Corona-Krise - Die Firma König und Meyer produziert anstelle von Bühnenausstattungen nun verschiedene Desinfektionsmittel-Ständer Nur drei Wochen bis zur Serienreife

Von 
Heike Barowski
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Aus einer Idee wurde innerhalb von drei Wochen ein serienreifes Produkt. Die Wertheimer Firma König und Meyer stellt nun statt Mikrofonstativen Ständer für Desinfektionsmittelflaschen her.

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Bestenheid. Mit ganzen zehn Mitarbeitern begann im Jahr 1949 die Firma König & Meyer mit der Herstellung von Notenpulten und Messwerkzeugen in Wertheim. Gegründet wurde das Unternehmen, das sich inzwischen mit 300 Mitarbeitern zu einem „Global Player“ in Sachen Bühnenausstattung entwickelt hat, von Karl König und Erich Meyer.

Doch auch an diesem erfolgreichen Unternehmen gehen die Auswirkungen der Corona-Krise nicht spurlos vorbei. „In der ersten Woche herrschte fast Schockstarre. Wir sind mehr oder weniger mit Vollgas gegen eine Wand gefahren“, erzählt Geschäftsführerin Gabriela König. So haben unter anderem die Absagen aller Veranstaltungen auch auf ihre Firma gravierende Auswirkungen. „Wir hatten von heute auf morgen einen Umsatzrückgang von 70 Prozent“, so Gabriela König. Mikrofonstative, Boxenhalterungen oder Notenständer sind im Moment weltweit nicht wirklich gefragt.

Absatz pendelt sich ein

Inzwischen habe sich der gesamte Absatz der Firma jedoch auf etwa 50 Prozent des sonst üblichen eingependelt. Allerdings ist ein deutlicher Verkaufstrend für Tablett- oder Smartphonehalterungen zu erkennen, wie der Technische Geschäftsführer Heiko Wolz anfügt. Nichtsdestotrotz musste das Unternehmen jetzt seine Belegschaft in die Kurzarbeit schicken, um Arbeitsplätze zu erhalten. Homeoffice, die Einhaltung aller Hygienevorschriften und zwei getrennte Schichten, die sich nicht begegnen, sind weitere Maßnahmen, mit welcher die Firma der Pandemie begegnet.

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Doch allein bei diesen Maßnahmen blieb es bei König und Meyer nicht. Im Unternehmen stellte man sich sehr deutlich die Frage: „Was können wir tun, um zu helfen und dabei der Kurzarbeit ein wenig entgegenzuwirken?“ Natürlich sollte am Ende ein entsprechendes Produkt stehen, das in der Krisensituation benötigt wird und dessen Bestandteile aus dem eigenen Unternehmen kommen.

Relativ schnell lag die Lösung auf der Hand: ein mobiler Ständer für die Halterung von Desinfektionsmitteln. Gabriela König und Heiko Wolz sind sich einig; öffnen unter bestimmten Hygieneauflagen die kleinen Geschäfte und Schulen, werden solche Ständer dringend gebraucht.

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Nur eine Woche tüftelten ein paar Mitarbeiter der Firma, und schon war der Prototyp, zuerst noch in schwarzer Farbe, fertig. Der steht heute im Eingangsbereich der Verwaltung. Nur eine Woche später gab es die ersten Muster, und in der dritten Woche wurden die Modelle serientauglich. Insgesamt wurden drei verschiedene Desinfektionsständer entwickelt, die sich durch die Art der Halterung unterscheiden.

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Und wirklich alle Komponenten kommen aus dem Hause König und Meyer, wie Wolz stolz berichtet. „Die Desinfektionsständer sind komplett Made in Wertheim“, freut er sich. So ist das Unterteil Bestandteil eines Mikrofonstativs, die eigentliche Halterung wird auf den Werkzeugbänken in der Produktion gefertigt, der Becher stammt aus einer Ablageplatte aus dem eigenen Sortiment. Kein Material aus Fernost bewirkt unter anderem, dass König und Meyer sofort lieferfähig sind. „Abwandlungen sind jederzeit möglich“, sagt Gabriela König, und Heiko Walz ergänzt: „Bei Bedarf machen wir alles. Wir können auf jeden Kundenwunsch reagieren.“

Seit wenigen Tagen werden nun die drei Desinfektionsständer-Modelle produziert. Etwa 1000 Stück sind bereits fertig und warten auf Abnehmer. Dass eine Nachfrage für die Desinfektionsmittelständer da sein wird, davon sind Wolz und König fest überzeugt. Zum einen wolle man die eigene Branche beliefern, also Groß- und- Einzelhändler der Musikbranche, vom Veranstalter, Equipmentverleiher bis hin zum Musikhaus vor Ort.

Neue Vertriebswege aufbauen

Für das Hotel- und Gastronomiegewerbe will König und Meyer neue Vertriebswege aufbauen. Aber auch der Einzelhandel und Schulen können beliefert werden. Neben der flexiblen Aufstellmöglichkeit punkten alle drei Modelle vor allem mit einem sehr günstigen Preis. Lediglich ein Logo fehlt noch auf den drei Ständern, die im Besprechungsraum stehen. Doch da winkt Wolz ab. „Nicht so wichtig“, sagt er, und Gabriela König nickt. Beide hoffen lediglich, dass sie mit ihren Desinfektionsmittel-Ständern der Krise ein klein wenig die Stirn bieten können.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim