Wirtschaft - In der Corona-Krise können internationale Warenströme zur Achillesferse werden / Unternehmen der Region stehen vor Herausforderungen Lieferketten funktionieren weitgehend

Von 
Gerd Weimer
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Im Zentrallager des Kurtz-Ersa-Konzerns sind die Bestände gut gefüllt. © Daniel Hartel/Kurtz Ersa

Die Corona-Krise macht der Industrie zu schaffen. Die FN haben bei regionalen Unternehmen nachgefragt, ob der internationale Warenstrom noch funktioniert.

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Wertheim/Tauberbischofsheim/Lauda. Mit der Globalisierung der Wirtschaft hat sich die internationale Arbeitsteilung weltweit intensiviert. Die hiesigen Unternehmen verkaufen ihre Produkte nicht nur in aller Herren Länder, sondern beziehen von dort auch Güter und Rohstoffe, um sie weiterzuverarbeiten.

Werden internationale Lieferketten gestört oder gar unterbrochen, hat dies fatale Auswirkungen. Bei den Unternehmen der Region scheint die Corona-Krise bisher keine gravierenden Folgen zu zeigen. Es gibt sogar Lichtblicke, weil sich die Lage in China – einem der wichtigsten Absatzmärkte – beruhigt hat.

Das Wertheimer Unternehmen Brand ist ein Paradebeispiel für die weltweite Verflechtung der Wirtschaft. Der Laborgerätehersteller bezieht Waren aus etlichen Ländern und exportiert viele seiner Produkte nach Fernost, besonders China.

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Brand-Chef Christoph Schöler bezeichnet die Lage seines Unternehmens diesbezüglich als „relativ stabil“. Man beobachte die Situation in Italien sehr genau, weil man von dort Vorprodukte beziehe. Aber noch funktioniere alles.

Allerdings sei die Entwicklung sehr dynamisch. Deswegen habe man sich entschlossen, manche Bestände des Einsatzmaterials hochzufahren. Für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen sei man mindestens gewappnet, in anderen Bereichen sogar für bis zu einem halben Jahr.

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Lieferungen nach China, einer der größten Absatzmärkte, „funktionieren reibungslos“. Dort habe es im Januar und Februar Herausforderungen gegeben. Jetzt nähere sich das Land einem „ordentlichen Zustand“ an. Der Absatz ins Reich der Mitte sei wieder gut.

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Bei einigen Produktlinien nimmt das Unternehmen sogar eine erhöhte Nachfrage wahr. So seien zum Beispiel Pipetten für die medizinische Diagnostik stark gefragt. Man habe gar einen größeren Auftrag nicht annehmen können.

In anderen Absatzmärkten sehe es dagegen schwieriger aus. Universitäten und Forschungseinrichtungen seien derzeit wegen der Pandemie geschlossen. Kurzarbeit erwartet Schöler nicht. Man könne es aber nicht grundsätzlich ausschließen. Die strikten staatlichen Maßnahmen in vielen Ländern ließen keine längerfristigen Prognosen zu.

In die gleiche Kerbe schlägt Marcus Loistl, Leiter Marketing und Kommunikation beim Kurtz Ersa Konzern. Während sich die Lage im Westen der Welt zunehmend zuspitze, kämen derzeit aus dem chinesischen Markt wieder positivere Signale.

Dort gebe es nach der Flaute in den vergangenen Monaten jetzt einen Nachholbedarf, wie zunehmende Anfragen zeigten. Aber er könne nicht generell ausschließen, dass Kurzarbeit auf bestimmte Bereiche des Konzerns zukomme. Generell rät Loistl zur Vorsicht: Bei einer weiteren Ansteckungswelle in China könnten erneut Schwierigkeiten auftreten.

Lager bei Kurtz Ersa gut gefüllt

Mit den Lieferanten sei man im engen Dialog. Fast täglich fänden Rücksprachen statt, um sicherzustellen, dass die Produktion reibungslos funktioniert. Bis auf kleinere Störungen sei die Lieferkette voll funktionsfähig. „Wir haben keine signifikanten Ausfälle“, so Loistl. Die Lagerbestände seien gut gefüllt. Probleme könne es allenfalls bei der Logistik geben. Es sei mitunter nicht klar, wie viele Lkw oder Container verfügbar sind, oder ob die Seefahrt angesichts der Pandemie weiter reibungslos ablaufe.

Weinig, der Tauberbischofsheimer Hersteller von Maschinen und Systemen für die Massivholzbearbeitung, bestätigt Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die internationalen Lieferketten. Teilweise seien elektronische Bauteile betroffen, aber auch mechanische Komponenten, wie Pressesprecher André Engert ausführt.

Das beziehe sich nicht nur auf China, sondern auch auf Lieferungen aus anderen Ländern. „Mit unserer Lieferantenstruktur sind wir bestens für jegliche Art von wirtschaftlichen Herausforderungen aufgestellt“, versichert Engert. „In der durch Corona verursachten Ausnahmesituation werden die normalen Produktionsabläufe und Lieferzeiten beeinflusst“, ergänzt er.

Dies betreffe allerdings momentan fast jedes Unternehmen, branchenübergreifend. Die Weinig-Mitarbeiter in der Logistik lieferten eine hervorragende Leistung ab. Ein unter diesen Umständen funktionierendes Logistiknetzwerk sei dadurch gesichert.

Man kaufe Vorprodukte nur noch für gesicherte Aufträge ein. Je nach Entwicklung der Corona-Auswirkungen bei unseren Lieferanten und Partnern müssten Lösungen gefunden werden, um alle warenwirtschaftlichen Engpässe zu vermeiden.

Wenige Stornierungen bei Weinig

Aufgrund der momentanen Situation könne man die Anlagen nicht immer planmäßig aufstellen.

Trotz der bestehenden Maßnahmen und Regeln zur Eindämmung des Virus stehe Weinig „mit allen uns möglichen Mitteln für unsere Kunden bei jeglichen Anfragen zur Verfügung“. Man verzeichne überdies wenige Stornierungen, dafür aber teilweise eine Verschiebung der Liefertermine, so Engert.

Bei Lauda, dem Hersteller von Temperiergeräten sowie Heiz- und Kühlsystemen, sind kurze Lieferwege gesichert, weil man vorwiegend regional und national einkaufe, so Marketingleiter Oliver Franz. Der Anteil der international bezogenen Teile auf Komponentenebene sei gering.

„Natürlich beziehen wir auch Komponenten von international tätigen Firmen innerhalb Deutschlands“, so Franz. Bei diesen Unternehmen könnten internationale Bezugsquellen durchaus eine Rolle spielen.

Lauda kauft national ein

Das Logistiknetzwerk des Unternehmens sei jedenfalls voll funktionsfähig. Die Lagerbestände an Rohstoffen und Vorprodukten seien ausreichend. Vereinzelt gebe es auf Komponentenebene „eine gewisse Herausforderung, aber allgemein ist der Bestand gesichert“, erklärt Franz. Aktuell gebe es keine Versorgungslücke.

„Es mag auf Einzelartikelebene eventuell zu Engpässen kommen, aber das haben wir sehr genau im Blick. Falls es sich anders entwickelt, können wir kurzfristig darauf reagieren“, versichert Franz. Grundsätzlich stiegen auch nicht die Lagerbestände der Lauda-Produkte.

„Wir sehen, dass vereinzelt seitens der Logistikfirmen eine Zusicherung der Warenannahme gefragt ist. In wenigen Einzelfällen werden solche Waren dann doch nicht angenommen und kommen zurück. Diese Ware wird aber weiterverkauft und insofern haben wir keine Lagerbestände aus Rückläufen“, so Franz.

Redaktion Teamleiter Redaktion Wertheim