Betreuung - Eine große Fläche und frische Luft machen es für die Wertheimer Waldkindergärten relativ einfach, die Auflagen der Corona-Verordnung zu erfüllen Mehr Platz – mehr Möglichkeiten

Von 
Birger-Daniel Grein
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Endlich wieder Waldkindergarten: Die Kinder freuen sich vor allem, ihre Spielkameraden wiederzusehen. © Birger-Daniel Grein

Die Auflagen der Corona-Verordnung prägen auch die Arbeiten in Kindertagesstätten. Die Besonderheiten von Waldkindergärten bieten hier eine Chance.

Betreuung in den Waldkindergärten der Großen Kreisstadt

Der Waldkindergarten in Waldenhausen pausierte nach dem 16. März rund sieben Wochen lang. Es hatte bei den Familien keinen Bedarf an einer Notbetreuung gegeben. Vor etwa zwei Wochen startete man mit zwei Kindern in der Notbetreuung. Aktuell liegt die Zahl bei den vom Land vorgegeben 50 Prozent der Regelgruppenstärke. Das sind in Waldenhausen fünf von zehn Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Nach Absprache mit den Eltern wurden zwei feste Gruppen gebildet. Fünf Kinder werden Montag und Dienstag betreut, die fünf anderen von Mittwoch bis Freitag.

Auch in der Zeit, in der nicht alle Kinder kommen konnten, blieb man mit den Familien in Kontakt. Alle Kinder, die Interesse daran hatten, bekamen verschiedenen Übungsaufgaben und Bastelangebote, die Heilpädagogin Monika Häfner austeilte. Der ebenso im Kindergarten engagierte Reicholzheimer Musiker Bousch Bardarossa hatte aus kurzen Videobeiträgen, welche die Väter gefilmt hatten, zusammen mit seinem Muttertagslied und Fotos ein individuelles Muttertagsvideo für jedes Kind erstellt.

Der Waldkindergarten Naturkinder Dertingen setzt die aktuelle 50-Prozent-Regelung folgendermaßen um: Betreut werden neben der Notbetreuung außerdem Kinder, die im September in die Schule kommen. Im vollständigen Betrieb besuchen 17 Kinder die Einrichtung. Aktuell sind es acht bis neun Kinder. bdg

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Waldenhausen/Dertingen. Das 20-Jahr-Jubiläumsjahr des Waldkindergartens in Waldenhausen wurde durch die Corona-Krise gezwungenermaßen zum Ausnahmejahr. Die Leiterin des besonderen Kindergartens, Brigitte Reitlinger, berichtet im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten von den Auswirkungen des Infektionsschutzes und die Vorteile des Waldkindergartens in der aktuellen Zeit.

Reitlinger kann auf Anhieb mehrere Faktoren aufzählen, die es für den Waldkindergarten einfacher machen, die aktuell geltenden Auflagen zu erfüllen. „Wir sind dauerhaft und dank Unterstand auch bei jedem Wetter draußen an der frischen Luft. Außerdem verteilt sich alles auf dem großen Gelände.“ Dies vermindere die Gefahr der Übertragung des Virus per Tröpfcheninfektion. Zudem könne man durch die geringere Anzahl der Kinder jedem von ihnen mehr Betreuungsstunden bieten als bei größeren Einrichtungen.

„Corona-Zwangsferien“

Dies wüssten die Kinder zu schätzen. „Die Eltern sagen, ihre Kinder seien durch die Zeit in der Einrichtung ausgeglichener.“ Auch der Nachwuchs selbst zeigt seine Freude: „Mir fehlte das Spielen im Sand am meisten“, stellt die fünfjährige Milena zur Zeit ohne Kindergarten fest. Der dreijährige Johann hat vor allem seinen Freund vermisst.

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Reitlinger berichtet von einigen Rückmeldungen aus den Familien. Viele hätten betont, dass sie die Zeit in der Familie ohne Termindruck als sehr angenehm empfunden hätten. Nach ein paar Wochen wollten die Kinder aus ihren „Corona-Ferien“ aber auch zurück in ihren Kindergarten. „Sie wollten wie ihre Kollegen aus der Notbetreuung wiederkommen.“ Der Wunsch habe bei Manchen sogar zu Tränen geführt. Das Konzept des Waldkindergartens biete Vorteile für Körper und Psyche der Kinder, stellt die Leiterin fest. Ihre Gesamtkonstitution werde durch die Zeit im Freien gestärkt. „Wir hatten ein Kind mit Asthmasymptomen – nach einem Jahr im Waldkindergarten war es symptomfrei.“ Positiv wirkten sich auch der starke Gruppenzusammenhalt, die familiäre Gruppe und die gemeinsamen Erlebnisse und natürlichen Herausforderungen aus. „Man kann hier doppelt so viel machen, wie im Regelkindergarten“, findet Reitlinger.

Weiterhin gut seien die viele Bewegung und das Training des Immunsystems durch viele verschiedene Einflüsse. Als Leitung habe man durch die gute Vernetzung mit den Eltern einen Vorteil. „Es ist einfach, schnell gute und unbürokratische Lösungen für die Familien unter Einhaltung der Auflagen zu finden.“ Corona sei bei den Kindern kein Gesprächsthema. „Die Einschränkungen durch die Krise fallen hier in der Einrichtung weniger ins Gewicht.“

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Einige Vorkehrungen musste man aber auch im Waldkindergarten treffen. So wurden die Bring- und Abholzeiten gestaffelt, um die Anzahl der Personen, die aufeinandertreffen, zu reduzieren und den Sicherheitsabstand einzuhalten.

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Die bei den Kindern beliebten Ausflüge ins Dorf, das Schwimmen und Reiten müssen aktuell ausfallen. Das liege auch daran, dass man die Kinder nicht zusammen in den Kindergartenbus setzen könne. „Die Kinder vermissen die Angebote und die Kinder aus der anderen Betreuungsgruppe.“

Wiedersehen macht Freude

Häufigeres Händewaschen steht auf dem Plan der Kinder, die Erwachsenen nutzen Desinfektionsmittel. „Weiterhin haben wir feste Betreuungsgruppen ohne Durchmischungsmöglichkeiten gebildet.“ Lob hat Reitlinger für die Eltern. Die Familien seien sehr darauf bedacht, persönliche Kontakte einzuschränken. Zum Eigenschutz halten die Kiga-Mitarbeiter, wo es möglich ist, Abstand von den Kindern.

Eingewöhnungsprobleme nach der Zwangspause hätten selbst die Jüngsten nicht gehabt, blickt Reitlinger zurück. „Sie starten fröhlich in den Kindergarten.“

Sie hätten sich sofort wieder in den Wald begeben. Für viele seien die anderen Kinder und der Hund erstmal wichtiger gewesen als das Team. Aber auch auf dieses freute sich der Nachwuchs.

„Normalerweise würden jetzt die zukünftigen Kinder der Einrichtung um deren dritten Geburtstag bei uns eingewöhnt. Das ist leider aktuell nicht möglich“, bedauert Reitlinger.

Aufgrund der besonderen Bedingungen der Einrichtung könne man im Sommer wie Winter alle zehn Kinder gleichzeitig betreuen, ohne die Infektionsgefahr deutlich zu steigern, ist sie überzeugt.

Abschließend wünscht sie sich, dass den Familien die Vorteile von Waldkindergärten durch die Krise weiter bewusst werden.

Fehlende Unterscheidung

Auch Ramona Hock, Leiterin des Waldkindergartens Naturkinder Dertingen, betont: „Ich sehe für die Betreuungszeit im Waldkiga nur Vorteile, da empfohlen wird, nach draußen zu gehen.“ Man habe zudem weniger zu reinigende Flächen. „Das Immunsystem ist durch das Draußensein gestärkt, die Kinder sind in Bewegung.“ Zur Umsetzung der intensiveren Handhygiene hat man bei den Naturkindern die Wasserfässer mit Fußpumpen ausgestattet und einen kontaktlosen Seifenspender bereitgestellt.

„Ansonsten kann der Alltag mit den Kindern weitestgehend normal gestaltet werden.“ Hock bedauert, dass bei all den Maßnahmen nicht zwischen Waldkindergärten und Hauskindergärten unterschieden werde, obwohl ganz andere räumliche Voraussetzungen vorliegen.

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