Gemeinderat tagte (II) - Weg für 18 neue Bauplätze in Bettingen freigemacht / Debatte über Innenortentwicklung Kritik an weiterer Flächenausweisung

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Wertheim. Das eine tun ohne das andere zu lassen - diesem so oft formulierten Grundsatz für die weitere städtische beziehungsweise dörfliche Entwicklung auf Wertheimer Gemarkung trug der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag wieder einmal Rechnung.

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Das eine tun, das hieß unter anderem, für Bettingen wurde formal der Weg freigemacht für weitere 18 Bauplätze im Wohngebiet "Wacholderbüschlein II". Und dies, ohne das andere zu lassen, denn für die Ortschaften Urphar und Grünenwört beschloss das Gremium die vorbereitenden Untersuchungen, an deren Ende die Festsetzung förmlicher Sanierungsgebiet stehen soll (siehe obigen Artikel).

Sowohl Oberbürgermeister Stefan Mikulicz als auch Baudezernatsleiter Armin Dattler verwiesen einleitend auf die vergleichsweise "sehr rasante, positive Entwicklung Bettingens". Innerörtlich gebe es dort, so Dattler, keine bemerkenswerten Leerstände. Obwohl es kein Sanierungsgebiet gebe, würden auch sanierungsbedürftige Gebäude in der Regel verkauft und wieder hergerichtet.

Wäre es alleine nach der Stadt Wertheim gegangen, machte der Redner deutlich, hätte man das Neubaugebiet in einer größeren Dimension ausgewiesen. Dies sei aber vom Regierungspräsidium und vom Regionalverband abgelehnt worden, da der Bedarf hierfür rechnerisch angeblich nicht nachweisbar sei. "Wir waren anderer Meinung."

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Dattler ging davon aus, dass es - nicht zuletzt wegen der Attraktivität des Wohnbaugebietes - "nicht sehr lange dauern wird", bis auf den neu ausgewiesenen Flächen gebaut wird. "Die ersten Interessenten standen mit ihren Bauantragsunterlagen schon vor einem halben Jahr bei uns."

Gleichwohl kündigte Birgit Väth (Bündnis 90/Die Grünen) an, sich in der Abstimmung höchstens zu einer Enthaltung durchringen zu können, denn eigentlich, sagte sie, schließe sie sich eher der Begründung des Regierungspräsidiums an.

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"Der Flächenfraß geht weiter", kritisierte Väth. OB Mikulicz wiederholte hingegen das städtische Credo. Wolle man die Einwohnerzahl zumindest halten, müsse man entsprechende Angebote machen. Das schaffe man aber nicht im Bestand. An einem regelmäßigen runden Tisch solle man die Erfahrungen und Wünsche der Bauleute, etwa der Architekten, abfragen, regte Richard Diehm (Bündnis 90/Die Grünen) an. Man kenne die Nachfragen und Wünsche, meinte der Oberbürgermeister hierzu. "Es wird nichts anderes herauskommen." Selbst der Bau von Reihenhäusern sei ein schwieriges Thema.

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Diehms Aufforderung, dann eben "sanften Zwang auszuüben", widersprach Dattler. Man müsse eher darauf achten, "dass die Leute zu uns kommen wollen". Andere Baugebiete etwa auf bayerischer Seite seien nicht weit entfernt. Und im Übrigen lasse der Bebauungsplan Doppel- und Reihenhäuser zu, lediglich bei der Traufhöhe gebe es kleinere Einschränkungen.

Für Hubert Sadowski (Freie Bürger Wertheim) passen solche Gebäude auch eher in die Sanierungsgebiete von Ortschaften, als in Neubaugebiete.

Man werde, kündigte Stefan Mikulicz schließlich an, dem Gemeinderat Angebote für Mehrgeschossbauten machen.

Nach weiteren Wortmeldungen zum Thema von Ingo Ortel (SPD), Michael Althaus (FDP) und noch einmal Birgit Väth, der es diesmal um Kleintierhaltung (Hühner oder ähnliches) ging, die in Neubaugebieten der Ortschaften nicht möglich sei, billigte der Gemeinderat schließlich, bei Enthaltung der drei Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen, die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Wohngebiet "Wacholderbüschlein II" in Bettingen.

Väth enthielt sich auch bei der späteren Vergabe der Straßen- und Kanalbauarbeiten für die Erweiterung des Wohnbaugebietes "Talbuckel/Talgraben" in Dertingen. Hier sollen neun Baugrundstücke entstehen. Den Zuschlag erhielt die Firma Benninger-Bau aus Bad Mergentheim zum Brutto-Angebotspreis von knapp 285.550 Euro.

Alle Gemeinderatsmitglieder hatten eingangs "Ja" gesagt zur Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung des Bebauungsplanes für das Sondergebiet Gartengebiet "Lindenbächlein" in Lindelbach. ek