Bildung - Schützlinge des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums befassten sich mit geheimnisvoller Malerei und vertieften sich in Arbeitsweisen von Mönchen und Nonnen Schüler fertigten mittelalterliche Buchbilder an

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dbg
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Wertheim. Sechstklässler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums beschäftigten sich jüngst intensiv mit mittelalterlicher Buchmalerei.

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Nicht nur für Bibliothekare und Mittelalter-Historiker ist das Buch eine absolute Kultlektüre, auch diejenigen, die die Verfilmung des Buches sehen, werden oft in den Bann des geschilderten Universums gezogen: „Der Name der Rose“ des italienischen Wissenschaftlers und Schriftstellers Umberto Eco. Bühne für die spannende Geschichte ist ein geheimnisvolles mittelalterliches Kloster im Apennin, wo eine wichtige theologische Disputation stattfinden soll. Darüber hinaus muss der Mönch William von Baskerville, der von seinem Novizen, Adson von Melk, begleitet wird, eine grausige Mordserie aufklären. Ist der Antichrist am Werk? Kommt bald das Jüngste Gericht?

Eines der Werke, das die Sechstklässler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums angefertigt haben. © DBG

Schon zu Beginn der Erzählung wird der Blick schnell auf die herausragende und gewaltige Klosterbibliothek gelenkt, die den Schlüssel zur Lösung des Rätsels birgt. Ihr wertvolles Inventar beeindruckt William stark. Doch sie ist für Besucher verschlossen. Somit verschaffen sich William und Adson heimlich Zutritt zu dem riesigen Labyrinth-Gebäude, das einen großen Teil des damaligen Wissens in Form von bemalten Kodizes birgt, und kommen dort einem dunklen Geheimnis auf die Spur.

Die Faszination dieser mittelalterlichen Bücherwelt war einer der Auslöser, dass sich drei Klassen der Jahrgangsstufe 6 des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums im Kunstunterricht mit ihrem Lehrer Andreas Jost intensiv mit mittelalterlichen Buchmalereien beschäftigten.

Intensive Kirchlichkeit

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Im Mittelalter schmückte man die kostbaren Bücher, die meist aus teurem Pergament bestanden, mit kunstvollen Zeichnungen. Die Bücher wurden im Kloster per Hand abgeschrieben, da es noch keinen Buchdruck gab. Die Bilder waren flächig und ohne räumliche Tiefe. In einer Zeit intensiver Kirchlichkeit wurden bevorzugt religiöse Themen abgebildet: biblische Geschichten, Heiligenlegenden und oft Jesus Christus auf einem Thron, umgeben vom überirdischen Glanz der Maiestas Domini.

Die Schüler befassten sich im Unterricht mit der Welt des Mittelalters und vertieften sich in die Arbeitsweise der Mönche und Nonnen. Sie erstellten zuerst Vorzeichnungen, die sie dann mit Pigmenten kolorierten und wasservermalten. So entstanden prachtvolle, möglichst detailgetreue Kopien der mittelalterlichen Kostbarkeiten, die in einer Ausstellung im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium vorgestellt wurden.

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Die ausgestellten Bilder führen in eine Zeit alter Kunst und tradierten Wissens zurück. Das zurückliegende Jahr war eigentlich ein Jahr für alte Meister. Ihre Gemälde zeigen eine Wahrheit, vor der moderne Menschen allzu gerne unsere Augen verschließen.

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Das ist durchaus ein Grund, sich mit den großen Vorbildern zu befassen: Mitten im prallen Leben ist man von Vergänglichkeit umfangen. Erst vor dieser dunklen Folie weiß man die bunten, leuchtenden Farben des Lebens zu schätzen.

Dass die alten Bilder heute oft rätselhaft erscheinen, muss kein Grund des gelehrten Bedauerns sein, sondern eine Möglichkeit, sich selber zu befragen und zu erspüren. Die alten Bilder werfen Fragen auf, ohne sie restlos zu beantworten.

Beim Betrachten der Buchillustrationen meint man, schon etwas von der anderen Welt spüren zu können. Ihr Ziel scheint es zu sein, den Betrachter sanft vom Sichtbaren zum Unsichtbaren zu führen, denn, wie Paulus im 2. Korintherbrief schreibt: „Das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“ (2. Kor 4, 18). dbg