Neues Projekt - Familien mit Migrationshintergrund sollen in Wertheim mithilfe von Elternmentoren unterstützt werden / Informationsveranstaltung findet heute statt Mentoren für höhere Bildungschancen

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Heike Barowski
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Für Eltern, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, ist es nicht immer einfach, ihr Kind auf dem Bildungsweg gut zu begleiten. Ihnen soll nun in Wertheim durch die Unterstützung von Elternmentoren geholfen werden.

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Mitte vergangenen Jahres waren rund 200 Kinder an Wertheimer Schulen gemeldet, deren Eltern einen Migrationshintergrund besitzen. Ihnen sollen jetzt Elternmentoren als Hilfe zur Seite stehen.

Informationen zum Mentorenprojekt "Eltern helfen Eltern"

Für alle Interessierten findet am Dienstag, 24. Januar, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses ein Informationsabend statt, auf dem das Projekt "Eltern helfen Eltern" genauer vorgestellt wird. Zudem wird Koordinator Martin Weis aus Schwäbisch Hall von seinen Erfahrungen berichten.

Die kostenlose Schulung der zukünftigen Elternmentoren findet dann am 17./18. Februar und 24./25 März statt. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat. hei

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Wertheim. Mangelnde Deutschkenntnisse, kulturelle Missverständnisse, fehlende Informationen über das deutsche Bildungssystem - für Eltern, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, ist es nicht immer einfach, ihr Kind auf dem Bildungsweg gut zu begleiten. Unter dem Motto "Eltern helfen Eltern" soll diesen Menschen jetzt auch in Wertheim durch die Unterstützung von sogenannten Elternmentoren geholfen werden.

"Wir stellen fest, dass in unseren Kindergärten und Schulen der Anteil der Kinder aus ausländischen Familien deutlich steigt. In dieser Situation kann man sich gut vorstellen, dass die Eltern, die oft aus einer völlig fremden Kultur kommen, Unterstützung brauchen, um ihre Kinder gut durch die Kindergartenzeit und Schulzeit zu bringen", sagt Angela Steffan, Leiterin des Referats Familie Presse und Kultur. Genau aus diesem Grund will die Stadt Wertheim gemeinsam mit der Elternstiftung Baden-Württemberg in Kürze den Einsatz von sogenannten Elternmentoren etablieren.

Zwar hat es in der Stadt bisher schon Lesepatenschaften, Patenschaften für Flüchtlinge und ähnliches gegeben, aber noch keine Mentorentätigkeit von Eltern für Eltern. Diese Begleitung ist jedoch keine Wertheimer Erfindung. Sie wird bereits in mehreren Städten erfolgreich praktiziert. "Wir orientieren uns an Schwäbisch Hall. Hier hat man sehr gute Erfahrungen mit dem Elternmentoren-Projekt gemacht", erklärt Steffan.

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Martin Weis Projektleiter im Haus der Bildung in Schwäbisch Hall und einer der Koordinatoren. "Das Vorläuferprojekt war eine private Initiative. Man wollte türkischen Eltern auf Augenhöhe begegnen und ihnen zeigen, was ihre Kinder für eine erfolgreiche Schulausbildung brauchen", sagt Weis. Diese Anfänge datiert er auf das Jahr 2013. Im Herbst 2015 fand dann in Schwäbisch Hall die erste Schulung für das Elternmentoren-Projekt statt.

Inzwischen sind dort 25 Mentoren aktiv. Sie stellen Kontakt zu den betroffenen Familien her und helfen als neutraler Beobachter von außen. Dabei fungieren sie auch als Ratgeber und Bindeglied zur jeweiligen Einrichtung.

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Die Qualifizierung der Mentoren erfolgt über eine kostenlose Schulung durch die Elternstiftung. Hier lernen die Mentoren beispielsweise in Rollenspielen, wie man einer türkischen Mutter nahe bringt, dass ihr Kind die Hausaufgaben erledigen muss. "Die Mentoren müssen das natürlich so gut machen, dass die ausländische Mutter diesen Rat auch annimmt", erklärt Weis.

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Einfühlsamkeit, Verständnis für die fremde Kultur sind demnach gute Voraussetzungen für eine solche Mentorentätigkeit. "Hilfreich wäre auch, wenn der Mentor die gleiche Sprache sprechen würde, zumindest zweisprachig ist, vielleicht aus einem ähnlichen Kulturkreis stammt und ebenfalls ein Kind im Kindergarten oder in der Schule hat", sagt Martin Weis.

Am Dienstagabend findet für alle Interessierten in Wertheim ein Informationsabend statt, auf dem Weis Rede und Antwort stehen wird. Laut Angela Steffan ist bei den Wertheimer Eltern das Interesse an solch einer Mentorentätigkeit durchaus vorhanden. "Wir sind seit November aktiv und haben die Informationen über dieses Projekt beispielsweise in der Familienfachkonferenz bereits vorgestellt und erste Resonanzen erhalten", sagt Steffan. Die Stadt setzt jetzt auf die Elternbeiräte in den Kindergärten und Schulen und wird diese gezielt informieren.

Bisher hat Steffan eine konkrete Zusage auf ihrem Tisch. Die Referatsleiterin ist aber sehr zuversichtlich, dass weitere folgen. "Wir sind derzeit mit vielen Personen im Gespräch", sagt sie und freut sich ganz besonders, dass auch aus den Reihen der Flüchtlinge sich jemand bereit erklären will, diese Mentorentätigkeit zu übernehmen.

Grundsätzlich kommt es Steffan aber nicht auf die Anzahl der Mentoren an. "Wir wollen in erster Linie Menschen gewinnen, die sich diese Aufgabe wirklich zu eigen machen", sagt sie.