Pfingsten - Bis zu 200 Teilnehmer am evangelischen Gottesdienst im Wertheimer Autokino / Auch katholische Christen machten mit / Gemeinschaftsgefühl deutlich spürbar Statt herkömmlichen Applaus gab es lautes Hupen

Von 
Birger-Daniel Grein
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Einen besonderen Pfingstgottesdienst im Autokino leiteten die Pfarrerinnen Caroline Knapp, Verena Mätzke und Schuldekanin Cornelia Wetterich. © Birger-Daniel Grein

Einen besonderen Pfingstgottesdienst zum Mitmachen feierte die evangelische Kirchengemeinde Wertheim am Sonntag im Autokino.

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Wertheim. Vieles war beim diesjährigen Pfingstgottesdienst besonders. Der eigene Autositz ersetzte die Kirchenbank, das Autoradio die Lautsprecher, und der Gottesdienst wurde von der kleinen Bühne auf die große Leinwand übertragen.

So deutlich spürbar wie immer war jedoch die pfingstliche Stimmung bei allen Anwesenden. Schon vor Beginn des Gottesdienst war die Vorfreude bei allen groß. Zelebriert wurde er von Schuldekanin Cornelia Wetterich und den Pfarrerinnen Caroline Knapp und Verena Mätzke. Die musikalische Begleitung übernahm Bezirkskantorin Katharina Wulzinger.

Die drei Pfarrerinnen waren sich schon vor dem Gottesdienst einig, dass eine tolle Pfingststimmung auf dem Gelände herrsche. Die Vorfreude sei bei ihnen und allen Besuchern groß. Viele verschiedene Leute sind gekommen. Zu den Teilnehmern zählten auch katholische Christen.

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„Der Heilige Geist ist ökumenisch und verbindet uns“, sagte Wetterich im FN-Gespräch. Beeindruckt waren alle drei von der riesigen Leinwand. „Ich war überrascht, wie groß die ist“, so Verena Mätzke. Alle Beteiligten lobten die Gastfreundschaft und die Unterstützung durch die Partner des Autokinos. „Sie bieten uns eine tolle Gelegenheit“, betonte Cornelia Wetterich.

Um Aufbau und Bedienung der Kameratechnik, welche den Gottesdienst live auf die Leinwand übertrug, sorgte Carsten Wenzler zusammen mit seinen Kindern Yana und Arne.

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Auch die Besucher waren voller Vorfreude auf den besonderen Gottesdienst. „Es ist eine ganz tolle Idee und Alternative und etwas anderes als in der Kirche“, sagte ein ökumenisches Ehepaar aus Waldenhausen. Es sei besser als einen TV-Gottesdienst anzuschauen, denn an Pfingsten wolle man live in der Gemeinschaft mitfeiern.

Idee kommt gut an

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Auch bei den jüngeren Besuchern kam die Idee gut an. Das einzige, was den Grundschüler Zeno etwas störte, war das große Auto vor dem Auto seiner Familie. Seine Mutter lobte die Rahmenbedingungen, zudem scheine die Sonne, und es herrsche Feiertagsstimmung. Zenos Großvater stellte fest: „Kirche wird modern.“

Weiteren Lob gab es dafür, dass man beim Gottesdienst im Autokino im eigenen Fahrzeug mitsingen konnte, was aktuell in der Kirche aus Gründen des Infektionsschutz nicht möglich ist. Über 50 Autos standen auf dem Gelände des Kinos, manche waren nur mit einer Person besetzt, in anderen saßen ganze Familien. Die Kirchenältesten schätzten insgesamt 150 bis 200 Gottesdienstteilnehmer.

Die diesjährigen Konfirmanden verteilten an die Autofahrer rote Stoffbänder als Pfingstzeichen, diese befestigten die Fahrer an den Autotürgriffen. Einige Besucher hielten vor Gottesdienstbeginn die besondere Stimmung mit dem Smartphone fest.

Der Gottesdienst im Autokino sei eine Premiere, stellten die Pfarrerinnen zu dessen Start fest. „Auch Pfingsten war eine Premiere, die des heiligen Geist.“ Seither habe dieser die Menschen nicht mehr verlassen. Für die Gottesdienstbesucher heiße es, nicht zurücklehnen wie sonst im Kino sondern gemeinsam den Heiligen Geist suchen mit gemeinsamem Singen und Beten.

Atmosphäre nachgestellt

So schallte dann auch aus allen Autofenstern der Gesang. Als Einstieg in eine ganz eigene Pfingstgeschichte spielte Pfarrerin Knapp Wildwest-Musik ab und nahm die Gäste mit in den wilden Westen um 12 Uhr mittags. „Ach nein, das ist ja der falsche Film“, meinte sie und wechselte ins Haus der Jünger Jesu zu jener Zeit als der Heilige Geist auf diese hinunter kam.

Gemeinsam mit den Autofahrern stellte sie die Atmosphäre nach. Große Textschilder erklärten dabei, was zu tun war. Die Autofahrer sollten die Motoren anmachen, für das Rauschen, das die Jünger hörten, Türen wurden geschlagen und lautes Hupen stellte das Brausen aus dem Himmel dar.

Verena Mätzke ließ die Besucher anschließend spüren, wie es ist, vom Heiligen Geist erfüllt zu werden. Dazu sollten sie alle Autofenster öffnen, tief einatmen und den Atem bewusst spüren.

Die Luft ströme ohne Anstrengung ein und aus. „Wir werden geatmet von der Luft, die uns jetzt leben lässt. Wir alle leben von derselben Luft.“

Im Alten Testament stehe „Atem“ für Gottes Geist, der weder Raum noch Zeit kenne. „Er ist jetzt da und strömt in unsere Herzen.“ Alle würden so unterschiedlich bleiben, wie sie sind. „Wir werden aber alle durch denselben Geist Gottes belebt.“ Mut, Hoffnung, Verbindung, Trost und Zuversicht ströme in jeden Menschen.

„Total begeistert“

Cornelia Wetterich ging auf die Berufung jedes einzelnen ein, die Liebe Gottes zu verkünden, jeder in seiner Sprache. Beim abschließenden Segen hielten alle Besucher ihre Hand aus dem Autofenster, um diesen zu empfangen. Für den rundum gelungen Gottesdienst gab es lautes Hupen als Applaus.

Lobende Worte kamen nach dem Gottesdienst von Innenstadtmanager Christian Schlager. „Es hat alles funktioniert, wir hatten Top-Wetter.“ Dies erhoffte sich auch für die anderen Liveveranstaltungen im Wertheimer Autokino. Verena Mätzkes Resümee des Vormittags fiel rund um positiv aus. „Ich bin total begeistert, es war eine schöne Stimmung.“ Das Gemeinschaftsgefühl aller sei deutlich spürbar gewesen. „Damit wurde unser größter Wunsch erfüllt.“

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