Naturschutzbund Deutschland: Verein für Garten, Obst und Umwelt Nassig wurde ausgezeichnet Ortsverband verleiht Umweltpreis 2009

Lesedauer: 

Nassig. Mit dem Umweltpreis des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Ortsverband Wertheim, wurde gestern Abend der Verein für Garten, Obst und Umwelt Nassig ausgezeichnet. Geehrt wird dieser für die Pflege und ständige Erweiterung der Streuobstwiesen um Nassig, für den Bau von 18 Wildbienenhotels und damit für seinen Einsatz für den Umweltschutz.

AdUnit urban-intext1

Wer nach Nassig kommt, dem fällt auf, dass die Ortschaft hauptsächlich von Wiesen und Feldern umgeben ist, was von der Flurbereinigung herrührt. Daher machte es sich der Verein, der 1998 aus dem Obstbauverein gegründet wurde, von Anfang an zur Aufgabe, die Streuobstwiesen wiederzubeleben, eine lebenswerte Umwelt zu erhalten und natürliche Lebensräume zu schaffen. So legten die Mitglieder im Laufe der vergangenen Jahre mehrere Streuobstwiesen um Nassig herum an. Zahlreiche Interessierte fanden sich dabei, die Baumpatenschaften übernahmen und sich um die Pflege kümmern.

Bei der Pflege wird großen Wert auf eine ökologische Schädlingsbekämpfung gelegt. Um den Vogelbestand zu sichern, wurden zum Beispiel von Kindern Nistkästen gebaut und dort aufgehängt. Die Vögel fressen dann die Schädlinge, sodass man nicht mit Spritzmitteln eingreifen muss. Weitere Nützlinge sind die Wildbienen, denen Schadinsekten als Nahrung dienen. Außerdem bestäuben sie die Blüten und im Gegensatz zu Honigbienen auch bei kälteren Temperaturen.

Auf dieses Thema wurde man bei einer naturkundlichen Exkursion mit Jens Rögener, dem Umweltschutzbeauftragten der Stadt Wertheim, aufmerksam, wie Hubert Klein im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten berichtete. Zuerst seien dann zusammen mit Kindern kleine Wildbienenhäuschen gebaut und aufgehängt worden.

AdUnit urban-intext2

In der Jahreshauptversammlung im April 2008 habe man das Thema wieder aufgenommen und erste Entwürfe eines großen Wildbienenhauses präsentiert. Sogleich fanden sich 15 Interessierte bereit, ein solches Haus zu bauen und bei sich aufzustellen. Hinzu kamen noch drei weitere Bauten, die vom Verein auf den Streuobstwiesen auf städtischem Grund errichtet werden sollten.

Im April 2008 wurden unter der Leitung und Organisation von Hubert Klein (Vorsitzender), Volker Fertig (Kassier), Thomas Busch und Klaus Vollhardt (beide Beisitzer) zirka zwei Kubikmeter Holz zu 18 Grundgestellen für die Wildbienenhotels verarbeitet. Aus der Nassiger Lehmgrube nahm man Lehm, vermischte ihn mit Stroh und goss Formen. Nach einer Trocknungszeit wurden Löcher hineingebohrt, und der Innenausbau der Wildbienenhotels konnte beginnen.

AdUnit urban-intext3

Die Gestaltung wurde dabei jedem selbst überlassen. Mit verschiedenen Materialien wie unterschiedlichen Hölzern, Hohllochziegelsteinen, Pflanzenstängel usw. wurden die Gestelle gefüllt. Sofern die Materialien nicht von Natur aus Löcher hatten, wurden diese mit einem Durchmesser von drei bis zehn Millimeter und einer Länge von vier bis zehn Zentimetern hineingebohrt. Auf diese Weise wurden für die etwa 500 verschiedenen in Deutschland lebenden Arten Möglichkeiten zur Eiablage geschaffen.

AdUnit urban-intext4

Zu den Wildbienen zählen beispielsweise Seidenbienen, Wollbienen und Hummeln. Die solitär lebenden Bienenweibchen tragen Pollen in die Löcher, um Nahrung für die Larven bereitzustellen. Anschließend legen sie ihre Eier hinein und verschließen die Niströhre. Solche verschlossenen Löcher habe man an einigen Insektenhäusern schon sehen können, wie der Vorsitzende informierte. Dies sei ein Zeichen, dass die Bemühungen des Vereins von der Natur angenommen werden.

Um die Larven vor Vögeln, zum Beispiel Kleiber und Specht, zu schützen, wurden die Insektenhäuser mit einem Drahtgeflecht abgedeckt.

Damit bietet Nassig nun "in 18 Wildbienenhotels in exponierter Höhenlage mit etwa 20 Quadratmeter Wohnfläche und zirka 50 000 Einzelwohnungen (einzelne Bohrungen) sehr gute Voraussetzungen für eine umfassende Wildbienenpopulation", wie es in der Projektmappe des Vereins heißt. Aber auch anderen Insekten und Vögeln bieten diese Häuser eine Nistmöglichkeit, sodass sich ein Besuch bei warmen Temperaturen sicher lohnen wird, um verschiedene Tiere zu beobachten.

So leistet der Verein für Garten, Obst und Umwelt Nassig einen erheblichen, verdienstvollen Beitrag zum Natur- und Artenschutz. Für dieses Engagement zeichnete der Nabu Wertheim den Verein in der Jahreshauptversammlung am gestrigen Freitagabend im Gasthaus "Engel" in Sachsenhausen mit dem Umweltpreis 2009 aus. kem