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Dorfsanierung - Abschlussveranstaltung des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ / Ideen für das Wohnen im Ortskern

Waldenhausen bietet viele Möglichkeiten

In Waldenhausen gibt es zahlreiche Gebäude mit Verbesserungsbedarf. Das ist aber auch eine Chance für die Dorfentwicklung.

Von 
Birger-Daniel Grein
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In Waldenhausen gibt es viele Hofreiten wie diese, die man zu neuem Wohnraum entwickeln kann. Dies zeigten die Ergebnisse des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“. © Birger-Daniel Grein

Waldenhausen. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wurden am Donnerstag eine Reihe von Ideen für die Aufwertung von Wohnen im Ortskern vorgestellt. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für das förmliche Verfahren zur Ausweisung eines Sanierungsgebiets im Dorf.

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Einleitend ging Franziska Klose vom Büro Wegner Stadtplanung auf die Ergebnisse der schriftlichen Bürgerbefragung vom März dieses Jahres ein. Von 200 Haushalten hätten 49 den Fragebogen ausgefüllt abgegeben (25 Prozent Rücklaufquote.)

Positiv bewerteten die Rückmeldenden den Schutz vor Beeinträchtigungen zum Beispiel durch Verkehr und Lärm sowie Nähe und Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Einkaufsmöglichkeiten.

Zu wenig Angebote für Jugend

Besonders viele negative Bewertungen bekamen die Bereiche Einrichtungen und Angebote für Jugendliche und Anbindung an den ÖPNV. Als häufig besuchte Orte gaben die Einwohner Kirche, Friedhof und Mehrzweckhalle an.

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Dennoch sah die Mehrheit ihren persönlichen Ortskern immer noch im historischen Teil rund um das Rathaus. „Auch wenn es dort keine Nutzung mehr gibt, die zum Hingehen motiviert“, so Klose. Es zeichne sich aber auch ab, dass sie die gefühlte Ortsmitte sich mehr in Richtung Angebotsorte hin entwickelt.

Im Juli 2021 hatte der Ortsrundgang stattgefunden, bei der mehrere Potenziale für eine Entwicklung entdeckt wurden. Vorgestellt hatte Klose auch die Bestandsanalyse des Dorfs. Das Durchschnittsalter der Bewohner im Dorf liegt bei 51 Jahren und damit über dem Durchschnitt des Landkreises von 43,5 Jahren. Es gibt in Waldenhausen einen niedrigen Jugendquotienten und einen hohen Altersquotienten. „Es ist eine weitere Zunahme der Überalterung zu erwarten“, stellte die Referentin fest. Ebenso rechnete Klose aufgrund des Geburtendefizits auch mit Bevölkerungsverlusten. Im gesamte Dorf gebe es aktuell sieben Leerstände, diese befänden sich alle im Ortskern.

Auch die Mehrheit der Gebäude mit hohem Leerstandsrisiko – alle Bewohner sind über 80 Jahre alt – lägen im historischen Ortskern. „Das Leerstandsrisiko ist dort höher als im Gesamtdorf.“

Wichtig für die Ausweisung eines Sanierungsgebiets ist der Nachweis von städtebaulichen Missständen. Diese finde man vor allem im historischen Ortskern. Dort gebe des Leerstände, kleine Grundstücke mit dichter Bebauung, viele Häuser mit Sanierungsbedarf und Engstellen im Straßenraum.

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Veröffentlicht
Von
bdg
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Ein Mangel sei auch, dass die zweite Bushaltestelle des Dorfs abseits liege. Potenziale des Orts seien denkmalgeschützte und ortsbildprägende Gebäude im historischen Ortskern. Großes Potenzial böten zudem die Naherholungsmöglichkeiten durch die umgebenden Grünflächen auch auf der anderen Tauberseite sowie die Rad- und Wanderwege. Die Analyse der Potenzialflächen ergab für die kommenden zehn Jahre eine rechnerische Reserve von rund 20 Wohneinheiten.

Klose wies jedoch darauf hin, dass dabei sowohl das in Erschließung befindliche Neubaugebiet sowie Baulücken auf Privatgrundstücken berücksichtigt sind. Bei letzteren sei man auf die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer angewiesen.

Das vom Büro Wegner vorgeschlagene Entwicklungskonzept schlägt vor, das Wohnumfeld im historischen Ortskern zu verbessern und Leerstände zu aktivieren. Die Gärten und Obstwiesen bei der Tauber sollten genauso wie die neuen Wohngebiete in ihrer Qualität erhalten werden.

Das Angebot individueller Beratung wurde von keinem Gebäudeeigentümer in Waldenhausen genutzt. Aus diesem Grund stellte Klose Ideen für Gebäude vor, die beim Ortsrundgang thematisiert wurden.

Für ein Areal in der Taubergasse schlug sie den Abriss des Bestands (altes Wohnhaus und Nebengebäude) mit Neubau eines kleineren Hauses vor. „Als Stadtplaner ist es uns am liebsten, Ortsbildprägendes zu erhalten“. Aber bei solch einer engen Bebauung müsse man auch eine Abriss- und Neubaulösung ins Auge fassen.

Für ein anderes Grundstück in der Taubergasse wurde die Sanierung und Aufwertung der bestehenden Hofreite angeregt. Die Scheune könnte zu Wohnraum ausgebaut werden, wobei in deren Obergeschoss Wohnen und im Erdgeschoss Parken und Haustechnik möglich seien.

Für ein Areal im Mühlenweg wurde für ein verschachteltes Quartier ein Teilabriss und Neubau sowie teilweise Sanierung und eine Neuordnung der Zufahrt vorgeschlagen. So könnten Freiflächen im Hof entstehen.

In den „Brunngärtner“ gebe es eine Hofreite mit sehr hübschen Haupt- und Nebengebäuden. Hier könnte man die Scheune zu barrierefreiem Wohnraum umbauen. Vorstellbar sind zudem Gärten und Terrassen im Innenhof und Parkplätze am Rand. Als Fläche für das Sanierungsgebiet schlug das Planungsbüro den weit gefassten historischen Ortskern bis zur Kirche und zur Grenze der neueren Bebauung vor. Thomas Müller vom Referat Stadtplanung der Stadtverwaltung ging auf das weitere Verfahren ein. Nach dem der Gemeinderat den Verfahrensstart beschlossen habe, gebe es unter anderem eine öffentliche Auslegung, bei der auch die Bürger Eingaben, etwa zur Abgrenzung machen können. Die Satzung des Sanierungsgebiets könne mit abschließendem Beschluss des Gemeinderat in Kraft treten. Müller rechnete mit einer Dauer von sechs Monaten für das Verfahren.

Im Sanierungsgebiet sind steuerliche Abschreibungen für die Sanierungsmaßnahmen möglich. Neben diesen können auch weiterhin Zuschüsse des Programms Entwicklung ländlicher Raum (ELR) und des Hofreitenförderprogramms genutzt werden. Vor einer Sanierung müssen Eigentümer Kontakt mit dem Referat Stadtplanung oder der Stadtentwicklungsgesellschaft aufnehmen.

Freier Autor

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