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Bronnbacher Gespräche - Dr. Katrin Wittstadt referierte virtuell über Glasmalereien

Modernste Technik für alte Kunstwerke

Von 
hpw
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Bronnbach. Der Vortrag „Auf dem Weg von der Forschung in Bronnbach hin zum Kölner Dom“ gab am Montagabend fundierte Einblicke, wie Glasmalereien erhalten werden. Dr. Katrin Wittstadt referierte online. Veranstalter waren das internationale Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung IZKK, das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Bronnbach und der historische Verein Wert-heim. Die Zuhörer, aus ganz Europa zugeschaltet, erfuhren bei dem virtuellen Vortragsabend im Rahmen der Bronnbacher Gespräche Manches über hochkomplexe Arbeitswelten und wurden über Bronnbach nach Köln in den dortigen Dom entführt.

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Gabriele Maas-Diegeler und Gerhard Sextl stellten die Referentin vor. Dr. Katrin Wittstadt habe sich mit antiken Gläsern beschäftigt, deren Beständigkeit untersucht, welche wiederum mit der Zusammensetzung korreliere. Schließlich habe die Referentin ein Angebot der Dombauhütte des Kölner Doms erhalten.

Wittstadt bekundete, sie habe in Bronnbach bei der Außenstelle des Fraunhofer ISC Forschung und Hightech kennengelernt, wo eine kleine Arbeitsgruppe seit über 30 Jahren forsche. 2020 sei der Wechsel vom kleinen Ort in die Millionenstadt erfolgt. Sie sei begeistert vom Streben nach Antworten, so wie beim Forschungsprojekt „Archäologisches Glas“ am Ende des Projektes alle Ergebnis-se zusammen geführt würden.

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Bei einem Abstecher nach Freiburg, so die Referentin, sei im Rahmen einer Ausstellung aufgefallen, dass Glasmalereien Risse hätten. Zu dem Thema habe es viele Fragen, aber keine Antworten gegeben. Man finde Rissbildung im Glas nicht nur im Fenster, sondern auch in archäologischen Gläsern, immer wieder, keiner habe eine Lösung. Es gebe Risse auch in Gläsern, die nicht im Boden gelagert seien.

Am Anfang stehe die Frage: „Was sei los, woher komme das, was könne getan werden?“ Dann werde geprüft, ob es ein Projekt werden könne, man schaue in die Tiefe der Objekte, um zu verstehen, was passiert. Die Vorgehensweise sei Frage, Untersuchung, Nachstellen, Übertrag in die Praxis. So war zu sehen, wie Glas für Korrosionssimulationen in Scheibchen geschnitten wird, viele kleine Modellgläschen zur Erprobung verschiedener Methoden genutzt werden.

Wittstadt erläuterte, sie habe viel Laborarbeit gemacht, sei dann mehr und mehr an den Schreibtisch verbannt worden. Dort könne sie ihre Freude an Arbeitsplanung ausleben, an Projektarbeit, Bewertung und Auswertung. Es sei stets schön, wenn sich ein Fazit herausbilde. Eine Vielzahl von Bildern zeigte trefflich auf, woran gerade wie gearbeitet und geforscht wird.

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Eines der Bilder zeigte Wittstadt hoch droben in den Fenstern des Kölner Doms, bestens angegurtet. Das sei an sich etwas ganz Außergewöhnliches, unterstrich sie. Hier würden Glasdosimeter an den Glasmalereien angebracht, um Messungen zu machen und diese später bewerten zu können, wie das Glas korrodiere. Man möchte ideale Bedingungen haben für die Gläser, auch in Vitrinen, denn manche Vitrinen dünsteten aus und schädigten damit Glas.

Der Kölner Dom, Gotteshaus, Kunstwerk und Gebirge, so führte die Expertin aus, sei Unesco-Weltkulturerbe, dessen gesellschaftliche Wertschätzung enorm hoch und viele arbeiteten daran. Man fühle sich als Teil von etwas ganz Großen, das mache demütig und klein. Der massive Bau allein sei gewaltig, es sei völlig klar, was es in den nächsten Jahrzehnten zu tun gebe. Die ältesten Glasmalereien seien um das Jahr 1300 entstanden.

In der Dombauhütte seien fast alle Gewerke unter einem Dach, erklärte Wittstadt, und man sei immer noch damit beschäftigt, Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten. Die Glasrestaurierungswerkstatt kümmere sich gleichermaßen um Erhalt und Neuanfertigung, Farbkartons seien vorhanden. Die Referentin gab per Bilder und Erläuterungen den Blick in den Arbeitsalltag frei. Es sei bei alter Glasmalerei nicht immer klar für den Laien, was Schmutz und was Malerei ist. Bei der Reinigung von Glas gelte „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“.

Ein Team aus zehn Leuten kümmere sich um das Glas, hier werde handwerkliches Können in alter Tradition gefragt. Es gehe manchmal Zentimeter um Zentimeter voran, auch bei großen Flächen. Alles werde auf unterschiedliche Weise dokumentiert, langwierig und detailliert. Es sei für Glasmalerei extra ein Konzept zu versiegeln entwickelt worden. Dabei gehe es um Fragen wie „wie kann das historische Stück nicht beschädigt werden“ oder „wie lange müssen Materialien halten“.

Wenn Fenster aus ihrer Befestigung herausgeholt würden, werde die Gelegenheit genutzt, diese Fenster auf Einflussfaktoren von Mikroorganismen zu untersuchen. Der Kölner Dom habe eine lebende Pa-tina, geschätzte 1000 Tonnen sichtbare Biomasse, das gefalle nicht allen. Es würden viele bauklimatische Messungen gemacht, Messfühler zeigten Temperatur, Feuchte, Luftströmungen an, Schadgase wie Stickoxide.

An manchen Stellen werde eine Außenschutzverglasung angebracht, so Wittstadt, im weitesten Sinne eine Art Vitrine. Diese Maßnahme sei nicht ganz unumstritten, denn sie sei ein großer Eingriff in die Architektur. Das neueste Fenster im Kölner Dom sei aus dem Jahr 2007, wobei moderne Materialien verklebt worden seien, auch dieses Fenster stehe unter Beobachtung.

Dr. Jörg Pacz-kowski vom historischen Verein Wertheim meinte, es sei toll geschildert worden, wie neueste Technologie an einem historischen Objekt sensibel angesetzt werde.

Paczkowski moderierte eine anschließende kleine Fragerunde. hpw

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