuch der Kollegen. Letzteres musste jedoch gestrichen werden.

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„Der Weihnachtstag selbst war für mich schon schwer. Ich liebe es, Gottesdienste zu feiern. Trotz des Lockdowns hatten wir die Kirche offen gelassen, und das war genau das richtige Zeichen. Ich bin zur Gottesdienstzeit in der Kirche gewesen – oft ganz allein. Bevor ich die Kirche am Heiligabend um 20 Uhr abgeschlossen habe, habe ich dann doch einmal ’Stille Nacht’ allein für mich gesungen, weil ich dachte: das braucht die Stiftskirche vielleicht.“ Rückblickend muss sie über die Aktion lachen, als sie davon erzählt.

Gefüllte Gans zu Weihnachten

Weihnachten hat es bei Klomps übrigens gefüllte Gans gegeben. Das ist an sich nichts besonders. In diesem Fall schon – nach vielen Jahren konnte Wibke Klomp zum ersten Mal zur Weihnachtszeit ihrer Leidenschaft nachgehen: dem Kochen. Inzwischen steht sie nicht allein in der Küche: Ihr Sohn teilt ihre Freude am Schnippeln, Garen und Braten. Er probiert allerdings gern mal etwas Ausgefallenes aus, wie beispielsweise Ramen.

Eine weitere Herausforderung in Klomps Küche: Seit die Kinder im Homeschooling Nachmittagsunterricht haben, muss das Mittagessen genau zur richtigen Zeit fertig sein, was für eine voll umfänglich berufstätige Mutter manchmal gar nicht so einfach ist.

Aber Wibke Klomp ist jemand, der einer Situationen immer etwas Positives abgewinnen kann. Auch ihren Start in der Gemeinde unter Coronabedingungen. „Die neuen Umgangsformen sehe ich als große Chance, weil ich viel schneller in Kontakt zu den Gemeinden gekommen bin.“ Klomp spielt damit auf die durch Corona bedingt wöchentlich stattfindende „Online-Kaffeepause“ mit den Kollegen und Mitarbeitern im Dekanat an. In besagter Kaffeepause geht es weniger um das braune Heißgetränk, sondern um aktuelle Fragestellungen, wie man im Dekanat damit umgehe und welche Lösungsansätze es gibt. Thema der letzten Kaffeepause: „Wie gestalten wir jetzt unseren Konfirmandenunterricht?“ Der soll natürlich nicht ausfallen, sondern trotz Corona stattfinden. „Dieser enge Austausch unter Kollegen wäre unter normalen Bedingungen nicht gegeben. Da sieht man sich nur einmal im Monat“, sagt Klomp.

Ihren Anspruch, nah am Menschen zu sein, setzt sie inzwischen vielfältig um. Treffen mit dem Frauenkreis, Gespräche mit den Gottesdienstbesuchern und selbst auf dem Weg von ihrer Wohnung zum Metzger oder Bäcker gibt es hinreichend Gelegenheiten, mit den Wertheimern ins Gespräch zu kommen. „Ich bin eigentlich erstaunt, wie viele mich schon kennen und ansprechen“, freut sie sich.

Weil Geburtstagsbesuche in ihrer Emmaus-Gemeinde nicht möglich sind, schreibt sie per Hand an die Menschen und findet auch so den Kontakt zu ihnen. „Unser Ziel ist es, in dieser Zeit bestmöglich für die Menschen da zu sein.“ Telefonate, E-Mail-Verkehr und hin und wieder ein Besuch sorgen für den engen Kontakt zu den Bürgern. Um diese Einzeltreffen wahrnehmen zu können, hält sie sich von Präsenzveranstaltungen ansonsten fern.

Selbst wenn derzeit keine Gottesdienste in den Kirchen stattfinden, über zu wenig Arbeit kann sich die Dekanin derzeit nicht beklagen. Im Gegenteil. Diese Zeit bringe Anforderungen mit sich, sagt sie und weist darauf hin, dass alle Kollegen im Dienst sind. „Pfarrer haben immer genug zu tun. Aber der Arbeitsaufwand ist im Moment enorm.“

So ein Online-Gottesdienst ist nicht mal schnell nebenbei produziert. Ihn dann zusätzlich noch in Papierform den Menschen zu bringen, die kein Internetzugang haben, ist eine weitere Aufgabe.

Gottesdienste liegen ihr

Überhaupt liebt Klomp die Gottesdienste. Die Predigten dafür schreibt sie speziell immer für den Tag. „Die Menschen spüren, wenn ein Prediger nur einen allgemeinen Text verwendet.“ Sie selbst sitzt in der Regel mehrere Stunden am Samstag zuhause, um ihre Gedanken zum aktuellen Geschehen in Form zu bringen. Sie schreibt in Word auf einem PC, „am liebsten mit viel Tee und einer brennenden Kerze“.

Auffällig ist, wenn Wibke Klomp über ihre Arbeit redet, spricht sie immer von „wir“ oder „uns“, selten kommt ein „ich“. „Verena Mätzke als meine Kollegin, die Bezirkskantorin Katharina Wulzinger und ich, wir besprechen die Dinge gern im Team, auch mit dem Ältestenkreis oder mit dem Bezirkskirchenrat auf Dekanatsebene. Ich bin eben nicht allein die Pfarrerin.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim