Fitness in Zeit der Pandemie - Vielen Sportlern fehlt beim Training das Gruppenerlebnis / TV Wertheim geht mit seinen Angeboten via Videokonferenz ungewöhnliche Wege „Schweinehund“ am Bildschirm schlagen

Von 
Birger-Daniel Grein
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Die Trainerin des TV Wertheim, Henrieta Wältz, bietet seit Donnerstag Trainingseinheiten per Videokonferenz an. © Birger-Daniel Grein

Individueller Sport im Freien ist in Deutschland zwar erlaubt, vielen Sportlern fehlt aber ihr Sport in der Gruppe. Der TV Wertheim setzt hier nun auf Training via Videokonferenz.

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Wartberg. In den Trainingsräumen des „Top-Vital“ des TV Wertheim trainieren normalerweise Sportfreunde in diversen Kursen gemeinsam Kraft und Fitness. Am Donnerstagabend ist Henrieta Wältz, Fachsportlehrerin Fitness und Gesundheit, die einzige im Raum. Vor ihr steht ein großer Monitor mit Webcam. Die Sportler sind zu Hause und machen in ihren Wohnzimmern live bei den Übungen mit. Mit einer Kurseinheit zum Thema „Kraftzirkel“ fand das erste Training via Videokonferenz statt. Seit dem 16. März müssen die Kursangebote in Sporthallen und dem vereinseigenen Zentrum „Top-Vital“ ruhen. „Lediglich die Physiotherapie und das Rehanachsorgeprogramm T-Rena an Geräten dürfen bei medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden“, erklärt TV-Vorsitzender Axel Wältz im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Dennoch wollte der Verein den Mitgliedern, die ihren Sport vermissen, Angebote machen. „Außerdem ist Bewegung gerade aktuell wichtig für unser Immunsystem und unsere Psyche.“ Auch wenn Präsenzkurse natürlich besser seien, „die Onlineangebote sind aktuell die einzige Alternative, um unseren Mitgliedern etwas zu bieten“.

Ende März hatten die Trainerinnen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler des Vereins Videoanleitungen für Übungen über WhatsApp an die Mitglieder verschickt. „Sie konnten sich so auch etwas mit den Sportlern austauschen.“

Das Angebot richtete sich nur an die erwachsenen Mitglieder. Ab dem 5. April hatte man Kindern und Familien die „Kitu-App: Gemeinsam spielen und bewegen“ der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg empfohlen. Diese kann von jedem kostenlos heruntergeladen werden und bietet verschiedene Übungen für die ganze Familie. Für die Nutzung ist keine Mitgliedschaft in einem Sportverein erforderlich. „Zudem ist sie kindgerecht gemacht.“ In der letzten Woche entstand dann die Idee, den Kursteilnehmern des „Top-Vital“ ein Livetraining per Videokonferenz anzubieten. Vorgeschlagen wurde dies von Kai Kellner, einem der Sportler in den Kursen.

Unterstützung bei der Technik

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Henrieta Wältz und die anderen Sportler fanden die Idee gut. Kellner, der IT-Techniker bei den Stadtwerken ist, unterstützte den TV bei der technischen Einrichtung für die Konferenzen. „An den Präsenzkursen nehmen durchschnittlich zwischen sieben und 20 Personen teil“, so die Trainerin. Beim ersten Onlinelivekurs waren es acht Sportler. Henrieta Wältz erklärt, man wolle auf diesem Weg jede Woche verschiedene Kurse anbieten und einen entsprechenden Kursplan immer wieder aktualisieren. So sollen in den sportlichen Videokonferenzen Einheiten aus den Kursen Zirkeltraining, Bauch-Beine-Po, Bauchexpress, Tabata (ein hoch-intensives Intervalltraining), Aerobic und Kraftzirkel angeboten werden.

Für die Übertragung kommt das System des Unternehmens „Zoom-Meeting“ zum Einsatz. Bis zum Start galt es noch einige Herausforderungen zu meistern. So hatte man zuerst Schwierigkeiten mit der Lieferung der Webcam, dann mussten Musik, Sprache und Bild synchron laufen. „Unterstützt von Kai Kellner klappte das“, war die Trainerin dankbar.

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Die direkte virtuelle Verbindung von Trainerin und Sportlern ermöglicht eine bessere soziale Interaktion, so war auch Zeit für einige spaßige Unterhaltungen vor dem Training. Die Mitglieder freuten sich auf die erste direkte Kursstunde. „Durch die Videokonferenz hat man mehr Ansporn, als wenn man nur Videos ansieht“, meinte ein Sportler. Henrieta Wältz ergänzt, man sehe auf dem großen Bildschirm gut, wie die Sportler die Übungen ausführen. „Man kann aber nicht so leicht Fehlbewegungen korrigieren, sondern die Fehler nur erklären.“

Manko: fehlendes Miteinander

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Auch das soziale Miteinander fehle. Axel Wältz berichtet, man habe wegen der Schließung des „Top-Vital“ die dafür nötigen Zusatzbeiträge ausgesetzt. Die Mitglieder zahlen aktuell nur ihren normalen Jahresbeitrag für den Verein. Eigentlich sind die Kurse Teil des „Top-Vital“-Angebots. „Die Mitglieder, die dort angemeldet sind, können die Kurse per Konferenz nutzen, auch wenn wir aktuell keinen Beitrag für das Zentrum erheben.“ Für den Vorsitzenden ist es vorstellbar, das Angebot der virtuellen Kurse per Konferenz auch auf andere Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche auszudehnen. „Jetzt gilt es, Erfahrungen zu sammeln.“

„Müssen auf Sicht fahren“

Zur App der Kinderturnstiftung habe der Verein noch keine Rückmeldung von Familien bekommen. „Viele Familien fragen, wann wir den Regelbetrieb wieder starten können.“ Dies könne man leider nicht beantworten. „Wir müssen auf Sicht fahren.“ Er hoffte jedoch, dass man TopVital und Turnhallen bald wieder öffnen könnte. Der Vorteil des TopVital sei der schon immer dort vorhandene Hygienestandard wegen des medizinischen Trainings.

Außerdem stehen die Geräte weit auseinander und die Umkleiden sind großräumig. „Im Top-Vital ist es für uns relativ einfach, hohe Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.“ Man setze schon immer auf aufwendige Flächendesinfektion. „Das ist teuer, aber auch wegen der Rehasportangebote sehr wichtig.“ Zudem würden sich die Leute, die zum Gerätetraining kommen, über den Tag verteilen, so dass es immer genügend Abstand gebe. All dies macht ihm Hoffnung für einen zukünftigen Betrieb auch in der Krise.

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