Beim Amtsgericht verhandelt - Richterin entscheidet auf Untreue Missgeschick nicht geglaubt

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Wertheim. Hat der Leiter eines Geschäfts in ein einem Wertheimer Einkaufszentrum 7122 Euro Tageseinnahmen verloren, zum Beispiel auf dem Weg zum Bankautomaten, oder in die eigene Tasche gesteckt? Das Amtsgericht Wertheim ging von Letzterem aus und verurteilte den 32-jährigen ledigen Mann wegen Untreue zur Strafe von 120 mal 50 Euro.

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Der Angeklagte war verantwortlich für die Einzahlungen. Da es im Geschäft einen Safe gibt, mussten diese nicht täglich erfolgen. Es reichte ein Mal pro Woche, eventuell alle zehn Tage. Der Mann dehnte jedoch den Intervall allmählich auf über vier Wochen aus. Für die Firmen-Zentrale in Schwalbach wurde die Zuordnung der Einzahlungen auf die einzelnen Tage schwieriger. Schließlich wurde festgestellt, dass ein Umsatzbetrag fehlt.

Bei mehreren telefonischen Nachfragen im Mai und Juni 2016 verwickelte sich der Beschuldigte in Widersprüche. Zunächst behauptete er, er habe alles eingezahlt. Dann meinte er, er finde die Einzahlungsquittung nicht. Der Beleg war jeweils einzuscannen und an die Zentrale zu schicken. Schließlich sagte er, er habe den Umschlag mit dem Geld verloren.

Bei der täglichen Abrechnung wird der Barumsatz aus der Ladenkasse genommen, in einen Umschlag gesteckt und dieser in den Safe geworfen. Öffnen konnte den Safe der Angeklagte.

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Die Zentrale verlangte nun, dass der Beschuldigte in Bad Schwalbach erscheint. Doch er meldete sich krank. Der Aufforderung zu einer schriftlichen Stellungnahme kam er nach, allerdings erbrachte sie keine Klärung. Jetzt kündigte die Zentrale den Arbeitsvertrag.

Der Angeklagte wandte sich ans Arbeitsgericht. Dort erfolgten keine Ermittlungen bezüglich Untreue. Der Richter legte dem Anwalt der Zentrale "dringend" nahe, mit dem Anwalt des Beschuldigten einen Vergleich abzuschließen. Das geschah. Darin wird die Kündigung als "betriebsbedingt" bezeichnet. Das Arbeitszeugnis ist "wohlwollend" formuliert ohne Erwähnung der Zuverlässigkeit. Der Beschuldigte fand eine andere Stelle in Stuttgart.

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Jetzt im Strafverfahren bezweifelte die Staatsanwältin die Darstellung des Angeklagten wegen der vielen widersprüchlichen Erklärungsversuche. Der Verteidiger nannte das "keine ausreichende Begründung", die Tat müsse nachgewiesen werden. Der Mandant sei den Weg zum Bankautomaten nachgegangen, habe den Sicherheitsdienst verständigt und im Fundbüro nachgefragt. Der Anwalt sprach von einem nicht mehr aufklärbaren Missgeschick.

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Die Richterin sah folgende Möglichkeiten: Wegen mangelnder Sorgfalt hochgradige Ungeeignetheit für diese Stelle oder heimliche Entnahme von Privatkrediten zulasten des Arbeitgebers, die später wieder zurückgegeben wurden. Als die Zentrale eine Erklärung verlangte, habe dem Beschuldigten das Geld gefehlt.

Wird das Urteil rechtskräftig, hat das nach Aussage des Vertreters der Firmen-Zentrale Auswirkungen auf den Vergleich. Er enthalte eine diesbezügliche Klausel zugunsten des Unternehmens. goe