Amtsgericht - Strafe wegen Computerbetrugs Mit fremder EC-Karte Geld abgehoben

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Wertheim. Ein Mann stiehlt seiner Stiefmutter im Neckar-Odenwald-Kreis die EC-Karte, gelangt an die PIN und räumt dann mit Hilfe zweier Bekannter und bei zehn Abbuchungen das Konto leer. Gesamtschaden etwa 8000 Euro. Die Bekannten zieht er hinzu, um nicht durch die Kameras der Geldautomaten erkannt zu werden.

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Einen der Bekannten, jetzt wohnhaft in der Main-Tauber Stadt, verurteilte nun das Amtsgericht Wertheim wegen Computerbetrugs in fünf Fällen zu einer Gesamtstrafe von fünf Monaten. Die Strafe wurde gegen Ableistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Gegen die zwei anderen Täter laufen gesonderte Verfahren.

Die fünf Abbuchungen, an denen der Angeklagte beteiligt war, erfolgten an verschiedenen Orten, zum Beispiel in Dietzenbach und Frankfurt. Die Beträge beliefen sich auf 500 Euro, 490 Euro, 995 Euro und 1000 Euro. Zuletzt in Walldürn gab der Beschuldigte 1000 Euro ein, der Automat zahlte aber nur 50 Euro aus.

Die Polizei war bei Ermittlungen wegen Drogendelikten auf die Betrügereien gestoßen. Das Geld der Stiefmutter "verprassten" die jungen Leute.

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Laut einem Vernehmungsprotokoll des Stiefsohns hat der Beschuldigte auch ihn getäuscht, in dem er Abhebungsbeträge von 600 Euro nannte, obwohl sie teilweise wesentlich höher lagen. In der Verhandlung legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Er meinte, er werde das Geld in Raten zurückzahlen, hat aber seine Versprechungen aus früheren Strafverfahren noch nicht eingehalten. Es ging um Diebstahl, Computerbetrug und Unterschlagung. Zwei Mal wurde Jugendarrest verhängt, und eine Geldstrafe hat der Beschuldigte als Ersatzfreiheitsstrafe abgesessen.

Der Mann stammt aus schwierigsten familiären Verhältnissen, so die Jugendgerichtshilfe (JGH). Die Mutter sei mit der Erziehung der Kinder total überfordert, und der Stiefvater verbüße eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Den leiblichen Vater kenne der Beschuldigte nicht.

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Inzwischen ist der Mann als Arbeiter tätig und lebt mit der Freundin zusammen, im März kommt das erste Kind. Die Freundin gebe etwas Stabilität, doch bleibe die Frage, wie lange die Beziehung hält.

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Laut Staatsanwalt zeigen die Taten, dass der Angeklagte Mein und Dein nicht unterscheiden konnte. Die Fälle eins bis drei seien zwar kurz vor Vollendung des 21. Lebensjahres erfolgt, doch das sei kein Grund, diesbezüglich Jugendstrafrecht anzuwenden, wie von der JGH vorgeschlagen. Die Richterin schloss sich im Wesentlichen an und hob die Enttäuschung der Geschädigten hervor, die mit einem Schlag ihr Erspartes verloren habe. goe