Inhaberwechsel - Stefan Kempf übernimmt ab 1. März Wertheimer Stuben / Otto Hoh hat Pachtvertrag mit Eigentümergesellschaft nicht verlängert Stefan Kempf übernimmt die Wertheimer Stuben

Die Wertheimer Stuben haben ab 1. März einen neuen Inhaber. Otto Hoh und Gaby Kraft legen die Zukunft des traditionsreichen Hotels in Stefan Kempfs Hände.

Von 
Heike Barowski
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Ein Stich des Badischen Hofs von 1900 hängt im Eingangsbereich des Hotels. Es versinnbildlicht die traditionsreiche Geschichte des Hauses. © Heike Barowski

Wertheim. „Wir haben geöffnet“, steht auf einem Schild in der Eingangstür. Gaby Kraft muss jedoch erst die Tür entsichern, bis man eintreten kann. Hier, wo sonst reges Treiben herrscht, ist es an diesem Vormittag extrem still. Niemand sitzt im schicken Frühstücksraum und genießt sein frisches Croissant. Niemand gibt seinen Zimmerschlüssel ab, weil er zu einer Radtour aufbricht. Und selbst das Telefon am Empfang bleibt stumm.

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„Durch den Lockdown ist es wirklich sehr ruhig geworden“, erzählt die Geschäftsführerin. Ihr Lebensgefährte Otto Hoh, Inhaber der Bestenheider Stuben und der Wertheimer Stuben, nickt zur Bestätigung. Ein ganz klein wenig ist den beiden die Traurigkeit anzumerken. „Wir haben das Haus wirklich mit Herz geführt“, meint Gaby Kraft.

Keine Zimmernummern

So haben beispielsweise die Angestellten bei Absprachen untereinander nie die Zimmernummern genannt, sondern jedes Zimmer erhielt je nach Gast einen besonderen Namen. „Wir hatten viele Stammgäste, die mit der Zeit regelrecht zu Freunden wurden“, erinnert sich Kraft. Ob Geschäftsreisender oder Tourist – das Spektrum der Gäste war immer sehr breit, genauso wie die Nationalitäten.

Die „Wertheimer Stuben“ oder früher der „Badische Hof“ war in der Stadt viele Jahre die erste Adresse, bemerkt Otto Hoh.

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Als Hoh und Kraft im Januar 2011 das Haus übernahmen, hatte das Haus eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich, war zum Schluss Pizzeria oder stand leer. „Wir haben das Potenzial des Hotels in Wertheim gesehen, schon allein durch die vielen Touristen und die angesiedelte Industrie“, sagt Hoh.

Mit enorm viel Engagement machten sich die beiden an eine Grundsanierung. Doch die Arbeiten wurden Ende Januar 2011 durch das Hochwasser erst einmal gestoppt. Man habe laut Kraft „Unsummen“ investiert. Hochwasserschutz, Denkmalschutz, Brandschutz – alles musste berücksichtigt werden und sorgte neben besonderen Auflagen für zusätzliche Kosten. Im Mai 2012 erfolgte dann die Eröffnung der „Wertheimer Stuben“.

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Noch gut erinnert sich Otto Hoh an den ersten Gast: ein Japaner. Der bekam eines der besten Zimmer in der vierten Etage. Doch weil der Fahrstuhl noch nicht eingebaut war, schleppte Otto Hoh persönlich die schweren Koffer die vier Stockwerke hinauf. Noch heute müssen er und seine Lebensgefährtin schmunzeln, wenn sie daran denken.

Auch ohne Corona

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Im vergangenen Sommer dann fiel die Entscheidung, den im Februar 2021 auslaufenden Pachtvertrag mit der Eigentümergesellschaft nicht zu verlängern. „Das wäre wahrscheinlich auch ohne Corona passiert, weil wir inzwischen in ein Alter kommen, in dem man Prioritäten setzen muss“, sagt Otto Hoh, um Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Natürlich werde man mit Wehmut am 28. Februar gehen.

„Wäre der Wechsel im vollen Betrieb passiert, hätte es uns zerrissen. Aber durch Corona fehlen die Gäste, fehlt die Normalität und damit fehlt auch die Lebensfreude“, meint die Geschäftsführerin.

Ihr Blick wandert zu Stefan Kempf. Der Wertheimer Gastronom übernimmt das Hotel ab 1. März als Pächter. Ihm war im vergangenen Sommer zugetragen worden, dass Hoh den Pachtvertrag nicht verlängern wollte. Schnell fanden sich beide Parteien zu Gesprächen zusammen.

„Ich betreibe seit 2017 den Baunachshof mit neun Zimmern und drei Ferienwohnungen. Damit ist für mich der Übernachtungssektor nicht ganz neu“, sagt Kempf. Außerdem wollte er sich diese Chance, das erste Haus am Platz zu betreiben, nicht nehmen lassen. „Ich beschäftige insgesamt 58 Mitarbeiter, da kommt es auf weitere zwölf nicht an“, schmunzelt er. Als positiven Effekt sieht Kempf außerdem, dass seine Beherbergungsbetriebe durchaus voneinander profitieren können.

Kempf hofft, so viele Hotelkräfte wie möglich übernehmen zu können, weil er auf deren Kenntnisse und Erfahrungen setzen will. Ein Geschäftsführer oder Betriebsleiter soll die Geschicke des Hotels dann lenken. Auch an der Einrichtung will Kempf nichts ändern. Nur ein paar Stühle im Speiseraum sollen ausgetauscht werden. „Für mich passt dieses Konzept“, so Kempf. Auch das öffentliche Frühstück will er beibehalten. Die bisher ausgegebenen Gutscheine behalten ebenfalls ihre Gültigkeit, versichert der Geschäftsmann.

„Es wird also ein freundschaftlicher und gleitender Übergang“, sind sich Otto Hoh, Gaby Kraft und Stefan Kempf einig.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim