Studium - Zwei Wertheimerinnen berichten über ihre Erfahrungen mit dem Fernlernen an den Universitäten / Vorteile sowie Grenzen des Angebots Per E-Mail im Kontakt mit den Dozenten

Von 
Birger-Daniel Grein
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Aufgrund der Corona-Pandemie findet der Lehrbetrieb von Hochschulen aktuell weitestgehend online statt. Für die Geografiestudentin Urte Bauer aus dem Hofgarten bietet dies Vorteile. Sie sieht aber auch die Grenzen der Angebote. © Birger-Daniel Grein

Eigene Wohnung statt Hörsaal: Zwei Wertheimer Studentinnen berichten über ihre Erfahrungen mit dem aktuell üblichen Onlinestudium an ihren Hochschulen.

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Wertheim. Insgesamt sind die beiden Studentinnen Alessandra Hartke aus Waldenhausen und Urte Bauer aus dem Hofgarten mit dem bisherigen Onlinelernen im Semester zufrieden. Es gibt aber auch einiges, was sie vermissen. Hartke ist 20 Jahre alt und studiert im zweiten Semester Humanmedizin an der Universität zu Lübeck. Bauer ist 21 Jahre alt und studiert im vierten Semester Geografie (Bachelor of Science) an der Universität Bayreuth.

Austausch in Chaträumen

Bauer wohnt seit der Phase des Onlinestudiums wieder zu Hause im Hofgarten. „Ich helfe meinen Eltern in ihrem Betrieb aus, ansonsten wäre ich wohl auch weiter an meinem Studienort geblieben“, erklärt sie. Hartke war Anfang des Semesters zuhause, da es ein paar Wochen nur online Veranstaltungen gab.

„Ab dem 13. Mai ging es aber wieder los mit unserem wöchentlichen Präparationskurs, in dem wir uns mit der makroskopischen Anatomie, anhand von Körperspenden, beschäftigen“, sagt sie. Deswegen sei sie einige Tage zuvor wieder nach Lübeck gefahren.

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In beiden Studiengängen bieten die Professoren ihre Vorlesungen als Aufzeichnungen oder Stream an. Hartke berichtet: „Die Dozenten sind jederzeit für Fragen offen, manche machen das per E-Mail, andere bieten Telefonsprechstunden an.“ Für jeden Kurs gebe es auf der Lernplattform „moodle“ auch ein eigenes Forum, in das Fragen eingestellt werden können, die dann für alle sichtbar beantwortet werden.

Bauer ergänzt, in ihrem Studiengang gebe es zusätzlich Seminare per Videokonferenz, um Diskussionen zu ermöglichen, Chaträume, um sich mit anderen Studierenden auszutauschen, Aufgaben zu Texten, die Arbeit mit Programmen und mehr. „Textmaterial und Daten für die Programme werden uns dabei zur Verfügung gestellt.“ Beide Studentinnen nutzen alle Angebote. Zusätzliche, gedruckte Literatur nutzen die beiden aktuell nicht mehr als in normalen Semestern.

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Sie sind ihren Hochschulen dankbar, dass viel getan wurde, damit die Studenten ihre Leistungen im laufenden Semester trotz der Coronabeschränkungen erfüllen können. „Natürlich ist es durch die strengen Hygiene- Vorschriften, die selbstverständlich vollkommen angebracht sind, sehr schwierig, Konzepte auszuarbeiten, mit denen Praktika möglich sind“, so Hartke. „Meine Uni hat da aber wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um uns so viel wie möglich, so gut wie möglich, bieten zu können.“ Bis auf eine Ausnahme hätten alle praktischen Veranstaltungen stattfinden können, wenn auch in abgewandelter Form.

Hygienekonzept für Kurse

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Zu ihnen gehört auch der Präparationskurs. „Für die Uni war es daher oberste Priorität, die Durchführung zu ermöglichen. Es wurde sehr zügig ein Hygienekonzept erstellt, was dann auch vom Gesundheitsamt abgesegnet wurde.“ Hier arbeitet man nun mit einer stark reduzierten Personenzahl im Raum und deutlich kürzerer Aufenthaltsdauer. Weitere Praxiskurse werden bei ihr entweder als Onlinevariante oder unter strengen Auflagen komprimiert im Labor der Uni durchgeführt.

Kleinere Gruppen

Bei Bauer finden praktische Kurse unter Auflagen in kleinen Gruppen statt. „Eine weitere Möglichkeit ist es, den Studierenden die Daten der Feldarbeiten zukommen zu lassen, so dass diese lediglich die Auswertung machen. Dieses Konzept finde ich persönlich nicht gut, weil gerade praktische Arbeiten im Studium einem oftmals ein größeres Verständnis für die Daten geben.“

Geländeübungen wurden verschoben und Exkursionen an andere Orte verlegt. „Ein Studienprojekt sollte zudem Ende Mai in Polen stattfinden, dieses wurde nun stattdessen nach Thurnau und auf Mitte Juli verlegt, um keine Reiseprobleme zu bekommen oder an Grenzen festzustecken.“ Beide drücken im Gespräch mit den FN ihre Zufriedenheit mit der Onlineumsetzung des Lehrbetriebs aus. „Meine Uni hat sich wirklich ins Zeug gelegt und logistische Meisterarbeit geleistet. In sehr kurzer Zeit wurden Konzepte und Hygienepläne entwickelt, und auch die online Versionen von Vorlesungen und Praktika sind sehr gut gelungen“, so Hartke. Man habe auch spezielle Lösungen für Studenten mit Kindern oder jene, die zur Risikogruppe gehören, gefunden.

Auch Bauer ist zufrieden, dass die Angebote ein Vorankommen im Studium ermöglichen. „Natürlich bin ich enttäuscht, dass gerade Exkursionen ins Ausland wegfallen, aber es ist völlig verständlich, dass das unter den gegebenen Umständen einfach nicht möglich ist.“

Hartke resümiert, ihr gefalle das Online-Semester erstaunlich gut. „Es ist entspannter, da man seine Zeit sehr flexibel einteilen kann und nicht an feste Vorlesungszeiten gebunden ist.“ Ein großer Vorteil sei, dass man bei den Online-Vorlesungen einfach auf Pause drücken kann und so genügend Zeit hat, wichtige Dinge mitzuschreiben oder sich eine schwierigere Passage noch einmal anzuhören. Bauer sieht in der Ortsunabhängigkeit einen Vorteil. „Ich muss nicht bei jedem Regentag mit dem Fahrrad in die Uni fahren, um die Vorlesung zu hören, das ist schon ganz schön.“

Zudem würden konkrete Online-Abgabefristen helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und wirklich jeden Text in einem Seminar zu lesen. „Da konnte man sich im Präsenz-Studium durchaus mal ein wenig durchmogeln.“

Soziale Komponente fehlt

Beide sehen aber auch Nachteile. Hartke meint, sie habe immer das Gefühl, dass sie noch mehr tun könnte, da alles online verfügbar ist. Dieses Gefühl habe sie aber auch oft im Regelsemester gehabt. Ihr fehle der Austausch mit den anderen Studenten. „Ganz aus der Welt ist man allerdings nicht, da man über soziale Netzwerke doch gut miteinander vernetzt ist.“

Auch Bauer vermisst die anderen Studierenden und den sozialen Austausch mit ihnen beim Mittagessen oder einem Kaffee auf der Wiese vor der Uni. Hartke vermisst am meisten den normalen Präparationskurs, der eine intensive Zeit sei. Insgesamt sind jedoch beide mit den Angeboten ihrer Hochschulen in der aktuellen Zeit zufrieden.

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