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Abschied - Katholische Pastoralreferentin verlässt Wertheim und den Wartberg / Kritik an Vereinsstruktur des Kirchenzentrums, Dienstvorgaben und Entscheidungen

Ute Zeilmann spricht von „Problemberg“

Von 
Birger-Daniel Grein
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Während des ökumenischen Abschiedsgottesdienstes wurde Pastoralreferntin Ute Zeilmann (Mitte) von ihren evangelischen Kolleginnen (von links) Dekanin Wibke Klomp, Pfarrerin Carolin Knapp und Pfarrerin Verena Mätzke gesegnet. © grein

Ein Leuchtturm diente bei der Verabschiedung von Ute Zeilmann als Symbol ihres strahlenden Wirkens in der Region. In ihrer Abschiedspredigt begründete sie ihren Weggang aus Wertheim.

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Wartberg. Die katholische Pastoralreferentin Ute Zeilmann war ein Leuchtturm für viele Projekte auf und um den Wartberg und die Ökumene im dortigen Kirchenzentrum (weiterer Artikel). Sie wechselt nun auf eigenen Wunsch in das Dekanat Bremen Nord des Bistum Hildesheim.

Zeilmann wirkte seit September 2017 in Wertheim. Am Sonntagabend wurde sie bei einem ökumenischen Gottesdienst im Garten des Kindergartens Wartberg von Gläubigen, Wegbegleitern und evangelischen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet. Geleitet wurde der Gottesdienst von Zeilmann und den evangelischen Pfarrerinnen Carolin Knapp und Verena Mätzke sowie dem evangelischen Pfarrer Fritz Kabbe. Der ökonomische Chor „Magnificat“ übernahm die musikalische Gestaltung.

Zeilmann begründete in ihrer Predigt ihren Weggang aus Wertheim und äußerte deutliche Kritik. „Am Anfang fühlte es sich so an, aus der Finsternis in ein wunderbares Licht gerufen zu sein“, erinnerte sie sich an die Anfänge am Wartberg.

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Ökumene als Motivation

Ihre Bewerbungsmotivation für Wertheim sei gewesen, mit evangelischen und katholischen Christen in einem gemeinsamen Haus an vielfältigen ökumenischen Projekten zu arbeiten. Doch Jahr um Jahr sei die evangelische Pfarrstelle unbesetzt geblieben. Der Ruf und die Sehnsucht nach einem evangelischen Pfarrer seien unüberhörbar gewesen. Die Zusammenarbeit zwischen den Hauptamtlichen sei immer eng und gut. „Eine Art ökumenisches Gemeindeteam jedoch gab es nicht, kein festes Gremium.“

Den Verein des Kirchenzentrums und dessen Vorstandschaft habe es zwar gegeben, doch auch da sei es den Protokollen und Schilderungen zufolge nicht so optimal gelaufen.

Sie verwies weiter auf das strukturelle Ungleichgewicht der beiden Konfessionen auf dem Wartberg. „Zwei nicht gleich große und gewichtige Steine.“ Für die evangelische Kirchengemeinde sei der Wartberg immer das Leuchtturmprojekt Ökumene, die größte Pfarrgemeinde gewesen. Sie habe im Kirchenzentrum Konfirmationen gefeiert, getauft und alle Kausalitäten gefeiert. „Für die römisch-katholische Kirchengemeinde ist der Wartberg ein selbstständiges Luxusprojekt und im Status einer nicht notwendigen Filiale zur einen Gemeinde St. Venantius.“ Man habe sich an einer Art Konkurrenz von oben und unten gerieben. Zwei Jahre nach ihrem Dienstbeginn sei offensichtlich gewesen, dass das Vereinskonstrukt das grundlegende finanzrechtliche und administrative Problem sei, in einer Diözese, die nur auf Kirchenrecht und Finanzrecht setze.

Das lebendige Haus Kirchenzentrum sei zweifelsfrei ein Leuchtturm für funktionierende ökumenische Bildung, Pastoral und Liturgie. „Es war aber nicht auf dem besten rechtlichen Fundament gebaut.“ Es sei viel unter den Teppich gelingender Zusammenarbeit und gelingender Seelsorge gekehrt worden. „Irgendwann war der Problemberg so groß, dass so viele darüber stolperten.“ Die Gebäude aus Stein seien renovierungsbedürftig gewesen. „Kindergarten und Kirchenzentrum wurden zum Stein des Anstoßes für zähe und nicht immer transparente Verhandlungen und Absprachen, die größtenteils in Freiburg und Karlsruhe abliefen.“

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Gebäudepflicht loswerden

Die Intention der Verrechnungsstelle und der Finanzabteilung des Ordinariats sei ganz klar gewesen, möglichst die Gebäudepflicht loszuwerden, sich eher um das geistige Haus kümmern. „Dennoch blieben hier echte Steine, die unterhalten, saniert und genutzt werden wollen für die Menschen.“

Hier habe einseitig immer mehr die evangelische Kirchengemeinde die Verantwortung für ein an sich sehr gutes Projekt übernommen. „Hinter dem Projekt stehe sie nach wie vor mit tieferster Überzeugung“, betonte Zeilmann. Doch gerade in der katholischen Gemeinde habe sie immer wieder gemerkt, dass lebendige Steine, begeisterte Menschen für das Projekt und deren Gestaltung fehlten. „Als mir dann eben aus Gründen, nur noch Mieter zu sein, untersagt wurde, mich weiterhin an der Gestaltung des liturgischen Raums und anderer Ideen zu beteiligen, erfolgte immer mehr der Rückzug“, nahm sie Bezug auf die fehlende finanzielle Beteiligung der katholischen Kirche beim Kirchenzentrum. Ohne Nutzungs- und Mietvertrag habe sie keine Grundlage und Legitimation für ihr Tun gehabt. „Ich war nicht der passende lebendige Stein. Für die einen hatte ich die falsche Konfession, für andere das falsche Geschlecht und somit die falsche Rolle.“

„Trauerspiel“ wiederholt sich

Beim Kindergarten habe sich das Trauerspiel, dass vieles ungeklärt war, wiederholt. Es sei richtig, dass die Kirche bei einem Engagement der Kommune für die neue soziale Mitte nicht mehr die erste Geige spiele, sondern mitspiele für die Menschen am Wartberg. Gesellschaft und Kirche sei im Umbau. Das zu sehen, mache sie zuversichtlich. „Und trotzdem habe ich entschieden, dass mir ein bisschen viele, unlebendige Steine auf die Füße gefallen sind und um die Ohren geworfen wurden.“ Dienstvorgaben, römisch-katholische Strukturen und die Entscheidung der evangelischen Gemeinde, den Kindergarten inhaltlich nur noch evangelisch, statt ökumenisch zu führen, nannte sie als Kritikpunkte. Sie wünschte der neuen sozialen Mitte, der verlässlichen evangelischen Kirchengemeinde und den Menschen am Wartberg viele gute Begegnungen und dass sie wieder gemeinsam im einstigen Kirchenzentrum feiern werden. Sie wolle nun in einer Region arbeiten und leben, in der sie gerne sei. „Ich muss mal für ein paar Jahre in die Nähe meiner persönlichen Seelsorgerin – und das ist die Nordsee.“ Ein bisschen gehe sie mit dem Gefühl des Scheiterns . Sie sei sich aber bewusst, dass es nicht nur an ihr lag, sondern alles komplexer zusammenhänge, als man es durchschaue.

Freier Autor

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