Gerichtsverhandlung

THC-Wert in Kräutern war in einem Wertheimer Laden zu hoch

Inhaber des Geschäfts muss wegen des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln 1200 Euro Strafe zahlen

Von 
Alfons Göpfert
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Wertheim. Vergeblich machte der frühere Inhaber eines Geschäftes in der Wertheimer Innenstadt beim Amtsgericht der Main-Tauber-Stadt geltend, er habe nicht gewusst, dass einige seiner angebotenen Kräuter und Tees über 0,2 Prozent und damit mehr als erlaubt Tetrahydrocannabinol (THC, Rauschwirkstoff von Cannabis) enthalten. Die Staatsanwaltschaft hielt ihm vor, er hätte es wissen können.

Nach der Beweisaufnahme sah die Richterin das ebenso und verurteilte den 48-jährigen Familienvater aus Bad Mergentheim wegen fahrlässigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 mal 20 Euro (insgesamt 1200 Euro).

Wohnungen durchsucht

Im August 2021 hatte sich bei der Polizei der Verdacht des Umgangs mit Drogen gegen einen Bewohner der Wertheimer Innenstadt so stark konkretisiert, dass sie einen richterlichen Wohnungsdurchsuchungsbeschluss bekam.

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Dabei räumte der Verdächtige gegenüber den Polizeibeamten ein, dass das bei ihm gefundene und beschlagnahmte Material ein paar Häuser weiter in einem Geschäft „unter der Ladentheke“ verkauft werde.

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft bekam die Polizei zwei weitere Durchsuchungsbeschlüsse. Kollegen betraten die Wohnung in Bad Mergentheim, die Wertheimer Beamten das Geschäft in der Main-Tauber-Stadt.

Der Inhaber befand sich auf Urlaub, anwesend war ein „Praktikant“. Es wurden von der Polizei bei der Durchsuchung Gläschen mit Blütenmaterial, Hanftee sowie gepresstes Marihuana beschlagnahmt, der „Praktikant“ mit Hilfe eines Dolmetschers für Afghanisch befragt.

Die Untersuchung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg ergab dann später bei fast allen genommenen Proben eine Überschreitung des erlaubten Grenzwerts für THC.

Im weiteren Verlauf erfuhr die Wertheimer Polizei, dass die Kriminalpolizei Nürnberg gegen den dortigen Inhaber eines Geschäfts der gleichen Ladenkette (Franchising) ermittelt und im Mai 2021 ein Nürnberger Kripobeamter in einem Telefongespräch dem Wertheimer Angeklagten mitgeteilt hatte, der THC-Gehalt von aus der Main-Tauber-Stadt bezogenem Material liege über dem Grenzwert.

Der Beschuldigte sitzt nach eigenen Angaben auf 70 000 Euro Schulden aus dem früheren Betrieb eines „türkischen Gemüseladens“ in Heidelberg. Die Sachen des Wertheimer Geschäfts waren als THC-arm angepriesen. Inzwischen arbeitet der Angeklagte bei einem kirchlichen „mobilen Dienst“.

In der Verhandlung erklärte er, auch ihn habe die Überschreitung des Grenzwerts überrascht. Er habe sich auf die Zertifikate der österreichischen Firma verlassen, die ihm die Waren übers Internet lieferte. Weiter berief er sich auf die Gewerbezulassung durch die Stadtverwaltung Wertheim (unter Einhaltung des Grenzwerts).

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Strafe von 90 mal 20 Euro. Die in den Zertifikaten genannten Waren stimmen nicht mit den beschlagnahmten überein. zudem sei der genaue THC-Wert nicht genannt. Dazu komme der Hinweis aus Nürnberg.

Der Verteidiger sprach von der Gutgläubigkeit seines Mandanten und bezeichnete das Telefonat als Austausch unterschiedlicher Ansichten. Das Gericht mahnte, nicht alles, was im Internet vertrieben wird, ist legal.

Gegen den „Praktikanten“ läuft ein eigenes Verfahren. Er hatte Arbeitslosengeld bezogen und den Arbeitslohn in dem Geschäft (zehn bis 15 Euro die Stunde) nicht gemeldet. Ob auch dazu ein Verfahren gegen den Verurteilten anhängig ist, wurde in der Gerichtsverhandlung nicht gesagt.