Expertengespräch - Chefärztin Daniela Hegenbart referiert über Inkontinenz / Vortrag ruft große Resonanz hervor OP durch Therapie hinauszögern

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Jasmin Mohr
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Mit dem Vortrag "Tabuthema Urinverlust" fand die erste öffentliche Veranstaltung im neuen Gebäude der Rotkreuzklinik am Donnerstag statt.

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Reinhardshof. "Wenn man beim Husten oder Niesen Urin verliert, ist das ein typisches Symptom für die Absenkung der Harnröhre", erklärt Daniela Hegenbarth, neue Chefärztin der Gynäkologie. "Ich hätte nicht gedacht, dass das Thema so viele Zuhörer interessiert", bemerkt Hegenbarth vor dem bis auf die letzten Plätze gefüllten Konferenzraum.

Der Grund für Inkontinenz kann sowohl eine Absenkung der Blase ohne oder einschließlich der Gebärmutter, als auch ein Problem der Nerven sein. Eine Reizblase wird oft mit einer Blasenentzündung verwechselt, dabei wird sie durch eine Fehlkommunikation der Nerven verursacht.

In diesem Fall eignet sich die Bioresonanztherapie, um die Entspannungsphase der Muskulatur zu verlängern. Aus der Zuhörerschaft nachgefragt wurde die Verwendung des Bioresonanzgerät. Laut Hegenbarth kann dieses über verschiedene Wege, den Urologen, andere Ärzte sowie auch den Weg über die Referentin bezogen werden.

Schwaches Bindegewebe

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Im Falle einer Absenkung kann die eigentliche Ursache nicht entfernt werden, denn diese ist ein schwaches Bindegewebe, betonte die Expertin mehrmals. Vorbeugend ist hier in jedem Fall keine zu hohe körperliche Belastung, die Grenze sollte maximal zehn Kilogramm sein. Andererseits können aber auch Becken-Boden schonende Hebetechniken verwendet werden, die den rückenschonenden ähneln. Hegenbarth mahnte, dass, falls bei einer ausgeprägten Senkung operiert werde, danach in jedem Fall nicht schwer gehoben werden darf.

Vor einer Operation werden allerdings in jedem Fall eine Ultraschalluntersuchung und Druckmessung durchgeführt. Falls diese zeigen, dass sich die Harnröhre gesenkt hat, sollen zunächst Becken-Boden-Training und Bioresonanztherapie eine Besserung bringen. "Dadurch können wir oft eine Operation über Jahre hinauszögern", berichtet die Expertin über positive Resultate.

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Hegenbarth gab auch einen Einblick in die Vielzahl der Operationen. Wenn beispielsweise die Blase nur leicht abgesenkt ist, wird nur die vordere Scheidenwand und gegebenenfalls die Gebärmutter entfernt. Mit einem Arbeitsausfall von sechs bis acht Wochen ist dabei allerdings zu rechnen. "Man setzt zunächst immer die Operationen ein, die seit Jahrzehnten bekannt sind, weil man genau weiß, wie die Reaktionen sind", beruhigte die Expertin betroffene Personen, die Angst vor einem Eingriff haben und klärte weiter dazu auf: "Die normale Senkungsoperation dauert zwischen einer und eineinhalb Stunden." Aufgrund der Komplexität der Problematik werden Becken-Boden-Zentren etabliert, wie eines an der Rotkreuzklinik in Wertheim besteht.

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Das Team besteht in der Regel aus Urologen, Neurologen und Chirurgen. "Denn es macht Sinn, dass dem Patienten für die verschiedenen Probleme und Ursachen gleich der richtige Fachmann zur Verfügung steht", erklärt die Chefärztin. Hegenbarth riet einen Urologen als Spezialisten aufzusuchen, statt mit Inkontinenz zum Gynäkologen zu gehen. Für besonders komplizierte Fälle verwies sie hier in der Region auf den erfahrenen und deutschlandweit bekannten Urogynäkologen Christian Fünfgeld, Chefarzt in Tettnang.

Bei der anschließenden Verköstigung in der Cafeteria waren der Verwaltungsdirektor Christopher Franken und der Geschäftsführer Marcus Plaschke anwesend, um einen Blick darauf zu haben, wie gut diese Premiere im neuen Gebäude klappt. Unter anderem bemerkte Franken: "Die Wegweiser im Gebäude müssen noch deutlicher werden, unter denen steht man manchmal, ohne sie gesehen zu haben."

Zum Abschluss des Vortrags hatten die Besucher in der Cafeteria weiter Gelegenheit, der Expertin Fragen zu stellen.

Freie Autorenschaft Freie Mitarbeiterin (Fränkische Nachrichten, früher auch Wertheimer Zeitung) seit 1996, Redakteurin Magazin "Quappe" der grün-alternativen Hochschulgruppe Karlsruhe, div. wissenschaftliche Beiträge mit u.a. Konferenz-Vorträgen, aktuell Doktorandin, intensive Auslandserfahrung Asien und Afrika