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„Kunstsommer“ - 29 Kunstschaffende präsentiere ihre Werke unter der Überschrift „Was bewegt uns?“

Thema ist hochaktuell und doch zeitlos

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Einige der Künstlerinnen und Künstler der Gemeinschaftsausstellung waren bei der Vernissage zum Kunstsommer auf der Wertheimer Burg dabei. © Nadine Schmid

Wertheim. Als Galerist Axel Schöber im Herbst 2021 den diesjährigen „Kunstsommer“ im Neuen Archiv auf der Wertheimer Burg mit dem Titel „Was bewegt uns?“ versah, wusste er nicht, wie aktuell das Thema werden wird. Und so geht es in vielen Werken der 29 ausstellenden Künstlerinnen und Künstler um den Ukraine-Krieg. Aber auch viele zeitlose Fragestellungen wie etwa zum Machtkampf zwischen Mann und Frau oder ganz wörtlich genommen Bewegungsstudien kann der Besucher bis zum 17. Juli entdecken. Dabei sind nicht nur die Stile der Künstler ganz unterschiedlich, sondern auch die Kunstformen und Materialien, mit denen gearbeitet wurde.

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Seit 2018 gestaltet der Dortmunder Schöber, der seine erste Galerie 2017 in Wertheim eröffnete, den „Kunstsommer“. Da dieser im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, ist es nun die vierte Veranstaltung dieser Art. Beworben hatten sich 40 Kunstschaffende. Die Jury – neben Schöber Bernd Maack für den Verein Stadtmarketing, die ehemalige Leiterin des Glasmuseums, Marianne Tazlari, sowie Innenstadt- und Burgmanager Christian Schlager – entschied sich für 29 Künstler. Für mehr sei kein Platz gewesen, bedauert Schöber.

Etwa zwei Drittel kommen aus der Region, die Künstlerin Ursula Donath aus Wertheim. Den weitesten Anfahrtsweg hatte wohl der Berliner Edelstahlbildhauer Jan Köthe, der die Skulptur „Arla“ ausstellt, die seit diesem Jahr die Trophäe des Deutschen Landschaftsarchitekturpreises darstellt.

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Das am weitesten „angereiste“ Bild kommt aus Kiew und bildet eine Einheit mit dem ihm gegenüber platzierten Werk „Mama, ruf an“ der Karbacher Künstlerin Julija Burdack, die ursprünglich aus der Ukraine stammt. Man sieht eine Frau, die in ihrem Badezimmer verzweifelt auf ihr Handy starrt. Der Hintergrund: Seit Kriegsbeginn wartet sie oft auf den Anruf ihrer Mutter aus der Heimat, nach der Zerstörung des Telefonnetzes reißt der Kontakt für sieben Tage ab. Dies erfährt man aus dem ergänzenden Text, den jeder Ausstellende zu seinem Werk verfassen musste.

Denn viele Kunstwerke könne man nur im Kontext begreifen, so Schöber. Aus den Texten hat er eine Dokumentation erstellt. Das sieht er auch als Weiterführung der Aufgabe dieses Ortes, der einst das Archiv beherbergt hat.

Als eine „von allen Seiten begrüßte Privat-Initiative“ bezeichnet der Galerist die insgesamt dreimonatige Ausstellung. Er bezahle, aber die Stadt helfe bei der Logistik. Besonders dankbar sei er den Rotariern Wertheim, die mit der Stiftung von LED-Lampen eine bessere Beleuchtung möglich machen.

„Hier sind historische Räume und moderne Kunst aufs Beste verbunden“, freute sich Gemeinderat Johann Vogeltanz, der in Vertretung des Oberbürgermeisters bei der Vernissage am Sonntagvormittag die bislang größte Gruppenausstellung eröffnete. Dies zeige, welches Renommee die Veranstaltung inzwischen habe und welches künstlerische Potenzial – oft unerkannt – in der Region liege. „Ich bin kein Fachmann. Ich frage mich, was mir gefällt und zum Thema passt“, schilderte Bernd Maack seine Herangehensweise. Dass er dabei mit seinen Mit-Juroren ein gutes Händchen hatte, davon zeugt die Vielfalt in den vier Räumen.

Schöber forderte alle dazu auf, die Werke selbst sprechen und wirken zu lassen. Es sei wichtig, so der studierte Diplom-Pädagoge, sich in einer Zeit, in der Be- und Verurteilung immer schneller vorgenommen würden, darauf einzulassen.

Es gibt sehr gegenständliche Darstellungen, wie etwa von Nanette Scriba die zweier spielender Mädchen, die auch das Plakat ziert, oder die aus der Werkstatt des Hafenlohrers Hagga Bühler stammende Holzskulptur des Eisbären mit Revuegirl der Berliner 1920er Jahre. Und sehr abstrakte, wie die Arbeit der Würzburger Nabihha Dahan und Thom Kolodziej, die mit farbigen Quadraten die Themen Freiheit und Gleichberechtigung thematisieren. Um Darstellung männlicher Machtfantasien geht es auch Ursula Donath. Auf Rot zeigt es ein mit sozialen Statussymbolen der Männlichkeit ausgestattetes Strichmännchen – mehr Schein als Sein.

Viele Bilder regen zum Nachdenken an, andere dazu, die Schönheit und Komplexität dieser Welt zu erfassen. Auf jeden Fall lohnt sich für jeden Kunstinteressierten der Aufstieg zur Burg.

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