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 Leserbrief - Zum Leserbrief „Sexistische Praxis, deren Ziel es ist, Sexismus zu bekämpfen“ (FN, 13. Februar) Wer nicht absichtlich inkludiert, wird unbeabsichtigt exkludieren

Von 
Tina Pers
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Bei dem Thema Gendern in der Sprache, geht es um bewusste Inklusion. Um die aktive Einschließung und Nennung des weiblichen Geschlechts, um ein Bewusstsein für Gleichstellung und eine gleichberechtigte Wahrnehmung der Geschlechter in der Gesellschaft herzustellen. Solange die Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland noch nicht gegeben ist, und das ist sie noch lange nicht, müssen wir absichtlich, bewusst und proaktiv das weibliche Geschlecht repräsentieren und inkludieren.

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Jede/jeder selbst versteht, ohne eine wissenschaftliche Studie zum Gendern in der Sprache gelesen haben zu müssen, wie wichtig die Sprache im Allgemeinen für unsere Gesellschaft ist. Sprache schafft Bewusstsein und Sprache prägt. Sprache ist das Fundament der sozialen Interaktion. Darum sollte es nicht schwer zu verstehen sein, welchen Unterschied es machen kann, wenn meine Tochter (falls es sie jemals geben sollte) oder die Tochter eines jeden Vaters, nicht nur mit Ingenieuren, sondern auch Ingenieurinnen, nicht nur mit Informatikern sondern auch Informatikerinnen oder nicht nur mit Vorständen sondern auch mit Vorständinnen aufwächst.

Es wird ein ganz anderes Bewusstsein und eine andere Wahrnehmung geschaffen. Ein Bewusstsein und eine Wahrnehmung der Gleichstellung, der gleichen Möglichkeiten und Inklusion. Nun gibt es Meinungen, dass dies eine sexistische Praxis sei, um Sexismus in der Sprache zu bekämpfen.

Wünschenswert wäre eine geschlechtsneutrale Sprache, die aber voraussetzt, dass wenn wir Soldat, Polizist oder Student hören, nicht sofort das männliche Geschlecht damit assoziieren. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, tun wir das. Ohne dieses allgemeine Bewusstsein in der Gesellschaft, müssen wir aktiv das weibliche Geschlecht nennen, damit sich diese Wahrnehmung ändert.

Ungleichhheit schadet allen

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Wir müssen Dinge neu denken, auch die Sprache, um die Gleichstellung in unserer Gesellschaft für zukünftige Generationen zu sichern und das fängt bei der Sprache an. Dass diese Umstellung am Anfang ein wenig Arbeit bedeutet, ist jeder/jedem klar. Aber es ist nötig.

Wenn ich ein Ziel mit meinen Leserbriefen habe, ist es Menschen und ja, vor allem Männer, dazu anzuregen, gegebene und gelernte Systeme, Aussagen, Strukturen zu hinterfragen, um ein anderes, neues Bewusstsein für die Gleichstellung von Mann und Frau anzuregen, damit die nächsten Generationen weniger mit dieser Ungleichheit konfrontiert sind. Denn diese Ungleichheit schadet nicht nur den Frauen sondern ganz Deutschland.

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Und zu guter Letzt: Ja, es ist anstrengend in einer von Männern geprägten und dominierten Welt zu leben, die Rahmenbedingungen schafft, die primär die Interessen von Männern widerspiegelt. Das ist nicht nur im Privat- und Berufsleben allgegenwärtig, sondern auch in anderen Bereichen, wie in der Politik. Solange es zum Beispiel noch Gesetze gibt, die Vorständinnen von Aktiengesellschaften dazu zwingt, ihr Amt aufgrund einer Schwangerschaft niederzulegen, solange sollten wir uns alle dazu verpflichtet fühlen, aktiv an der Gleichstellung von Mann und Frau zu arbeiten. Veränderungen dieser Art würden natürlich einfacher und schneller umgesetzt werden, wenn man zusammen, Mann und Frau, dafür kämpft.

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Aber wo ist die Solidarität der Männer für Themen, die uns Frauen benachteiligen? Die hält sich leider sehr in Grenzen. Deshalb brauchen wir Maßnahmen, wie das Gendering in der Sprache oder eine Frauenquote, um die Gleichstellung voranzutreiben. Denn anders werden die Interessen und Bedürfnisse von Frauen niemals in der gleichen Weise repräsentiert, wie es derzeit mit den Interessen und Bedürfnissen von Männern geschieht.