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Rundgang - Stadtverwaltung, Stadtteilbeirat und interessierte Bürger tauschten sich aus / Reinhardshof vom Verkehr belastet

Ploch: „Der Asphalt hat keine Seele“

Von 
Kai Grottenthaler
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Anwohner der Theodor-Heuss-Straße leiden unter dem starken Verkehr. Zudem droht sich noch die Parksituation zu verschärfen, wenn an der Schule vorübergehend Berufsschüler unterrichtet werden. Bild: Kai Grottenthaler © Kai Grottenthaler

Verkehr, Schule und Industrie waren die wichtigsten Themen beim öffentlichen Rundgang des Stadtteilbeirats am Donnerstag auf dem Reinhardshof.

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Reinhardshof. Dabei machten der Stadtteilbeiratsvorsitzende Walter Ploch sowie die anwesenden Bewohner im Austausch mit den Vertretern der Stadtverwaltung deutlich, dass besonders die Verkehrssituation im Stadtteil für sie noch nicht zufriedenstellend gelöst sei. Das Thema wird auch weiterhin ganz oben auf der Agenda bleiben.

Für eine „Verkehrsentwicklungspolitik, in der wir mitgenommen werden“ machte sich Walter Ploch stark. Dass von der Stadtverwaltung nicht nur der Leiter des Ordnungsamtes, Volker Mohr, sowie des Fachbereichs Hoch- und Tiefbau, Armin Dattler, sondern auch Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez vor Ort waren, zeige, dass die Stadt die „Sorgen und Nöte ernst nehme“, so das Stadtoberhaupt.

Insofern hatten die Vertreter des Stadtteils ein wichtiges Ziel auf jeden Fall erreicht, nämlich den „Dialog wieder zu öffnen“. Dass dieser zum Beispiel beim zweiten runden Tisch aufgrund der coronabedingten Einschränkungen in den letzten Monaten nur in sehr geringem Ausmaße möglich gewesen sei, bedauerte auch Herrera Torrez. Gleichzeitig verwies er jedoch auf den aus seiner Sicht erfolgreichen ersten runden Tisch auf dem Weg zu einer Lösung. Auch an diesem Abend ginge es nicht um neue Entscheidungen, sondern darum, Maßnahmen zu erklären, wieder ins Gespräch zu kommen und „Eindrücke und Stimmungen aufzunehmen“.

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Besonders die Situation in der Theodor-Heuss-Straße, die für viele Lkw als zentrale Anbindung von der L 508 zum Gewerbegebiet diene, wird von den Anwohnern als belastend empfunden. Nachdem die Möglichkeit einer Umgehungsstraße seit Februar nun endgültig vom Tisch ist (wir berichteten), müssten nun die vorhandenen Mittel ausgenutzt werden. Hauptprobleme seien aus Sicht der Anwohner insbesondere die Nichteinhaltung der „Rechts-vor-links-Regel“ sowie der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Im Bereich der Moschee sei diese wegen der Straßenverkehrsordnung jedoch nicht möglich, weil hier keine durchgehende Wohnbebauung vorhanden sei, erklärte Volker Mohr: „Wir machen das nicht willkürlich“. Dabei verwies der Ordnungsamtsleiter auf die bereits getroffenen Maßnahmen, wie die Einrichtung einer fast im gesamten Stadtteil gültigen 30er-Zone. Die gesetzlichen Möglichkeiten seien damit ausgereizt: „Aus verkehrsbehördlicher Sicht ist eine Verkehrsberuhigung erfolgt.“

Mehr Kontrollen gefordert

Das Drängen der Anwohner nach verstärkten Kontrollen nahmen die Verantwortlichen zur Kenntnis, verwiesen jedoch auch auf die geringen Personalkapazitäten sowie die Schwerpunktsetzung auf Schulen, Kindergärten und verkehrsneuralgische Punkte. Eine hilfreiche Maßnahme sei aber sicherlich die kürzlich beschlossene Anschaffung des mobilen „Enforcement Trailers“. Auch solle eine weitere Personalstelle im Ordnungsamt geschaffen werden, so der OB.

Für Unmut im Stadtteil sorgt auch die Lärmbelastung durch die Pflastersteindeckung an den Kreuzungen. Der Austausch der Pflastersteine gegen Asphalt sei immer auch eine Kostenfrage, machte Armin Dattler deutlich. Ob einzelne Steine ausgetauscht oder der komplette Kreisverkehr durch Asphalt ersetzt werde, sei davon abhängig, ob die Verkehrssicherheit noch gegeben sei. An den noch gepflasterten Kreisverkehren sei diese gegeben. Auch müssten die Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Die Aussage Dattlers, dass „früher oder später“ alle Kreisverkehre geteert würden, stellte die Anwohner nicht wirklich zufrieden. Einigkeit bestand aber, dass die damalige Entscheidung für eine Pflasterung sich im Nachhinein als falsch erwiesen habe.

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Immer wieder deutlich wurde aber auch das Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Interessen, die sorgfältig miteinander abgewogen werden müssten. So wies Herrera Torrez darauf hin, dass sich die gewerbliche Entwicklung auch in Zukunft hauptsächlich auf dem Reinhardshof und der Bestenheider Höhe abspielen werde, weil hier – im Gegensatz zu den anderen Stadtteilen– noch Fläche zur Verfügung stehe. Insofern sei künftig eher noch mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen.

Walter Ploch mahnte, dass zwar das Straßennetz noch mehr Verkehr verkrafte, aber die Anwohner nicht: „Asphalt hat keine Seele.“ Verkehr sei eine Daueraufgabe für die Stadtverwaltung, so der OB. „Aber wir leben in keiner idealisierten Welt mit unendlichen Mitteln“, schränkte Herrera Torrez ein. „Unsere Aufgabe ist, dafür gemeinsam zu sorgen, dass trotz Verkehr das Leben hier noch lebenswert ist“, so der OB.

Auch über den aktuellen Stand bezüglich des Schulstandortes auf dem Reinhardshof konnten sich die interessierten Bürger. Aktuell wird das Schulgebäude durch die Ottfried-Preußler-Schule belegt. Laut Oberbürgermeister Herrera Torrez solle die neue „Soziale Mitte“ auf dem Wartberg bis zum Schuljahresbeginn 2022 fertiggestellt sein. Danach werde die Grundschule wieder an ihren alten Standort auf den Wartberg zurückziehen (wir berichtten). Zwischenzeitlich findet hier das berufliche Schulzentrum vorübergehend eie Bleibe.

Für große Bedenken unter den Anwohnern sorgt bereits jetzt die Parksituation. Durch die vielen Berufsschüler befürchten die Anwohner eine weitere Verstopfung der Straßen und des umliegenden Wohngebiets. Damit rechnet auch Herrera Torrez: „Das wird zu einem Problem werden.“ Er bat jedoch bereits vorab um Verständnis für die Interimslösung, und versicherte, dass die Stadt mit dem Landkreis über alternative Parkmöglichkeiten sprechen werde. Der Landkreis müsse von der Stadt angemietete Flächen vorhalten, auf denen die Berufsschüler parken können.

Armin Dattler und Volker Mohr versicherten, dass besonders kurz nach dem Einzug verstärkt kontrolliert werde, dies aber über die kompletten zwei Jahre nicht möglich sei. „Wir hoffen auf die Einsicht und den Erziehungseffekt“, so Dattler. Der Vorschlag, einen Shuttle-Service für die Berufsschüler einzurichten, stieß auf geteilte Meinungen, werde aber noch diskutiert.

Sportplatz in schlechten Zustand

Seinen Unmut äußerte der Stadtteilbeirat noch über die Situation des Schulsportplatzes. Dieser werde seit Jahren kaum genutzt, auch nicht durch die Schule. Daher sei eine Öffnung für den Freizeitsport oder die Polizeihochschule aus seiner Sicht sinnvoll. Volker Mohr hatte diesbezüglich keine ordnungsrechtlichen Bedenken, verwies jedoch auf die Verkehrssicherungspflicht des Schulträgers. Armin Dattler verwies bei einem öffentlichen Zugang jedoch auf Haftungsfragen sowie auf die Gefahr des Vandalismus. Der Oberbürgermeister versicherte, sich des Themas anzunehmen.

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