Folgen der Corona-Pandemie - Reitunterricht fällt aus, während die Kosten für die Versorgung der Schulpferde bleiben Reitverein startet Spendenaufruf

Von 
Birger-Daniel Grein
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Die Schulpferde Anton und Milo des Reitvereins Wertheim haben wie ihre Kollegen aktuell keine Arbeit, denn der Reitunterricht fällt wegen Corona aus. © Birger-Daniel Grein

Reitunterricht fällt aus, doch die Kosten für die Schulpferde bleiben. Das stellt den Wertheimer Reit- und Fahrverein vor finanzielle Herausforderungen. Nun hat er einen Spendenaufruf gestartet.

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Wertheim. Meady, Anton, Sisa, Milo und Alice können durch die Coronabeschränkungen aktuell nicht für ihre Schüler da sein. Die fünf Schulpferde des Reit- und Fahrvereins Wertheim-Maintaubereck sind seit Mitte November arbeitslos. Von der angestellten Kraft des Vereins und Ehrenamtlichen werden sie aber weiterhin liebevoll gepflegt und artgerecht bewegt. Im Vergleich zu menschlichen Arbeitskräften können die Schulpferde allerdings nicht auf Kurzarbeitergeld hoffen.

Einnahmen fallen weg

Durch den aktuell untersagten Reitunterricht fehlen Einnahmen, die Kosten für die fünf Schulpferde laufen aber unvermindert weiter. Dies stellt für den Verein eine enorme finanzielle Belastung dar. Um diese stemmen zu können, hat er einen öffentlichen Spendenaufruf gestartet. „Pro Monat und Schulpferd fallen durchschnittlich 200 Euro Kosten an“, erklärte der Vorsitzende des Reitvereins, Boris Kellner, im Gespräch mit der Redaktion.

Dazu gehören Ausgaben für Futter, Einstreu, Personalkosten für die Grundversorgung der Tiere sowie Kosten für Tierarzt und Hufschmied. Normalerweise finanziert der Verein die Kosten über die Einnahmen durch Reitstunden: „Der Löwenanteil der Teilnahmegebühr dient zu Kostendeckung von Reitlehrerhonorar und Schulpferden.“ Von März bis September 2020 sei wegen der Beschränkungen fast nichts möglich gewesen. Wie auch jetzt sei die Versorgung und Bewegung der Pferde damals durch Ehrenamtliche und eine angestellte Kraft erfolgt.

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„Von Oktober bis Mitte November konnten wir dann unter Auflagen etwas Reitunterricht anbieten“, berichtet Kellner. Schon seit Mitte November sei dieser wieder eingestellt. Außerdem fehlen dem Verein durch die zahlreichen abgesagten Termine im vergangenen Jahr wichtige Einnahmen. So sind Märkte, Veranstaltungen im Sommer, das Nikolausreiten und einiges mehr ausgefallen. „Selbst wenn Veranstaltungen theoretisch möglich gewesen wären, konnten wir sie wegen der strengen Infektionsschutzauflagen nicht umsetzen“, so Kellner.

Hinzu kam, dass wegen der Kontaktbeschränkungen keine großen Arbeitseinsätze, keine Turnierteilnahmen und keine Ausbildung der Jungreiter möglich waren. „Wir werden durch die Pandemie finanziell und vom grundsätzlichen Engagement her um mindestens drei Jahre zurückgeworfen“, fasste der Vorsitzende zusammen.

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Der Verein müsse ein riesiges Gelände mit vielen Anlagen pflegen. „Vieles, was 2020 anfiel, blieb liegen. Wir haben bei einem Einsatz im Sommer nur einige akute Arbeiten erledigen können.“ Um die Finanzen zu schonen, habe der Verein die Kostenstruktur so weit wie möglich optimiert. So wurde auf günstigen Einkauf von Heu und Stroh geachtet – „ein Pferd frisst aber, ob es geritten wird oder nicht.“ Auch Kurzarbeit für die angestellten Stallburschen sei nicht möglich. „Unsere eigenen Pferde und die Pensionspferde müssen stets versorgt werden.“

In Vorjahren Rücklagen aufgebaut

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Großes Glück für den Verein sei, dass man beim Reitunterricht auf Honorarkräfte setze. So gebe es aktuell keine personelle Verantwortung für festangestellte Reitlehrer. Sichere Einnahmequelle sind die Mitgliedsbeiträge des Vereins, außerdem hatte man die Coronahilfe genutzt, die durch den Reiterring abgewickelt wurde. „Diese Vereinsförderung umfasst jedoch nur den ideellen Bereich.“ Die Grundversorgung der Schulpferde sei dem wirtschaftlichen Bereich zugeordnet. Für diesen habe man die Hilfe nicht verwenden dürfen. Glücklicherweise habe der Reitverein 2019 Rücklagen aufgebaut. „Wegen dieser Rücklagen bekommen wir aber auch keine Wirtschaftshilfen“, bedauert Kellner.

Ein kleines Zubrot generiere der Verein über den Pensionsbetrieb für Pferde. „Die Überschüsse daraus sind eigentlich als Rücklage für Reparaturen an Gebäuden und Ställen vorgesehen.“ Dankbar ist der Vorsitzende für die Unterstützung der Reitschüler: „Einige von ihnen zahlen freiwillig ihren Unterrichtsbeitrag weiter, auch wenn sie dafür keine Gegenleistung bekommen.“ Außerdem nutzte man verschiedene Spendenportale im Internet. Der Verein sorgt dafür, dass es den Schulpferden gut geht, „das ist aber alles nur Notversorgung auf Sparflamme.“ Das monatliche Defizit liege bei rund 1000 Euro.

Diese könnten aktuell noch über Rücklagen gedeckt werden. „Wir benötigen aber auch Rückstellungen, wenn unerwartet Reparaturen fällig werden“, verdeutlicht Kellner das Problem. So hat der Verein beschlossen, einen öffentlichen Spendenaufruf zum Wohle der Tiere zu starten. „Wer noch weitere Ideen hat, wie wir im Lockdown Einnahmen zum Wohle der Schulpferde generieren können, kann sich gerne melden“, sagt Kellner abschließend.

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