Evangelische Bezirkssynode - Fundraising war inhaltlicher Schwerpunkt Wertschätzung ist wichtig

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Wertheim. "Das liebe Geld" war bestimmendes Thema der Herbstsynode des Kirchenbezirks Wertheim im dortigen Stiftshof. Ohne entsprechende finanzielle Mittel kann die Kirche ihre Aufgaben nicht erfüllen. Zwar bekommt sie Kirchensteuer, doch wegen des demografischen und gesellschaftlichen Wandels wird diese in Zukunft geringer ausfallen, hieß es. Eine Antwort darauf muss das Fundraising sein.

Seit 40 Jahren ist Bertold Landeck (links) als Prädikant im Dienst. Dafür wurde er von Dekan Hayo Büsing geehrt.

© Bauer
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Was Fundraising ist, wie man damit arbeitet und was man damit erreichen kann, war inhaltlicher Schwerpunkt der Synode. Dazu erläuterten die beiden Fachleute Alexandra Helmich (Kirchenbezirksbeauftragte Fundraising im Kirchenbezirk Wertheim und Stabsstelle Fundraising des Diakonischen Werks) sowie Pfarrer Dr. Torsten Sternberg (Landeskirchlicher Beauftragter für Fundraising) den Synodalen kompetent und leicht verständlich dieses Konzept.

"Ich stehe immer in der Versuchung, auf die Frage, was Fundraising denn sei, kurz und knapp zu antworten, Spenden sammeln", gestand Sternberg. Aber das treffe die Sache nicht wirklich. Die Bedeutung gehe weit darüber hinaus: Henry A. Rosso, Altmeister des Fundraising, hatte es so definiert: "Fundraising ist die sanfte Kunst, jemandem die Freude am Geben zu vermitteln". Es geht darum, Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und dabei die richtigen Botschaften zu kommunizieren, sprich für ein bestimmtes Projekt zu werben, und dabei die Menschen emotional anzusprechen. Es geht dabei immer um das, was Menschen für Menschen tun.

Entscheidend ist dabei laut Sternberg die Wertschätzung. Ein Spender soll nicht das Gefühl haben, man wolle nur an seinen Geldbeutel. Stattdessen könne er durch seine Gabe teilhaben an einer Vision oder guten Sache. Auch die Mitarbeitenden müssen von der Notwendigkeit überzeugt sein, dass sie sich selbst einbringen.

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"Leben Sie selbst vor, dass finanzielles Engagement für andere eine Selbstverständlichkeit ist?", fragte der Pfarrer die Synodalen und betonte, wie wichtig überzeugende Vorbilder für die Gesellschaft und gerade für die Jugend seien. Zusammengefasst gehe es also bei Fundraising um Beziehungen, Wertschätzung vermitteln und Vorbild sein.

Menschen für Ziele begeistern

Dr. Torsten Sternberg und Alexandra Helmich gingen näher auf das Thema ein. So sei die Summe des Spendenvolumens in Deutschland nahezu unverändert, die Anzahl der Spender aber rückläufig. Dies bedeute, dass es weniger, aber höhere Einzelspenden gebe. Helmich: "Um die bemühen sich immer mehr Organisationen." Dann ging es um die nicht ganz einfache Frage: "Was können wir dazu also tun, um Menschen für unsere Ziele zu begeistern und sie somit für finanzielle Unterstützung zu motivieren?" Genannt wurden hier persönliche Gespräche, in denen man den Menschen signalisiert, dass sie wahrgenommen werden, ihr Tun gewürdigt und nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen wird.

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Abschließend luden die Referenten zu einem "Gedankenaustausch" ein rund um Fragen wie: "Welches Vorhaben würden Sie gerne umsetzen, wenn Sie die entsprechenden Ressourcen hätten? Da wurden etwa Vollzeitkräfte für die Jugend- beziehungsweise Seniorenarbeit genannt, aber auch die Wunschvorstellung, allen Gemeindegliedern zum Geburtstag handschriftlich zu gratulieren. Gekonnt überführten die Fundraising-Experten die eingehenden Fragen in eine so genannte Spenderpyramide. Diese zeigte von der Basis zur Spitze auf, wie sich die Bindung, auch finanzieller Art, an eine Organisation in Summen und Anzahl der Spender ausdrücken kann, beginnend beim Kleinspender bis an die Spitze hin zu den Topspendern.

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Nach der Pause stellte Pfarrer Bernhard Ziegler die neuen Mitarbeiter im Kirchenbezirk vor, die (soweit sie anwesend waren) auch über sich selbst berichteten: Pfarrerin Dr. Annegret Ade (Bettingen/Lindelbach/Urphar), Pfarrerin Carolin Knapp (Bestenheid), Pfarrerin Heike Kuhn (Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber), Elvira Leskowitsch (zuständig für Flucht und Migration), Lehrvikarin Johanna Held (Tauberbischofsheim) sowie Patrick Schork (Leiter der Dienststelle des Verwaltungs- und Serviceamts in Tauberbischofsheim).

Dekan Hayo Büsing ging in seinem Bericht aus dem Bezirkskirchenrat noch einmal bei der Bezirksvisitation getroffenen Zielvereinbarungen ein: stärker als Kirche in der Öffentlichkeit erkennbar werden, gottesdienstliches Leben weiterentwickeln, Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenbezirk neu ausrichten, mit dem Diakonischen Werk exemplarische Angebote in der Jugend- und Familienhilfe mit gemeindlichen Angeboten zu vernetzen, Kooperationsformen gemeindeübergreifend erproben und Vorschläge zur Entlastung der Pfarrämter von Verwaltungsaufgaben. Am Ende gab er Daten und Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum bekannt.

Eine besondere Freude war es ihm, Bertold Landeck aus Wenkheim für 40 Jahre treuen und verlässlichen Dienst als Prädikant zu ehren.

Helmut Wießner berichtete anschließend aus der Landessynode, in der im Frühjahr die gottesdienstliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare großes Thema war. Weiter ging es um Zuschüsse für Kindertagesstätten, Kirche und Tourismus (wobei Wertheim sehr engagiert war) sowie Lebensordnung Konfirmation. Im Oktober beschäftigte man sich mit Möglichkeiten von Inklusion, dem Ehrenamts- und dem Arbeitsrechtgesetz sowie dem Liegenschaftsprojekt.

Am Ende hatten in einem "Werbeblock" die Anwesenden die Möglichkeit, Termine bekannt zu geben oder Projekte vorzustellen. Die nächste Bezirkssynode findet am 13. Mai zum Thema "Leben aus der Quelle - neuen Gottesdienstformen" statt. aba