Kontrolle - Martin Dreier vom Eichamt Heilbronn hat turnusmäßig die Waage der Kreismülldeponie in Dörlesberg abgenommen Prüfung zwischen Couch und Altpapier

Von 
Heike Barowski
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Markus Lutz von der AWMT und Martin Dreier vom Eichamt Heilbronn arbeiten beim Eichen der Fahrzeugwaage Hand in Hand.

© Heike Heise

Die große Fahrzeugwaage der Kreismülldeponie wird alle drei Jahre vom Eichamt genau unter die Lupe genommen und neu justiert.

Waage befindet sich direkt am Eingang

  • Die Kreismülldeponie Dörlesberg wurde 1982 in Betrieb genommen. Heute umfasst sie eine Fläche von zwölf Hektar, inklusive Entgasungsanlage, Sickerwasservorbereitungsanlage und Löschteich. Auf rund einem Hektar Fläche ist eine Fotovoltaikanlage aufgestellt.
  • Im Durchschnitt werden pro Tag zwischen 50 und 100 Fahrzeuge abgefertigt. Den größten Teil machen dabei die gewerblichen Anlieferer aus. Entsorgt wird alles, was in einem Haushalt oder im Baugewerbe anfällt. Ausnahme sind Problemstoffe.
  • Die Waage kann bis zu 50 Tonnen abwiegen und muss alle drei Jahre geeicht werden. hhei
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Dörlesberg. Nervös ist Markus Lutz am Freitagvormittag nicht. Lutz arbeitet beim Amt für Abfallwirtschaft des Main-Tauber-Kreises (AWMT) und ist zuständig für die Betriebsführung der Kreismülldeponie Heegwald in Dörlesberg.

Seit 24 Jahren macht er das schon. Da ist so eine Überprüfung und Neujustierung durch das Eichamt Heilbronn keine große Sache mehr. Die Eichung der Waage sei so eine Art TÜV, der genau wie bei einem Auto in regelmäßigen Abständen stattfindet. "Schließlich muss hier ja alles korrekt zu gehen" sagt Lutz.

Reger Betrieb

Während er den Eichvorgang etwas genauer erklärt, fährt ein älteres Ehepaar aus Unterbalbach vor. Sie wollen ihre alten Campingstühle entsorgen. Nur Minuten später lädt ein Lastwagen der Firma Kühl drei Tonnen Altholz von den Recyclinghöfen des Kreises hier ab. Keine Minute danach bringt jemand eine Couch und Teppichreste. Und so geht es weiter. Dafür, dass die Deponie seit Donnerstag eigentlich nur für dringende Fälle geöffnet ist, herrscht reger Betrieb.

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Lutz muss darüber schmunzeln. Viele der Privatleute kennt er sogar mit Namen. Doch an diesem Tag bleibt keine Zeit für ein nettes Wort, denn gerade trifft Martin Dreier vom Eichamt Heilbronn ein. Der streift sich erst einmal seinen "Blaumann" über und klettert unter die Waage. Ein prüfender Blick auf die Mechanik und alles wird versiegelt, damit keine Manipulation stattfinden kann.

Schon Tage zuvor hatten Markus Lutz und die drei Mitarbeiter auf der Deponie viel Arbeit. Das Wiegesystem unter der Betonplatte musste gründlich gereinigt werden. Seit Donnerstag ist Daniel Hitzke von der Firma Widra aus Aachen vor Ort. Der Waagenbauer hat neben kleinen Reparaturen auch Einstellarbeiten an der Waage vorgenommen, damit alles wie am Schnürchen läuft.

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"Im Normalfall braucht das Eichen einer solchen Fahrzeugwaage etwa zwei Stunden", erzählt Martin Dreier. Aber er habe auch schon Fälle gehabt, die recht lange dauerten. Ein Grund dafür kann beispielsweise die Beeinflussung durch heftigen Wind sein, der in die Plane des Eichfahrzeuges drückt oder auch massiver Regen. Beide Faktoren beeinflussen das Gewicht, damit den korrekten Wiegevorgang und am Ende ist der gemessene Wert verfälscht. In Dörlesberg läuft es gut. Martin Dreier sitzt im Büro an seinem PC, während Daniel Hitzke den Lkw auf der Waage dirigiert. Drauf fahren, ein Stück vor, runter und wieder rückwärts drauf fahren - auf allen Stellen muss die Waage das gleiche Gewicht anzeigen. Der Lkw und der Anhänger stammen von der Firma Fuchs und sind keine "normalen" Fahrzeuge, sondern ein spezielles Eichfahrzeug, das eigens für diesen Eichvorgang geeicht und zugelassen ist. So wiegt die Zugmaschine genau 25 Tonnen und der Anhänger 12,5 Tonnen. Für Dreier ist das der ausschlaggebende Wert und nicht das, was die Waage anzeigt. "Falsch - richtig ergibt eine Differenz und damit Arbeit für uns", sagt er.

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Ganz am Ende des Eichvorgangs bringen Eichfahrzeug inklusive Anhänger und die geeichten Gewichte 50 Tonnen auf die Waage. Doch bis es soweit ist, werden Zugmaschine, Gewichte und der geeichte Anhänger im Wechsel auf die Waage gebracht, während im Büro alle Werte genaustens erfasst werden. Martin Dreier redet übrigens nicht von "geeichten" Gewichten. Im Fachjargon heißt das "als normal geprüft".

Wenn 50 Tonnen auf der Waage stehen, darf die vorgeschriebene Toleranz 30 Kilogramm betragen. "Diese Toleranz ist eher ungewöhnlich. Im Normalfall arbeiten die Waagen mit zehn Kilogramm Toleranz", erklärt Hitzke. Und Lutz bestätigt dies mit einem Kopfnicken. Er muss inzwischen wieder einen privaten Anlieferer abfertigen. Der hat seinen Hänger voll mit Altpapier.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim