Wahlveranstaltung - Landesvorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg Oliver Hildenbrand zum Thema „Wachsen wir über uns hinaus“ Vom Automobilland zum Mobilitätsland

Oliver Hildenbrand ist der Landesvorsitzende der Grünen in Baden-Württemberg. Am Montagabend stand er in einer Videokonferenz den Interessierten Rede und Antwort.

Von 
Heike Barowski
Lesedauer: 
Landtagskandidat und Landesvorsitzender der Grünen, Oliver Hildenbrand, war per Videochat im Main-Tauber-Kreis zu Gast. Dass der digitale Ausbau noch Potenzial hat, sahen die Zugeschalteten auch der Übertragungsqualität. © Heike Barowski

Main-Tauber-Kreis. Es war Punkt 19 Uhr am Montagabend, als Corvin Schmid in Bad Mergentheim als Operator die Videokonferenz für alle Interessierten frei schaltete. Online getroffen haben sich neben Mitgliedern der Grünen auch politisch Interessierte. Ihnen allen stand der Landesvorsitzende der Grünen, Oliver Hildenbrand, ausführlich Rede und Antwort. Der gebürtige Wessentaler und Landtagskandidat war als Gast zugeschaltet und widmete sich unter dem Motto „Wachsen wir über uns hinaus“ den Fragen der Zeit und den Inhalten des Parteiprogramms, mit dem die Grünen antreten.

AdUnit urban-intext1

„Diese Landtagswahl fällt definitiv in eine besondere Zeit – in eine Zeit, die uns allen viel abverlangt“, so Hildenbrand. Um so wichtiger sei es, die Zuversicht zu behalten, munterte er die Zuhörer auf. „Mit Zuversicht geht vieles besser, vor allem die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen“. Hildenbrand verwies auf einen „ambitionierten Gestaltungsanspruch“ im Wahlprogramm der Grünen.

„Wir wollen Baden-Württemberg erhalten, wir wollen Baden-Württemberg erneuern, wir wollen Baden-Württemberg zusammenhalten und wir wollen Baden-Württemberg leben.“ Hildenbrand sieht bei der Umsetzung dieser grundsätzlichen Richtlinie vier Herausforderungen, die eine zentrale Rolle in den nächsten Jahren einnehmen werden.

Die Bekämpfung der Krise

Die Bekämpfung der Coronakrise und ihrer Folgen werde die Politik in den nächsten Jahren heftig fordern. Hildenbrand sprach in diesem Zusammenhang über sichtbar werdende Risse im gesellschaftlichen Zusammenhalt und führte Beispiele wie Bildungsgerechtigkeit und mangelhafte digitale Versorgung an, die zur Vergrößerung der Kluft führen. „Wir sollten nach Beendigung der Krise Rückschau halten, um zu analysieren: Wo sind Fehler gemacht worden, wo müssen wir uns besser aufstellen, um krisensicher und zukunftsfester zu sein.“ Er forderte die Schaffung einer Kommission, welche diese Rückschau leisten müsse.

AdUnit urban-intext2

Eine weitere Herausforderung sieht Hildenbrand in der ökologischen Krise, die sich aus der Klimakrise und der Artenkrise zusammensetzt. „Wir sind die erste Generation, die die Klimakrise hautnah zu spüren bekommt, und gleichzeitig die letzte, die noch etwas dagegen tun kann“, sagte der 33-Jährige. Klima schützen, Natur schützen, Artenvielfalt erhalten und die Energiewende vorantreiben – Hildenbrand verwies in seiner Rede auf ein Sofortprogramm für Klimaschutz und Energiewende inklusive eines neuen Gesellschaftsvertrags zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. „Dieser Entwurf macht deutlich, dass wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch einmal an Tempo zulegen wollen.“

Transformation der Wirtschaft

Die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft ist der dritte Themenbereich, dem sich die Grünen widmen wollen. Dabei gehe es in erster Linie um Nachhaltigkeit. „Man muss wirtschaftlichen Erfolg, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit zusammendenken.“ Diese anstehenden „Transformationsaufgaben“ seien vor allem in der Automobilindustrie erkennbar. Dabei gehe es „um mehr als nur eine Antriebswende“, sondern um einen Wandel hin zur klimafreundlichen Mobilität.

AdUnit urban-intext3

Eine Art Mobilitätsgarantie soll auch über eine wesentlich bessere Vernetzung der Verkehrsträger erreicht werden. In Hildenbrands Augen ist dies vor allem ein Versprechen an den ländlichen Raum. „Unser Anspruch: Baden-Württemberg vom Automobilland Nummer Eins zum Mobilitätsland Nummer Eins zu entwickeln.“

AdUnit urban-intext4

„Stärken wir den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, ist der vierte Schwerpunkt zu dem Hildenbrand Stellung bezog. Dies soll vor allem über eine Politik des Gehörtwerdens passieren. So will man die Bürger zu einem Dialog einladen, unter dem Motto „2030 – wo soll es hingehen“. Für den Zusammenhalt der vielfältigen Gesellschaft schlägt die Partei einen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität vor, der unter anderem eine engagierte Prävention und die Sensibilisierung der Polizei und Justiz zum Inhalt hat. Eine „Diversitäts-Beauftragte“ an jeder Schule könne für niedrigschwellige Begegnungen der unterschiedlichen Kulturkreise sorgen. Abschließend sagte Oliver Hildenbrand: „Gerade in der Zeit von großen Umbrüchen ist es gut, an der Spitze jemanden zu haben, bei dem man weiß, woran man ist.“

Unter den aufmerksamen Zuhörern waren unter anderem Richard Diehm aus Wertheim, Rainer Moritz aus Bad Mergentheim Franz Fischer aus Igersheim und der Kandidat des Wahlkreises, Leonhard Haaf aus Tauberbischofsheim. Sie alle nutzten im Anschluss die Chance, die sie bewegenden Fragen an Oliver Hildenbrand zu stellen.

Fokussierung und Mobilfunk

Elke Hauenstein aus Wertheim wollte beispielsweise noch einmal ein paar genauere Aussagen zur Transformation der Wirtschaft, der Ökologie und im sozialen Bereich hören. Leonhard Haaf nahm in der Diskussionsrunde Stellung zur aktuellen Coronakrise und den daraus resultierenden Entwicklungschancen. „Wir müssen noch durchhalten, aber wir dürfen den Leuten auch nichts Falsches versprechen“, so Haaf. Auch Hildenbrand sprach von einem Digitalisierungsschub durch die Krise und eine spätere Wahlfreiheit zwischen persönlichen und digitalen Kontakten.

Rainer Moritz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es im Main-Tauber-Kreis noch viele Orte gibt, die nicht einmal über ein Mobilfunknetz verfügen. „Das sollte man vor lauter Digitalisierung nicht vergessen.“ Auch trieb ihn die Mobilitätsgarantie um, vor allem die fehlende Anbindung des ländlichen Raums.

Richard Diehm aus Wertheim erhofft sich Schützenhilfe aus Stuttgart gegen die fortschreitende Flächenversiegelung durch die Erschließung neuer Gewerbe- und Baugebiete.

Franz Fischer aus Igersheim brachte den Generationenkonflikt zur Sprache und hofft auf Mitwirkung der Grünen Jugend in den Koalitionsverhandlungen.

Für Oliver Hildenbrand habe gerade die Fridays-for-Future-Bewegung mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass sich die Jugend nicht für Politik und die Gesellschaft interessiere. Auch seien innerparteilich die Stimmen der jungen Menschen lauter geworden. Dies würde seiner Meinung nach auch an einigen Stellen, die sich dafür eignen, in den Koalitionsverhandlung sichtbar werden. Hildenbrand verwies auch auf die deutliche Verjüngung der Partei. Aber er räumt auch ein, dass die Anliegen der jungen Generation in der Coronakrise wenig Beachtung gefunden hätten.

Teresa Rosenitsch aus Dainbach mahnte an, dass eine Fokussierung auf Winfried Kretschmann die jüngere Generation verschrecken könne.

In der weiteren Diskussion um die stärkere Berücksichtigung der Wasserstofftechnik, eine mögliche Wahl der Landräte durch die Bürger, Pläne für mehr Bildungsgerechtigkeit sowie das unwürdige Verhalten der AfD im Landtag und wie man diesem am besten begegne. Zu allen Fragen nahm Oliver Hildenbrand ausführlich Stellung.

Einig waren sich am Ende die Teilnehmer, dass Oliver Hildenbrand den über 20 Zugeschalteten wertvolle Hintergrundinformationen lieferte.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim