Bauausschuss - Gremium treibt das Planungsverfahren für das neue Rot-Kreuz-Zentrum auf dem Reinhardshof voran Messegelände soll Mischgebiet werden

Von 
Gerd Weimer
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Im Zuge des Planungsverfahrens wird das markierte Gelände auf dem Reinhardshof zum Mischgebiet. Rechts das Krankenhaus sowie Top-Vital. © Stadtverwaltung

Im Zuge der Planungen für das neue Rot-Kreuz-Zentrum soll das Gelände am Reinhardshof zum Mischgebiet werden. Der Bauausschuss stimmte am Montag einhellig zu.

Im Bauausschuss notiert

Zu Beginn der Sitzung des Bauausschusses erhoben sich die Mitglieder und Gäste zu einer Schweigeminute. Anlass: der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit, nachdem dort Millionen Menschen der Vernichtungsmaschinerie der Nazis zum Opfer gefallen waren.

Für Verwunderung in der Sitzung sorgte ein Leserbrief des früheren CDU-Fraktionschefs Heiko Albrecht („Anschluss wieder verpasst“ FN, 24. Januar). Albrecht hatte darin beklagt, dass bei der Sanierung des Parkplatzes im Bereich Lindenstraße/Friedleinsgasse die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge vergessen worden sei. Thomas Wettengel (Bürgerliste) erinnerte daran, dass der Altstadtbeirat dies im Vorfeld der Sanierung beschlossen habe und fragte, ob tatsächlich etwas vergessen worden sei.

Achim Hörner, Referatsleiter Tiefbau, berichtete, dass tatsächlich alles vorgesehen sei: Leitungen und Leerrohre seien verlegt, lediglich die „Zapfsäule“ sei noch nicht vorhanden. Das sei Sache der Stadtentwicklungsgesellschaft und der Stadtwerke. OB Markus Herrera Torrez dazu: „Es steht jedem Bürger frei, Leserbriefe zu schreiben. Jene, die nicht an den Sitzungen der Gremien teilnehmen, wissen nicht immer alles.“ Stadtbaumeister Armin Dattler sagte: „Er hat uns vorher nicht gefragt.“

Bernd Hartmannsgruber (CDU) berichtete, dass am „wunderschönen Platz“ der ehemaligen Odenwaldhütte am Römerweg zwischen Hofgarten und Urphar der Hang mit „kloakenartigem Unrat“ verschmutzt sei, und bat den Bauhof, diesen zu beseitigen, so lange es die geringe Vegetation in der winterlichen Jahreszeit erlaube. Armin Dattler versicherte, dass die Stadtverwaltung sich um die Angelegenheit kümmern werde.

Christian Ulzhöfer (Bürgerliste) berichtete von einer Besichtigungstour am Aalbach. Dort habe es extrem gestunken, und er habe festgestellt, dass die Gewässerrandstreifen nicht die vorgeschriebene Länge von zehn Metern hätten. Vier bis acht Meter seien dort die Regel. Wegen des dadurch verringerten Hochwasserschutzes sei auch das Trinkwasser gefährdet, das in unmittelbarer Umgebung entnommen werde. Armin Dattler versprach, die Angelegenheit zu prüfen und Rückmeldung zu geben.

Brigitte Kohout (SPD) fragte nach den Sicherungsmaßnahmen am Tauber-Spielplatz in der Unteren Leberklinge. Sie nahm dabei Bezug auf den Tod eines Dreijährigen, der kürzlich in Schwäbisch Gmünd nahe eines Spielplatzes in der Rems ums Leben gekommen war. Achim Hörner vom Referat Tiefbau erklärte, dass der Zaun am Spielplatz in einem Turnus von drei bis vier Wochen kontrolliert werde. wei

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Wertheim. Der Kreisverband des Roten Kreuzes will direkt in der Nähe der Rotkreuzklinik einen Gebäudekomplex errichten. Wie bereits berichtet, sollen auf dem früheren Messegelände die neue Rettungswache sowie ein Pflegezentrum für 30 Kurzzeit pflegeplätze entstehen.

Zusätzlich wird der Bau eines Schwesternwohnheims erwogen, und schließlich soll dort der Rotkreuzladen erneut eine neue Heimat finden. Die Fläche umfasst etwas mehr als einen Hektar. Insgesamt will die Stadt, wie Stefanie Leuchs von der Stadtplanung dem Bauausschuss am Montag erläuterte, fast die doppelte Fläche entwickeln. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung einstimmig, die Planungen voranzutreiben und dafür notwendige Maßnahmen zu verfolgen.

Gewerbe möglich

Um Nutzungen wie Wohnen, Handel oder Dienstleistungen zu ermöglichen, muss das Gelände in der Bauleitplanung als Mischgebiet ausgewiesen werden. Dies ermöglicht die Unterbringung von Gewerbebetrieben, die das Wohnen nicht wesentlich stören. Zulässig sind dann neben Wohngebäuden auch Geschäfts- und Bürogebäude und Anlagen für Verwaltungen sowie für soziale und gesundheitliche Zwecke.

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Wie üblich wurden die entsprechenden Planungsunterlagen den betroffenen Behörden, Gremien und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von Behördenseite gab es keine Bedenken gegen das Vorhaben. Nur kleine Änderungsvorschläge gingen ein.

Stadtteilbeirat will Tempo-30-Zone

Der Stadtteilbeirat Reinhardshof begrüßt in seiner Stellungnahme ausdrücklich das Bauvorhaben. Allerdings regte er an, die Zulässigkeit von Gastwirtschaften und Beherbergungsbetrieben zu unterbinden. Die Stadtverwaltung verwies in ihrer Stellungnahme darauf, dass ein Mischgebeit eben durch „gemischte Nutzungsmöglichkeiten“ geprägt sei. Ohnehin werde bei der Baugenehmigung geprüft, ob durch die geplante Nutzung eine Lärmbelästigung entstehen könne. Von daher gebe es keinen Anlass, gastronomische Betriebe von vornherein auszuschließen.

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Der Stadtteilbeirat regte auch an, die Geschwindigkeit in der Rotkreuzstraße auf 30 Stundenkilometer zu beschränken und einen Zebrastreifen einzurichten. Zudem sei die derzeitige Parksituation gegenüber der Klinik unbefriedigend. Diese Situation, heißt es in der Stellungnahme dazu, werde durch das Anlegen eines Gehwegs verbessert. Man wolle sich mit dem Stadtteilbeirat künftig wegen der Geschwindigkeit und einer Querungsanlage für Fußgänger abstimmen.

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Eine Familie, die eine Wohnung in den benachbarten Wohnblöcken in der Max-Ernst-Straße besitzt, äußerte sich in ihrer Stellungnahme besorgt über die zulässige Bebauungshöhe von 14 Metern. Das könne die Aussicht auf den Grünstreifen bei der Kleingartenanlage erheblich beeinträchtigen. Diese Höhe, so Stadtbaumeister Armin Dattler, sei „nicht sehr realistisch“. Das DRK plane derzeit einen eingeschossigen Bau. Möglicherweise komme ein zweites Geschoss dazu.

Lärmbelästigung?

Die Familie fragte auch nach der zu erwartenden Lärmbelästigung durch Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes. Die Verwaltung will der Bitte nachkommen, Informationen über das zu erstellende Schallemissionsgutachten zu liefern.

In der Aussprache monierte Christian Ulzhöfer (Bürgerliste), dass auf dem Reinhardshof mit dem Projekt Funktionen angesiedelt würden, die früher in der Stadt vorhanden gewesen seien. Man würde der Innenstadt erneut etwas entziehen, und müsse gleichzeitig mit Werbeaktionen versuchen, den Stadtkern wieder zu stärken.

OB Markus Herrera Torrez gab ihm zum Teil recht, ergänzte aber: „Hier kommt etwas Neues hinzu.“ Kurzeit- und Tagespflegeplätze gebe es bisher in Wertheim nicht. Man benötige diese dringend. An einem Standort in der Altstadt sei dies kaum möglich.

„Richtige Stelle“

Axel Wältz (CDU) meinte, dass das Projekt „an der richtigen Stelle“ realisiert werde. Die „Wechselwirkung mit der Klinik“ mache Sinn. Es sei zudem ein hoher Bedarf bei der Pflege vorhanden.

Redaktion Teamleiter Redaktion Wertheim