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Ärgerlich - Wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse muss einer der attraktivsten Wanderwege auf Wertheimer Gebiet geschlossen bleiben

Wertheimer „Buschweg” muss geschlossen bleiben

Seit über zehn Jahren ist der sogenannte Buschweg an der Mainleite zwischen Urphar und Eichel gesperrt – aus Sicherheitsgründen. Wanderer müssen auf eine der attraktivsten Strecken verzichten. Das Problem: ungeklärte Eigentumsverhältnisse.

Von 
Birger-Daniel Grein
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Durchgang verboten: Dabei bieten sich auf dem Buschweg zwischen Urphar und Eichel besonders schöne Ausblicke auf die Mainschleife und das gegenüberliegende Himmelreich. © Birger-Daniel Grein

Wertheim. Wanderwege auf Wertheimer Gebiet erfreuen sich auch wegen ihrer schönen Ausblicke großer Beliebtheit. Zu den Wegen mit attraktiver Aussicht gehört der sogenannte Buschweg zwischen Eichel und Urphar durch die Mainleite. Aus Sicherheitsgründen ist dieser jedoch bereits seit 2008 für den Fußgängerverkehr gesperrt. In einer der vergangenen Gemeinderatssitzungen hatte Rat Bernd Hartmannsgruber bedauert, dass es keine Bemühungen gibt, um die Sicherheit wieder herzustellen.

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Das Problem dabei ist ein Waldgrundstück, dass von seinem ehemaligen Besitzer aufgegeben wurde. Das Land Baden-Württemberg habe ein Aneignungsrecht für das Waldgrundstück, dieses aber noch nicht wahrgenommen, so Hartmannsgruber. „Dadurch ist das betroffene Waldgebiet aktuell Niemandsland und die Verkehrssicherheitspflicht nicht gewährleistet.“

Hartmannsgruber beklagt, dass der tolle Panoramawanderweg nun aus dem Wanderwegetableau herausgenommen werden soll. Er bat die Verwaltung darum, Möglichkeiten zu prüfen und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, damit der Buschweg wieder für jedermann begehbar wird.

„Für das regionale Wanderwegenetz wäre das eine deutliche Aufwertung“, ist er überzeugt. Von der Pressestelle der Stadt Wertheim heißt es dazu: „Der Buschweg ist für den Fußgängerverkehr seit 2008 gesperrt. Anlass waren Untersuchungsergebnisse über Gefahren im Hang der Mainleite.“ Das Risiko liege in der latenten Gefahr, dass Wanderer zu Schaden kommen, wenn sich aus dem Hang Steine lösen und über den Weg zu Tal stürzen.

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Die Stadt sei zwar nur für die Verkehrssicherheit des Wanderwegs verantwortlich und nicht für das angrenzende Hanggrundstück. Allerdings gebe es derzeit keinen handlungsberechtigten Ansprechpartner, auf den die Stadt wegen möglicher Sicherungsmaßnahmen im Hang zugehen könnte.

„Die Stadt bewirtschaftet den Weg daher nur in dem Umfang, der für die Unterhaltung des eigenen Hangwalds beziehungsweise für die Erreichbarkeit, der vom Land errichteten Sicherungszäune erforderlich ist“, heißt es. Eine Freigabe für Wanderer sei, solange das Problem der Steinschlaggefahr nicht gelöst ist, schon aus haftungsrechtlichen Gründen nicht möglich.

Bei dem aufgegebenen Waldgrundstück handle es sich um eine Fläche von 6,8 Hektar im Hangbereich der Mainleite südlich des Buschwegs. „Bei Vermittlung des Waldgrundstücks an potenzielle Kaufinteressenten sind der Stadt derzeit die Hände gebunden. Denn nach Aufgabe durch den bisherigen privaten Eigentümer hat zunächst das Land Baden-Württemberg ein Aneignungsrecht an der Fläche.“ Nur wenn das Land darauf verzichte, könne das Grundstück veräußert werden. Der neue Eigentümer sei dann auch für die Sicherheit verantwortlich. Maßnahmen zur Sicherung des Hangbereiches entlang des Buschweg seien derzeit zum einen wegen der ungeklärten Eigentumsverhältnisse nicht vorgesehen. Zum anderen sei mit Blick auf den finanziellen Aufwand und die kommunale Haushaltssituation die Relation von Kosten und Nutzen kritisch abzuwägen, so die Pressestelle.

Keine Angebote vorhanden

Dietmar Hellmann, Forstbezirksleiter Odenwald bei Forst Baden-Württemberg erklärt gegenüber den FN: „Bislang lagen nach meinen Kenntnissen ForstBW keine Angebote zur Übernahme des Eigentums an einem Waldgrundstück in den Mainleite vor.“ Er habe bei den zuständigen Stellen, unter anderem bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Heilbronn, der Stadt Wertheim und der unteren Forstbehörde Main-Tauber nachgefragt.

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Zum weiteren Vorgehen meint er: „Sobald uns Flurstück und Lage bekannt sind und die offizielle Bestätigung der Rechtmäßigkeit der Eigentumsaufgabe des Vorbesitzenden vorliegt, werden wir das Waldstück besichtigen und darüber entscheiden, ob ForstBW für das Land in das Eigentum eintreten kann.“ Dabei spielten dann verschiedene Fragen eine Rolle.

„Da wir mit öffentlichen Geldern sehr sorgsam und gewissenhaft umgehen, bedarf es unter anderem einer gründlichen Bewertung der Risiken, die mit dem Eigentum an einem solchen Waldgrundstück verbunden sind“, so Hellmann. Für die Entscheidung würden unter anderem die Lage im Gelände, Verkehrs- und Wanderwege und die Beschaffenheit sowie der Pflegezustand des Grundstückes eine Rolle spielen.

Die Bedeutung des Buschwegs für den Fremdenverkehr betont Christiane Förster, Geschäftsführerin der Tourismus Wertheim: „Die Sperrung des Buschwegs ist von Anfang an nicht nur aus touristischer Sicht sehr bedauerlich gewesen.“ Dieser Weg, der sich in etwa halber Höhe des Berghangs entlang windet, sei für den Wanderer und Spaziergänger schon ein Highlight in unserer Region mit Panoramaaussicht. „Aus Richtung Urphar kommend sind Bänke an einer Stelle aufgestellt, wo sich der Wanderer niederlassen und einfach die Aussicht genießen kann.“ Auch für die Einheimischen sei die Sperrung bedauerlich. „Wir wissen, dass dennoch viele den Weg einfach nutzen, obwohl er gesperrt ist.“ Eigentlich gebe es keine Alternative zu diesem Naturpfad, der eine tolle Aussicht bietet, stellt sie weiter fest. „Der asphaltierte Römerweg, der auf der Höhe in großen Teilstrecken parallel verläuft, bietet einfach nur an der früheren Odenwaldhütte einen ähnlichen Aussichtspunkt, auf der Reststrecke zwischen Hofgarten und Urphar kann man aufgrund des Bewuchses den Main nicht einsehen.“

Dies bestätigt auch Kurt Schuon vom Fremdenverkehrsverein Wertheim und beklagt: „Es ist schlimm, dass der Buschweg gesperrt ist.“ Es sei der einzige schöne Weg, der in diesem Abschnitt den Wanderern zur Verfügung stehe.

Freier Autor

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