Schlösschen im Hofgarten - Kölner Kunsthistoriker referierte über die Entstehung und Bedeutung der Glasfenster der Martin-Luther-Kirche in Bestenheid Von Farblichtfiltern und einem warmen Licht

Von 
Sebastian Schwarz
Lesedauer: 
Der Kölner Kunsthistoriker Cornelius Steckner brachte den Gästen die große Bedeutung der Fenster in der Martin-Luther-Kirche in Bestenheid nahe. © Schwarz

Hofgarten. Die bedruckten Glasfenster der Martin-Luther-Kirche in Bestenheid sind zweifelsohne ein Kunstwerk von überregionaler Bedeutung. Die Entstehung, Motive und Bildsprache der Fenster waren Thema eines rund einstündigen Vortrags des Kölner Kunsthistorikers Cornelius Steckner im Museum „Schlösschen im Hofgarten“.

AdUnit urban-intext1

Seit 1958 zieren die zehn ausdrucksvolle Fenster die Martin-Luther-Kirche in Bestenheid, ein elftes kam 1964 dazu. Die Initiative hierfür war von Hans Löbel ausgegangen, einem der Pioniere der Wertheimer Glasindustrie.

Die Fenster selbst stammen aus der Feder des französischen Künstlers Charles Crodel. Und was diese so außergewöhnlich macht, darüber wusste Cornelius Steckner detailreich zu berichten. „Der Farblichtfilter der Graugläser und schwarzen Lasuren fangen das Sonnenlicht im farbigen Glas“, erklärte der Kunsthistoriker.

Oder um es etwas laienhafter auszudrücken: Durch die Fenster dringt nur ein neutrales, helles Licht in das Innere des evangelischen Gotteshauses. Der Innenraum der Kirche soll dadurch wie ein nach außen abgeschlossenes Glasgefäß für die Gläubigen erscheinen. „So entsteht ein märchenhafter, geradezu asylhafter liturgischer Innenraum“, so Steckner.

AdUnit urban-intext2

Auch auf die verschiedenen Motive der insgesamt elf von Crodel gestalteten Fenster kam der Kunst-Fachmann zu sprechen. Und darauf, welch großen Aufwand der 1894 geborenen Künstler bei deren Gestaltung betrieben hat. Zunächst habe dieser nämlich für jedes Fenster Entwürfe im Maßstab 1:10 anfertigen lassen, mitunter zehn und mehr pro Fenster. „Es darf nämlich nicht nur jedes Fenster für sich gut gelungen sein, sie müssen sich auch harmonisch aneinanderfügen und in das Gesamtbild der Kirche passen“, beschrieb der Kölner Forscher Cordels Arbeitsweise.

Aber was ist auf den gläsernen Kunstwerken eigentlich genau zu sehen? Die drei Fenster an der Nordseite der Kirche, jedes jeweils vier Meter hoch und 1,4 Meter breit, zeigen die drei Erzengel. „Dies soll die beschützende Seite des Glaubens darstellen“, so Steckner.

AdUnit urban-intext3

Auf der gegenüberliegenden Seite sind vier Fenster mit den vier Evangelisten Lukas, Johannes, Markus und Matthäus zu sehen. Außerdem findet sich dort ein weiteres Fenster mit einer allegorische Darstellung des 150. Psalms „Lobet den Herren“, wie der Referent dem Publikum erklärte. Im Altarraum gibt es zwei Fenster mit jeweils zwei Metern Breite und sechs Metern Höhe. „Das linke zeigt eine moderne Darstellung des Himmelfahrtsmotivs“, wusste der Historiker. Das rechte Fenster hingegen stelle symbolisch das Bibelwort „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ dar. Daneben gibt es auch noch ein 1964 von Hans Löber gestiftetes Rundfenster. Auf diesem ist das Motiv der „Heilung des Blinden“ zu sehen, ebenso wie ein Porträt des Stifters und seines Hundes.

AdUnit urban-intext4

Neben den Bestenheider Kirchenfenstern ging Steckner in seinem Vortrag auch auf Leben und Schaffen von Charles Crodel ein und zeigte dabei die Verbindungen zwischen seinem Wirken in Wertheim und weiteren Werken und Stationen im Leben des Künstlers. Hierbei spielte auch die Glasindustrie, allen voran die Firma Schott, eine bedeutende Rolle.