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Gerichtsverhandlung - Vorwurf lautete Diebstahl und gefährliche Körperverletzung

Verfahrenseinstellung wegen „dünner“ Beweislage

Von 
goe
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Wertheim. In einer Verhandlung beim Amtsgericht Wertheim wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung war die Beweislage „dünn“. Mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Pflichtverteidiger stellte die Richterin das Verfahren „wegen geringer Schuld“ ohne Auflagen ein. Für einen Freispruch erschienen die Beweise nicht „dünn“ genug.

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Die Stadtverwaltung Wertheim hatte zwei Asylbewerber aus Gambia im alten Rathaus in Bettingen untergebracht. Der Jüngere, 22 Jahre alt, wurde im Juli 2021 nach Italien abgeschoben. Er war aber vier Wochen später wieder zurück. Die Stadtverwaltung wies in wieder in Bettingen ein.

Dort vermisste der Mann Gegenstände, die er in seinem Zimmer zurückgelassen hatte: Laptop, Armbanduhr, Kleidung und Körperpflegeprodukte im Gesamtwert von etwa 600 Euro. Er verdächtigte einen Landsmann, 26 Jahre alt, verschaffte sich Zugang zu dessen Zimmer und fotografierte dort „ihm gehörende“ Gegenstände.

Dem Landsmann machte er Vorwürfe. Ein paar Tage später soll der 26-Jährige in das Zimmer des Jüngeren gekommen sein, diesen gewürgt und mit Sicherheitsschuhen gegen die Stirn getreten haben.

Der Jüngere zeigte das bei der Stadtverwaltung und bei der Polizei an. Dabei erwähnte er auch die ihm fehlenden Gegenstände. Später bekam er eine Unterkunft in der Bestenheider Landstraße in Wertheim. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage.

Vorwürfe zurückgewiesen

Der Beschuldigte besitzt den Status „Duldung“ und ist zurzeit ohne Arbeit. Die Vorwürfe wies er in der Gerichtsverhandlung zurück. Der Landsmann lüge, andere im Haus könnten auch die Sachen genommen haben. Die Verletzungen habe er sich beim Sturz vom Fahrrad zugezogen, erklärte er. Ein aus dem Raum Frankfurt angereister Dolmetscher übersetzte die gambische Sprache Wolof, Amtsprache ist Englisch.

Der 22-Jährige fehlte in der Verhandlung als Zeuge. Die Nachfrage beim Einwohnermeldeamt Wertheim ergab, dass er im Februar einen Übernahmeantrag für Portugal gestellt hatte und an eine unbekannte Adresse verzogen war. Somit ist er „nicht mehr erreichbar“. Gestützt auf Paragraf 251 der Strafprozessordnung verlas das Gericht seine bei der Polizei gemachten Angaben.

Der Verteidiger betonte, die Zimmerschlüssel in Bettingen seien allereinfachste Bartschlüssel gewesen. Die Fotos im Zimmer seines Mandanten zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen worden. Deshalb regte er die Einstellung des Verfahrens an. Das Gericht nannte die verlesenen Angaben zur Verletzung rein technisch glaubhaft. Andererseits sei eine persönliche Aussage besser beurteilbar. Bezüglich des Diebstahlvorwurfs bestehe, auch wenn einiges dafür spricht, viel Unsicherheit. goe

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