Volkstrauertag - Zentrale Gedenkfeier der Stadt fand auf dem Friedhof in Vockenrot statt Nicht gleichgültig gegenüber der Historie

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Der Opfer von Unrecht und Gewalt wurde am gestrigen Volkstrauertag auf der zentralen Gedenkfeier in Vockenrot gedacht.

© Kellner

Der Opfer von Unrecht und Gewalt wurde am Volkstrauertag auch in Wertheim gedacht. Die zentrale Feier fand diesmal in Vockenrot statt.

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Vockenrot. "Ganz gleich, ob die Ereignisse der Vergangenheit 100 Tage oder 100 Jahre zurückliegen: Wenn wir gleichgültig damit umgehen, werden wir sie vergessen. Das Vergessen aber führt dazu, Fehler der Vergangenheit erneut zu begehen." Mit diesen Worten betonte Bürgermeister Wolfgang Stein am gestrigen Sonntag bei der zentralen Gedenkfeier der Stadt Wertheim auf dem Friedhof in Vockenrot die anhaltende Bedeutung des Volkstrauertags auch in der heutigen Zeit. Es gelte, daran zu arbeiten, dass Geschichte sich nicht wiederhole.

Nachdem der Gesangverein "Eintracht" Vockenrot unter der Leitung von Marita Tessmer die Feierstunde mit "We shall overcome" eröffnet hatte, sagte Volker Peters, Ortsbeauftragter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, es habe lange gedauert, bis die deutsche Gesellschaft zur Erkenntnis gefunden habe, dass zum gemeinsamen Erinnern und Gedenken nicht nur die eigenen Toten, sondern auch die der ehemaligen Gegner gehörten. "Noch schmerzhafter war die Einsicht zu erlangen, dass die eigenen Angehörigen ihr Leben für ein verbrecherisches Regime verloren, dass auch einfache Soldaten in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren", so Peters.

Erschütternd

Heute sei Europa, anders als früher, kein "Kontinent des Krieges" mehr. "Aber immer noch erschüttern uns Gewaltausbrüche, bewaffnete Konflikte und das leichtfertige Spiel mit demokratischen Errungenschaften." Die Einbeziehung der aktuellen Geschehnisse in das Erinnern und Gedenken mahne alle an die Aufgabe, aus den Lehren der älteren und jüngeren Geschichte die Fähigkeit zur Versöhnung und die Instrumente zur Förderung eines gerechten Friedens, zur Wahrung der Menschenrechte, zur Wahrung gerechter Wohlfahrt für alle zu entwickeln.

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Im Anschluss an einen Trauermarsch, intoniert vom Posaunenchor Sachsenhausen, betonte Bürgermeister Wolfgang Stein, viele hielten den Volkstrauertag für ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert, "irgendwas mit Krieg und Soldaten, Tod und Trauer, mit Schicksalen und Erlebnissen einer anderen Generation". Ihn aber nicht mehr zu begehen, bedeute eine Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte. "Das dürfen wir nicht zulassen." Die Schreckensbilder beider Weltkriege wiederholten sich gegenwärtig in den Kriegsgebieten im Nahen Osten. Man sehe in den Medien hasserfüllte Gesichter, geballte Fäuste, zerbombte Städte, verzweifelte Menschen, die keinen Ausweg mehr sähen. "Es ist nur verständlich, dass sich viele dazu entschließen, ihre Heimat zu verlassen. Ich denke, keiner von uns würde unter diesen Umständen dort bleiben wollen", sagte Stein.

Terror und Anschläge

Der Volkstrauertag stehe nicht nur für die Kriegsopfer der Vergangenheit und der Gegenwart. "Wir leben in Zeiten, in denen wir Opfer einer neuen Art von Krieg beklagen", zitierte der Bürgermeister den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck. Es seien in der Tat Anschläge, Terror und brutale Gewalt, die heute Angst machten, weil sie Leid und Tod brächten. "All diese Schicksale haben es nicht verdient, vergessen zu werden." Es sei Aufgabe jedes Einzelnen, einen Beitrag für den Frieden zu leisten, mahnte er weiter. "Manchmal reicht es schon aus, standhaft zu bleiben, wenn uns gefährliche Ideologien begegnen. Manchmal gehört auch Mut dazu, den eigenen Standpunkt Andersdenkenden gegenüber zu vertreten."

Frieden nicht aufs Spiel setzen

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Frieden und Freiheit der vergangenen mehr als 70 Jahre dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden, auch wenn extremistische Kräfte sie zu stören versuchten. "Zu unserem Frieden und unserer Freiheit gibt es keine Alternative."

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Nachdem man von der Aussegnungshalle zu den Ehrenmalen für die Gefallenen beider Weltkriege gewechselt war, legten Stein und Peters dort jeweils einen Kranz nieder. Svenja Kiesecker, Jessica Paszko und Andreas Schmidt zitierten kurze Texte und mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne klang die Gedenkfeier dann aus. ek