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FN-Interview - Les Holroyd sprach mit den FN über das Konzert in Wertheim sowie sein Leben als Musiker

„Wenn das Wetter mitspielt, wird es sicherlich einen tollen Abend geben“

Von 
Harald Fingerhut
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Les Holroyd (Bild) wird mit seiner Band am Sonntag, 17. Juli, um 20 Uhr auf der Wertheimer Burg auftreten. Im Vorfeld gab er den FN ein umfangreiches Interview. © Sabine Holroyd

Wertheim. Barclay James Harvest featuring Les Holroyd treten am Sonntag, 17. Juli, um 20 Uhr in Wertheim auf der Burg auf. Die FN haben sich im Vorfeld des Open Air Konzerts mit Band-Leader Les Holroyd über das Leben als Musiker im allgemeinen sowie über den Auftritt in der Main-Tauber-Stadt im besonderen unterhalten.

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Herr Holroyd, wie geht es Ihnen, wie sind Sie durch die Pandemie gekommen?

Les Holroyd: Mir geht es gut. Ich bin zum Glück von Corona verschont geblieben und fühle mich derzeit richtig gut. Natürlich war es schon bedrückend, über so einen langen Zeitraum nicht auftreten zu können.

Sie freuen sich also auf die anstehende Tour? Ist man nach so einer langen Zwangspause nervöser und aufgeregter als sonst? Oder überwiegt tatsächlich die Freude?

Holroyd: Ein wenig aufgeregt ist man immer, das gehört einfach dazu. Aber es überwiegt eindeutig die Freude darauf, wieder vor Publikum spielen zu können. Dafür bin ich Musiker geworden. Nichts kann das Gefühl auf der Bühne zu stehen ersetzen. Das ist Freude pur.

Wie bereiten Sie sich auf die Tour vor? Aufgrund der Corona-Bestimmungen durften Sie ja auch nicht mit der Band zusammenkommen?

Holroyd: In unserem Fall ist das ein bisschen schwierig. Wir werden erst kurz vor dem Tour-Start zusammenkommen und dann intensiv proben. Vor dem ersten Konzert der Tour werden wir schon früh auf der Bühne stehen und einen ausgedehnten Soundcheck mit Proben machen. Wir spielen ja schon lange zusammen, so dass das kein Problem sein dürfte, musikalisch schnell wieder zusammenzufinden.

Kennen Sie eigentlich Ihren Auftrittsort in Wertheim? Waren Sie schon einmal auf der Burg?

Holroyd: Ich bin zwar schon ein paar Mal vorbeigefahren. Aber tatsächlich war ich bislang noch nicht dort, habe aber schon viel davon gehört – und zwar nur Gutes. Deshalb freue ich mich besonders auf diesen Auftritt. Ich hoffe auf gutes Wetter, dann wird das ein toller Abend.

Was dürfen die Fans von diesem Abend erwarten? Welche Lieder werden Sie spielen?

Holroyd: Wir haben einen Pool von rund 30 Songs im Gepäck, aus dem wir dann die Setlist auswählen. Aber natürlich sind ein Klassiker, wie etwa „Hymn“ oder „Life is for Living“ gesetzt. Das erwarten die Leute schlichtweg, dass wir unsere Hits spielen.

Gibt es auch neues Material? Arbeiten Sie an einer neuen CD?

Holroyd: Ich habe neues Material, aber im Fokus der Live-Show stehen natürlich unsere Hits. Deshalb kommen die Leute. Und dem müssen wir Rechnung tragen. Schließlich kennt man unsere neuen Songs auch nicht, da es keine neue CD gibt. Es ist auch schwer, ein neues Album herauszubringen.

Sie sind ja bereits seit fünf Jahrzehnten im Musikgeschäft. Eine der größten Veränderungen dürfte das Streamen sein. Was halten Sie davon?

Holroyd: Um ehrlich zu sein: Gar nichts. Früher hat man als Musiker ein Album oder später eine CD gemacht und ist dafür anständig bezahlt worden. Streaming hat das komplett über den Haufen geworfen. Von dem Geld, das die Streaming-Dienste bezahlen, kann niemand leben.

Das heißt, die Musiker müssen touren. Das heißt, alle sind unterwegs. Und die bekannten Namen ziehen natürlich mehr als die von Newcomern. Deshalb haben es neue Bands jetzt noch schwerer, ein Auskommen zu haben oder gar nach oben zu kommen.

Barclay James Harvest hat ja einst als Prog-Rock-Band angefangen, bevor die Band auf die Pop-Rock-Schiene abgebogen ist? Wie kam das?

Holroyd: In den 70er Jahren war es immens wichtig, dass die Songs im Radio gelaufen sind oder man Auftritte bei den entsprechenden Formaten im Fernsehen hatte. Das gelang uns mit unseren frühen Songs nicht. Deshalb drängten die Plattenfirmen, die damals noch eine ungeheure Macht hatten, darauf, dass wir Radio kompatible Lieder schrieben. Und da wir nicht nur für uns Musik machen, sondern auch ein breites Publikum ansprechen wollten, kamen wir diesem Wunsch auch gerne nach. Und letztlich war es die richtige Entscheidung, schließlich hob uns das in Spitzenpositionen in den Charts und bescherte uns große Auftritte.

Und einer davon fand im damaligen West-Berlin vor 200 000 Leuten statt. Wie war das vor so einer riesigen Menge zu spielen? Befremdlich, aufregend oder einfach nur schön? Können Sie sich noch daran erinnern?

Holroyd: Natürlich kann ich mich erinnern, so etwas vergisst man als Musiker nicht. Wir kamen schon früh am Nachmittag ans Brandenburger Tor, wo das Konzert stattfand, weil wir einen ausführlichen Soundcheck machen wollten. Schließlich sollte alles perfekt sein. Im Laufe des Nachmittags kamen immer mehr Leute, es wurde immer voller und voller. Am Abend waren dann, wo man hinschaute, Menschen. Mit der Zunahme der Zuhörer wuchs selbstverständlich erst mal die Aufregung, aber als wir dann auf die Bühne gingen, war das verflogen und es war eine pure Freude zu spielen. Übrigens haben wir danach auch in Ost-Berlin gespielt. Da kamen dann 175 000 Leute, so dass wir in Berlin vor knapp 400 000 Fans gespielt haben.

Abschließend möchte ich noch auf eine besondere Begegnung zu sprechen kommen, die Sie mit einem weiblichen Superstar hatten: Tina Turner.

Holroyd: Ja, das war etwas skurril. Ich war mit unserem Tontechniker im Studio beschäftigt und wollte mir in der Küche etwas zu trinken holen. Da saß dann diese Frau mit einer großen, dicken Brille und strickte. Ich habe sie für eine Angestellte gehalten.

Sie hat auch gefragt, wie es mir geht und mir angeboten einen Tee zu machen. Ich habe zugesagt und Tina Turner hat mir einen Tee gemacht. Erst so langsam dämmerte mir, dass ich die Frau kannte und hab schließlich erkannt, dass es Tina Turner war.

Wäre mir das heutzutage passiert, hätte ich sicher ein Selfie gemacht. So habe ich leider nichts, das das Treffen belegt.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.

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