Online-Veranstaltungen - In Corona-Zeiten werden Angebote zunehmend ins Internet verlegt Notlösung im Netz hat sich etabliert

Erstmals fand ein Vortrag der Reihe „Elternkompass“ online statt. Die Volkshochschule bietet seit kurzem Kurse über Videostream an und die „Traumstunden im Netz“ haben sich etabliert.

Von 
Katharina Buchholz
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Stadtbücherei-Mitarbeiterin Katja Schmitz filmt Lesepatin Martina Habig für die kommende Online-Ausgabe der „Traumstunden“. © Katharina Buchholz

Wertheim. „Guck mal. Den Igel setzen wir hier hin“, sagt Katja Schmitz und rückt das Stofftier im Regal zurecht. In einer Ecke der Stadtbücherei haben Schmitz und Martina Habig ihr improvisiertes Aufnahmestudio aufgebaut.

Traumstunden und Traumstunden im Netz

Die Präsenzveranstaltung „Traumstunden“ findet einmal pro Monat an einem Mittwoch statt. Maximal zwölf Kinder können teilnehmen, das Angebot war immer schnell ausgebucht.

Im Mittelpunkt stehen Bilderbücher, die eine der vier Lesepatinnen vorlesen. Anschließend wird passend zum Thema gebastelt, gemalt oder gepflanzt.

Die Stadtbücherei sucht weiterhin Ehrenamtliche, die sich als Vorlesepaten engagieren möchten. „Es macht sehr viel Spaß und man wird von Katja Schmitz, die die Traumstunden organisiert, umfassend unterstützt“, wirbt Lesepatin Martina Habig.

Interessierte können sich unter Telefon 09342/301515 bei der Stadtbücherei melden. kab

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Lesepatin Habig steht am Mittwochnachmittag für eine neue Ausgabe der „Traumstunden im Netz“ vor der Kamera von Büchereimitarbeiterin Schmitz. Spätestens an diesem Montag soll die neue Ausgabe, die von den kleinen Zuschauern ab vier Jahren bereits sehnlichst erwartet wird, auf der Homepage der Bücherei online gehen.

Drei Bilderbücher wird Habig den Kindern vorstellen, sie liegen auf einem runden Tisch. Habig sitzt dahinter. Es kann losgehen. „Moment. Dieses Mal brauche ich eure Mithilfe“, unterbricht Habig. Schmitz und ihre Kollegen Fabian Künzig sowie Nell Ratajczak sollen Tierstimmen imitieren, um die Aufnahme für die Kinder spannender zu machen.

„Wiehhhhihi“, wiehert Habig wenig später. Künzig bellt und zwitschert, Schmitz grunzt und Rarajczak muht wie eine Kuh. Die Szene ist im Kasten. Schmitz stoppt die Aufnahme. Die Protagonisten müssten lachen. „Das Buch musst du aber unbedingt noch mal lesen, wenn die Kinder wieder kommen dürfen“, sagt Schmitz. „Das würde denen solchen Spaß machen“, ist sich Habig sicher. Die Lesepatin klingt wehmütig – die echten „Traumstunden“ fehlen ihr. Die Atmosphäre sei anders, im Anschluss folge normalerweise noch ein Kreativteil. „Die Traumstunde ist etwas Lebendiges“.

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Trotzdem hat sich die Notlösung, die „Traumstunden im Netz“, mittlerweile etabliert. Die bisherigen Folgen waren eifrig angeklickt worden, bevor sie aus rechtlichen Gründen aus dem Netz genommen werden mussten. Ebenfalls aus rechtlichen Gründen darf Habig die Bücher nur anlesen. „Die Kinder stört das gar nicht. Ihnen ist viel wichtiger, Martina wiederzusehen“, weiß Schmitz. Deshalb sei sicher: „Wir machen das so lange, bis wir die Kinder wieder begrüßen dürfen.“

Doch nicht nur Kinder sehnen sich nach ein bisschen Abwechslung – je länger die Corona-Situation anhält, umso zahlreicher werden die lokalen Angebote, die von zuhause abrufbar sind.

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Ein weiteres Beispiel: Ein Klick auf den Link, die Verbindung baut sich auf. 30 Interessierte folgten am Mittwochabend der ersten Online-Ausgabe des „Elternkompass’“. Eine Stunde lang sprach Referentin Linda-Marie Franz von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes im Tauberkreis zum Thema „Selbstständigkeit fördern und fordern“. Angelika Hildebrandt, die die Veranstaltung für die Stadt Wertheim koordinierte, freut sich über das Interesse. Denn mit 30 Teilnehmenden liegt der Vortrag über dem Schnitt der Reihe. Zwar gab es auch in der Vergangenheit Veranstaltungen mit 30 Gästen. „Aber ich habe den Eindruck, dass es für viele Eltern von Vorteil ist, den Vortrag zu hören, während im Nebenzimmer die Kinder schlafen“, sagt Hildebrandt.

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Die Idee zum Online-Vortrag sei der Situation geschuldet im vergangenen Jahr entstanden. „Im Rathaus haben wir viele Online-Meetings, da dachten wir – weshalb nicht auch unsere Reihe über das Internet anbieten.“ Die nächste Elternkompass-Veranstaltung sei im Moment zwar noch regulär geplant, es sei aber denkbar, dass sie wieder online stattfinde. Auch eine Kombination aus beidem sei eine Überlegung wert.

Die Volkshochschule Wertheim (VHS) nutzt seit neuestem Videostreams, um Integrationskurse sowie einen Spanischkurs nachzuholen, die im Zuge des Lockdowns Mitte Dezember ausfallen mussten. Das Konzept der Online-Kurse wird aber darüber hinaus beibehalten. „Ein Drittel der Kurse in unserem neuen Programm wird online oder als Hybridveranstaltung angeboten“, sagt VHS-Leiterin Georgitta Szabo. Hybridveranstaltungen finden sowohl online als auch in der Präsenz statt. „Auf diese Weise kann man teilnehmen, wenn man beispielsweise im Urlaub ist“, nennt Szabo als Vorteil.

Vorerst werden in erster Linie Sprachkurse als Stream offeriert, aber auch einige Sportkurse wie Yoga und Angebote aus dem beruflichen und dem gesellschaftlichen Bereich sind mit dabei. Die Kurse sind bereits auf der Homepage einsehbar, die Anmeldung ist möglich, sobald das neue VHS-Programm in gedruckter Version vorliegt.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim