Neugestaltung - Die Jüdische Abteilung im Grafschaftsmuseum wartet mit neuem Konzept auf / Pfarrer Karl Bär und Familie Klaus im Fokus / Ebenerdiger Zugang Problemlos in Stadtführung integrierbar

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ek
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Ein ebenerdiger Zugang, zweisprachige Beschilderung und vieles mehr sorgen für einen interessanten Museumsbesuch. © Kellner

Wertheim. Die jüdische Abteilung im Grafschaftsmuseum ist neu gestaltet worden und ist jetzt auch ebenerdig zu erreichen. Das kommt vor allem älteren Besuchern entgegen.

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Es sind vor allem amerikanische Besucherinnen und Besucher, die sich besonders für die jüdische Geschichte in Wertheim interessieren. Das weiß aus eigener Erfahrung Stadtführerin Ursula Kohout und das weiß auch Stefanie Arz, die Leiterin des Grafschaftsmuseums. Deshalb haben sie sich gemeinsam und unterstützt von Margitta de Long, daran gemacht, die jüdische Abteilung im Haus zu den vier Gekrönten neu zu gestalten.

Jetzt zweisprachige Abteilung

Eine der wesentlichen Veränderungen: der neue Bereich im Erdgeschoss des Gebäudes ist ebenerdig zu erreichen. Damit wurde ein lang gehegter Wunsch nicht nur der Stadtführer endlich erfüllt. „Vor allem unsere amerikanischen Gäste sind meist schon ältere Menschen, für die die Treppen nur schwer zu bewältigen sind“, begründet Ursula Kohout das Ansinnen.

Eine weitere Neuerung, die ebenfalls der Zielgruppe der US-Touristen dienlich ist: „Dies ist die erste Abteilung unseres Hauses, die komplett zweisprachig, nämlich deutsch und englisch gehalten ist“, erläutert Stefanie Arz gestern bei der Vorstellung. „Weitere werden folgen“, kündigt sie dabei an.

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Die Ausstellung sei so konzipiert, informiert die Museumsleiterin weiter, dass sie von den Stadtführerinnen und Stadtführern problemlos in ihre Führungen eingebunden werden könnten.

„Alle Themen der jüdischen Geschichte Wertheims werden hier angesprochen.“ Das Spektrum reicht, in Texten, Bildern und einigen Exponaten dargestellt, vom Leben und Schicksal der Juden in Wertheim über die Jahrhunderte, die jüdische Kultur und den jüdischen Friedhof, oder die Synagogen, die es hier einst gab, bis hin zum Antisemitismus, dem Nationalsozialismus und dem, zwar spärlichen aber doch vorhandenen Widerstand. Dieser wird vor allem am Beispiel des Pfarrers Karl Bär dargestellt.

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Neben dem katholischen Geistlichen steht in der Abteilung das Schicksal der Familie Klaus im Mittelpunkt. „Unser Ziel ist die Dokumentation und die Erinnerung. Wir wollen aber auch Zeitgeschichte aufzeigen und vermitteln und die Verantwortung der Deutschen gegenüber den Juden deutlich machen“, so Stefanie Arz.

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An der Gestaltung der Abteilung waren Stefanie Arz und Margitta de Long beteiligt, letztere kümmerte sich auch um den Druck. Die Konzeption lag in den Händen der Museumsleiterin und von Ursula Kohout, die darüber hinaus für die Texte verantwortlich war. Sie hat auch bereits erste Gruppen durch die neu gestaltete Abteilung geführt. „Die Menschen waren sehr begeistert und emotional berührt“, berichtet sie. Viele amerikanische Touristen hätten jüdische Vorfahren und damit einen besonderen Zugang zu dem Thema. Erst vor zwei Jahren war die ursprüngliche jüdische Abteilung, ebenfalls im Haus zu den vier Gekrönten im Grafschaftsmuseum umgestaltet und erweitert worden. Sie ist auch weiterhin zugänglich. ek